Nicht zu stoppen: Nico Rosberg bei der ersten Rennsimulation des Jahres 2014

Formel 1 2014

— 31.01.2014

Mercedes beschließt bärenstarken Test mit Rennsimulation

Mercedes ist der heimliche Sieger des ersten Wintertests in Jerez - Niemand spulte so viele Kilometer ab wie die Silberpfeile, bei denen sogar eine Rennsimulation gelang



Vielversprechendes Ende einer starken ersten Testwoche für Mercedes: Nico Rosberg gelangen am Vormittag 91 Runden mit dem neuen F1 W05 und damit eine richtige Rennsimulation. Da war sogar noch Spielraum, um am Nachmittag Lewis Hamilton ans Steuer zu lassen - als Entschädigung für seinen Frontflügel-Bruch am Dienstag, der ihn um wertvolle Testkilometer brachte. Der Brite fuhr immerhin 41 Runden. Damit sind die Silberpfeile der heimliche Sieger des Jerez-Tests, denn sie haben mit 309 Runden die meisten Kilometer abgespult - und zwar genau 584.496. Ferrari liegt 58 Umläufe hinter Mercedes.

Der Testkönig heißt Rosberg - er legte mit 188 Runden die größte Distanz zurück. In der Zeitenliste rangierte der Wiesbadener heute nur auf dem abgeschlagenen achten Platz . Mit einer persönlichen Bestmarke von 1:36,951 Minuten fehlten ihm 8,722 Sekunden auf die Tages-Bestzeit von Williams-Pilot Felipe Massa. Das liegt vor allem daran, dass die feuchte Strecke am Abend abtrocknete und sogar den Einsatz der Supersoft-Reifen ermöglichte.

Wegen der besseren Bedingungen umrundete Teamkollege Hamilton den Kurs in Jerez in 1:30,822 Minuten und kam mit einem Rückstand von 2,593 Sekunden auf den fünften Platz. Doch Zeiten spielten in Spanien in dieser Woche ohnehin nur eine untergeordnete Rolle, da sich die Rennställe noch nicht auf das Setup, sondern auf Funktionstests konzentrierten.

Kühlung bei Mercedes im Griff

Und dementsprechend beeindruckt ist das Fahrerlager von der Mercedes-Form. "Das ist sehr beeindruckend. Mercedes hat es geschafft, Longruns zu fahren, die die 20-Runden-Grenze erreichen", schwärmt Ex-Jordan-Technikchef und Experte Gary Anderson. "Es dauert fünf bis zehn Runden, bis alles auf Temperatur ist, und diese Rundenanzahl beweist, dass die Kühlung stabil ist."

Tatsächlich legte Rosberg bei seiner 71 Runden umfassenden Rennsimulation zwei Boxenstopps ein, wodurch er pro Versuch auf etwas mehr als 20 Runden kam. Anderson stellt der Truppe unter der technischen Leitung von Paddy Lowe ein sehr positives Zeugnis aus: "Mercedes sollte glücklich sein. Selbst wenn das Auto zu heiß werden sollte, haben sie es zumindest im Griff, also wird es einfach, die Kühlung anzupassen. Das Auto sieht gut aus, auch über die Randsteine, hat aber etwas Untersteuern. Vielleicht liegt es aber daran, dass man die Hinterreifen schützen will."

F1 W05 ist zuverlässigstes Auto

Gut möglich, denn die Zeitenjagd spielt in den Köpfen der Mercedes-Akteure noch keine Rolle. "Wir konzentrieren uns derzeit auf niemanden", bestätigt Hamilton. "Wir versuchen nur, uns auf uns selbst zu konzentrieren, uns zu verbessern und so viele Daten wie möglich zu sammeln, so viele Kilometer wie möglich abzuspulen und wirklich einen Schritt nach dem anderen zu machen."

Sein Fazit fällt absolut positiv aus: "Es war fantastisch, wirklich fantastisch. Die Kilometeranzahl ist das größte Plus, das wir mitnehmen können. Das Auto ist zuverlässig." Eine Aussage, die den Rivalen von Red Bull unter die Haut gehen wird - die Weltmeistertruppe kam wegen Zuverlässigkeits-Problemen an vier Tagen auf nur 21 Runden.

Überraschender Einsatz für Hamilton

Er bedankt sich beim Team dafür, doch noch spontan zum Einsatz gekommen zu sein: "Da ich bei der Kilometeranzahl diese Woche etwas im Hintertreffen war, war es gut, heute Nachmittag etwas mehr Zeit im Auto zu verbringen - jeder Kilometer hilft in diesem Stadium."

