Adrian Newey sieht seine Vorteile erst in Zukunft wieder wichtiger werden

Formel 1 2014

— 28.01.2014

Newey: Die Vorteile sind erstmal weg...

Adrian Newey muss damit leben, dass seine erarbeiteten Vorteile des letzten Jahres weg sind und dass er auf manche Bereiche auch keinen Einfluss nehmen kann



Jetzt zählt es für Adrian Newey: Große Reglementänderungen waren stets die Stärke des Designers, häufig konnte er die besten Ideen aus dem Hut zaubern. Und dieses Mal waren die Änderungen größer als je zuvor. Doch trotz der somit idealen Designer-Voraussetzungen ist in diesem Jahr alles anders: Red Bull ging mit neun Siegen en suite in die Winterpause und hatte sowieso alle Trümpfe in der Hand. "Mit unserer Performance am Ende des letzten Jahres wären wir natürlich glücklich gewesen, wenn sich die Regeln nicht verändert hätten", lacht Newey daher.

Doch das haben sie nun einmal, und Red Bull steht vor der großen Herausforderung, von null wieder möglichst schnell auf 100 zu kommen. Das könnte 2014 allerdings etwas länger dauern, weil es viele unausgereift Baustellen gibt. Besonders im Blickpunkt sind natürlich die V6-Turbomotoren, die völlig neu entwickelt werden mussten. Und das könnte auch zum großen Problem des Adrian Newey werden. Denn sein Aufgabengebiet umfasst eher andere Dinge.

Doch die Aerodynamikänderungen sind beispielsweise nicht so groß wie damals vor der Saison 2009, wo Newey aus dem Mittelfeld-Bullen ein Spitzenauto formte und diesen Vorsprung bis heute verteidigen konnte. Mit dem neuen Antrieb musste sich hingegen Partner Renault eingehend beschäftigen - und sollten die Franzosen die Erwartungen nicht erfüllen, so kann auch das Design-Genie nicht viel retten.

Auf den Motor kommt es an

Besonders zu Saisonbeginn fürchtet Newey daher, dass die Motoren den Ausschlag über Sieg und Niederlage geben werden: "Ich denke, in den ersten Rennen könnte es wirklich eine Motoren-Formel-1 sein, weil die Motoren im Vergleich zu bisher natürlich relativ unterentwickelt sind", erklärt der Brite. "Wenn sich die neue Formel 1 entwickelt und die Hersteller hinter die Kniffe kommen, dann wird es wieder eine Kombination aus Chassis und Motor."

Doch bisher weiß niemand, wer den besten Job über die vergangenen Monate hinweg gemacht hat - weder auf Motorenseite noch auf Chassisseite. Einen Favoriten auszumachen ist daher auch für den Red-Bull-Technikchef unmöglich: "Wir wissen natürlich, was wir gemacht haben, aber wir wissen nicht, ob das gut oder nicht so gut im Vergleich zu den anderen ist." Dass Red Bull nach vier Titeln in Folge automatisch Favorit ist, will er nicht gelten lassen, dafür hätte sein Team zu viele Vorteile abgeben müssen.

Das erste Beispiel dafür ist der Auspuff, der nun zentral nach hinten verschoben wurde. Abgase können nun nicht mehr aerodynamisch verwendet werden. "Den Auspuff-Effekt zu verlieren, bedeutet, dass es schwieriger ist, mit einer höheren Fahrzeughöhe an der Hinterachse zu fahren", erklärt Newey. Nun muss der RB10 die Fahrzeughöhe hinten wieder etwas tiefer eingestellt bekommen. Zwar sei das für alle im Endeffekt das gleiche Problem, aber Red Bull hatte den Auspuff-Effekt vorher besser verstanden als alle anderen. "Von daher ist es für uns ein großer Verlust."

Red Bull verliert massiven Vorsprung

Auch in anderen Bereichen, die für Ottonormalzuschauer nicht ersichtlich sind, sei Red Bull ein Vorreiter gewesen und würde seine Vorteile dabei einbüßen - wie bei den Batterien. "Es ist schade, dass wir zuvor entschieden haben, die Batterien in und um die Getriebeglocke zu platzieren. Das war ein ziemlich großer Vorteil, der es uns ermöglicht hat, das Gewicht weiter nach hinten zu schieben und trotzdem die Gewichtsverteilung zu behalten", beschreibt der Technikchef.

"Das fehlt uns jetzt leider, da das Reglement verlangt, dass die Batterien vor dem Motor unter dem Benzintank liegen müssen. Es ist wirklich schade. Das wurde aus Sicherheitsgründen getan, aber ich bin mir nicht sicher warum - Batterien unter dem Tank, anstatt hinter dem Motor? Aber so ist es nun mal. Man ist in den Freiheiten beschränkt. Das ist für alle gleich, aber es ist schade, dass wir das verloren haben."

Doch Adrian Newey wäre nicht Adrian Newey, wenn er sich nicht für die weitere Entwicklung viele unkonventionelle Lösungen einfallen lassen würde. Und das Entwicklungsrennen geht sowieso schon weiter, auch wenn der RB10 bis zum Mittag nicht auf der Strecke gesichtet wurde. Der Red Bull, der heute Morgen von Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo enthüllt wurde, soll nämlich fast nichts mehr mit dem Auto gemein haben, das in Australien am Start stehen wird. "Es wird die üblichen Veränderungen geben: Frontflügel, Diffusor, Bodywork-Teile", bestätigt Newey.

Riesen Entwicklungsrennen

"Ich würde sagen, dass die Veränderungen größer ausfallen werden, als in einer normalen Saison. Zuerst einmal wegen den neuen Regeln, und außerdem haben wir diesmal mehr Zeit zwischen dem ersten Test und dem ersten Rennen." Bis zum ersten Rennen am 16. März sind es noch fast sieben Wochen, und in dieser Zeit soll der Fokus besonders auf die Zuverlässigkeit gelegt werden, die Newey in den ersten Rennen für den großen Schlüssel hält. "Melbourne ist schwierig vorherzusagen, aber es könnte mit Sicherheit viele rote Flaggen während der Wintertests geben", prognostiziert er.

Doch das soll sich mit der Zeit mehr und mehr legen. "Die Entwicklung geht erst einmal in Richtung Zuverlässigkeit und Kontrolle der Antriebe - also Benzinverbrauch und sowas. Wenn sich das einmal gelegt hat, dann wird sich das vermutlich alles in die normale Aeroentwicklung verschieben", sagt er und reibt sich schon einmal die Hände. Denn dann kann Newey wieder den Unterschied ausmachen. Baustellen gibt es für ihn ja derzeit mehr als genug.

Viele Dinge springen dem 55-Jährigen sofort ins Auge - wie beispielsweise der Frontflügel. "Unter den alten Regeln war er breiter und die Luft konnte von den Endplatten besser um die Vorderräder geleitet werden. Vor 2009 waren die Flügel nicht breit genug und alles wurde innen vorbeigeleitet. Jetzt haben wir die Endplatten in der Mitte der Vorderreifen, was so ziemlich der schlechteste Platz dafür ist. Es ist kein einfaches Problem", grübelt er schon.

Doch zumindest die erste Etappe ist einmal geschafft: Der RB10 ist fertig zum ersten Test in Jerez angekommen, was auch den Technikchef erleichtert durchatmen lässt. "Denn selbst für unsere Verhältnisse waren wir beim Design des Autos ziemlich spät dran", zwinkert er, "und es ist eine fantastische Leistung, dass wir das Auto designt und hergestellt bekommen haben und nun hier sind. Ich muss den Jungs in Milton Keynes großen Respekt für ihre harte Arbeit aussprechen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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