Auch wenn es noch schwierig ist, das Potenzial des Autos zu beurteilen, weil sich die Aerodynamik noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet, ist Hamilton positiv gestimmt: "Bislang fühlt sich das Auto ziemlich gut an. Natürlich haben wir wie jedes Jahr noch viel Arbeit vor uns, aber diese Saison handelt es sich um eine neue Herausforderung - und dadurch ist die Arbeitslast noch ein bisschen höher als in den vergangenen Jahren. Soweit so gut - jetzt müssen wir weiter hart arbeiten und schauen, was in Bahrain passiert."

Rosberg: Konkurrenzfähigkeit noch ein Fragezeichen

Teamkollege Rosberg stößt ins gleiche Horn wie Hamilton. Auch er lobt die tolle Zuverlässigkeit, gibt sich aber in Hinblick auf die Konkurrenzfähigkeit des Autos noch vorsichtig: "Wir wissen einfach nicht, wie gut unser Tempo ist - keine Ahnung. Wenn es aber um die Zuverlässigkeit und all diese Dinge geht, dann ist bislang alles ordentlich gelaufen. Ich bin diesbezüglich sehr zufrieden, denn das war bei diesem Test das wichtigste."

Und das, obwohl der Teststart mit einem Crash seines Teamkollegen wegen eines technischen Defekts begonnen hat: "Das war ein harter Auftakt, aber das Team hat wirklich gute Arbeit geleistet, um das Ruder herumzureißen, und jetzt haben wir wirklich Kilometer gesammelt und viele Runden absolviert."

Rosberg sieht spontanen Hamilton-Einsatz locker

Dass es so gut lief, bezeichnet der Wiesbadener als "überraschend". Auch mit seiner heutigen Rennsimulation zeigt er sich "sehr zufrieden". Und auch die Tatsache, dass er heute Nachmittag überraschend für Teamkollege Hamilton Platz machen musste, stört ihn: "Das war eine normale Teamentscheidung. Wir haben sie getroffen, weil ich zu diesem Zeitpunkt schon viel mehr Kilometer gesammelt hatte als Lewis."

Fragen über das Potenzial des Autos weist er konsequent zurück: "Über Potenzial kann man noch nichts sagen, nicht einmal, was die Fahrer angeht, denn es ist nur wichtig, Kilometer abzuspulen, und dann attackieren wir in Melbourne. Natürlich wollen wir auch die Performance verbessern, aber der Fokus liegt derzeit auf der Zuverlässigkeit - das wird sich dann langsam aber sich ändern. Wann, weiß ich allerdings noch nicht."

Lowe: Alles läuft wie am Schnürchen

Der Geschäftsführer Technik des Mercedes-Rennstalls, Paddy Lowe beschreibt das genaue Testprogramm des heutigen Tages: "Es war der Plan, eine Rennsimulation zu absolvieren. Nico hat bei feuchten Bedingungen einen Basisversuch durchgeführt, ehe er mit einer 74 Runden langen Rennsimulation auf Intermediate-Reifen begann, inklusive zwei Boxenstopps. Das lief makellos, ehe wir unsere Mittagspause machten. Da entschieden wir wegen des großen Kilometer-Unterschiedes bei unseren beiden Piloten in dieser Woche, Lewis am Nachmittag ins Auto zu setzen."

Auch der Brite fand auf dem Kurs in Jerez herausfordernde Bedingungen vor: "Wegen der feuchten Strecke, des Regens und der niedrigen Temperaturen war es knifflig. Dadurch hatten wir auf den Intermediate-Reifen und den Slicks Schwierigkeiten, Grip zu finden. Dennoch absolvierte er 41 Runden, wodurch wir an diesem Tag auf insgesamt 132 Runden kamen. Am Ende probierte er noch erfolgreich ein paar Starts. Insgesamt handelte es sich um einen sehr soliden Tag, der eine sehr erfolgreiche Woche beschließt."

Auch das Fazit des Technikverantwortlichen fällt vorsichtig optimistisch aus: "Es fühlt sich so an, als würde alles auf Anhieb funktionieren, obwohl es noch viele Aspekte sowohl beim Auto als auch bei der Antriebseinheit gibt, die wir vor dem nächsten Test in Bahrain verbessern können."

Fotoquelle: xpbimages.com

Weitere Formel 1 Themen

News

Formel-1-Gehälter 2017: Wer wie viel verdient

News

Fotostrecke: Design-Konzepte für Formel-1-Werksteams

News

Flexibler Unterboden: TV-Bilder belasten Ferrari

News

Nicht um jeden Preis: Formel 1 ab 2018 nicht mehr bei RTL?

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung