Krisengipfel: Rob White und Red-Bull-Teamchef Christian Horner

Formel 1 2014

— 01.02.2014

Fundamentales Renault-Problem? "Können nicht sicher sein"

Renault-Technikchef Rob White im Interview: Wo die großen Probleme liegen, wie man nun reagiert und welche Rolle die Homologierungs-Deadline spielt



Katerstimmung bei Renault nach dem ersten Wintertest in Jerez: Die französischen Antriebseinheiten bereiteten den drei Teams Red Bull, Toro Rosso und Caterham große Probleme. An Rundenzeiten, die mit den anderen Herstellern vergleichbar sind, war nicht zu denken, während sich die Entscheidung des Renault-Team Lotus, gar nicht anzutreten, im Nachhinein als richtig herausstellte.

Die Fakten: Jedes Renault-Team kam an den vier Tagen durchschnittlich nur auf 50 Runden - bei Ferrari (148) und Mercedes (219) lag dieser Wert mit 148 beziehungsweise 219 deutlich darüber. Am schlimmsten erwischte es das Weltmeister-Team Red Bull, das an den vier Tagen nicht ein einziges Mal über die 100-Kilometer-Marke kam und somit zum großen Verlierer des Testauftakts wurde. Im Interview gibt Renaults Motorenchef Rob White Einblicke, wo bei Renault der Hund begraben ist, worauf die Probleme zurückzuführen sind und wie man die Krise bewältigen will.

Energiespeicher sorgt für Kettenreaktion

Frage: "Rob, die Teams mit Renault-Motoren kamen diese Woche nur wenig zum Fahren. Welche Probleme gab es?"
Rob White: "Wir haben nicht genügend Runden absolviert, und wenn das doch der Fall war, dann nicht auf einem akzeptablen Performance-Niveau."

"Was die Gründe dafür sind, ist nicht so einfach auf den Punkt zu bringen: Es gibt kein einzelne Komponente oder ein einzelnes System, das für spezielle Probleme gesorgt hat. Ein paar zusammenhängende Dinge haben für Probleme gesorgt, die vorrangig die Steuerung und den Betrieb der verschiedenen Subsysteme der Antriebseinheit im Auto betreffen."

"Am ersten Tag hatten wir zum Beispiel Probleme mit einem Subsystem innerhalb des Energiespeichers, die nicht unmittelbar die Batterie oder den Betrieb der Batterie betroffen haben. Es handelte sich um ein elektronisches Teil, das im gleichen Gehäuse wie der Energiespeicher zu finden war."

"Als Folge davon hatten wir Probleme mit Turbolader und den Boost-Steuerungssystemen, mit Folgewirkungen auf die verbundenen Motormanagement-Systeme, die wiederum mechanische Defekte ausgelöst haben."

Prüfstand-Ergebnisse narrten Renault

Frage: "Welche Lösungsansätze habt ihr in Jerez getroffen?"
White: "Zwischen Tag eins und Tag zwei haben wir mit der Hilfe von Red Bull für den verbleibenden Test eine spätere Hardware-Entwicklungsstufe eingebaut, um uns dem Problem mit dem Energiespeicher anzunehmen. Das wurde dann an den zwei verbleibenden Tagen eingesetzt."

"Die Mannschaft in Viry hat parallel zu den Tests ins Jerez Prüfstand-Testprogramme durchgeführt, um die Probleme an der Rennstrecke zu untersuchen und Lösungen vorzuschlagen. Wir haben die wahrscheinliche Kernursache unserer grundlegenden Turbo-Steuerungs-Probleme identifiziert, dann ein paar Übergangslösungen eingebaut, die erstmals am Ende von Tag drei aufgetaucht sind und in den drei Autos am vierten Tag zum Einsatz kamen. Dadurch hatten wir eine Basis, auf der wir aufbauen konnten."

Frage: "Warum haben sich diese Probleme auf dem Prüfstand nicht gezeigt?"
White: "Wir dachten, dass unsere ursprüngliche Konfiguration einen robusten Ausgangspunkt für den Einsatz auf der Rennstrecke darstellt, aber das hat sich nicht als richtig herausgestellt. Wir haben maßgebliche Prüfstand-Versuche in einer ähnlichen Konfiguration mit wenigen Problemen durchgeführt. Wir wissen jetzt, dass die Unterschiede zwischen Prüfstand und Auto größer sind als erwartet - mit der Konsequenz, dass unsere ursprünglichen Eindrücke unvollständig und unvollkommen waren."

"Es war unsere Absicht, dass die Autos fahren. Es ist für uns sehr frustrierend, dass wir nun mit dieser Litanei an Problemen konfrontiert sind, die wir auf dem Prüfstand hätten beseitigen sollen und die uns um eine wertvolle Gelegenheit brachten, etwas zu lernen."

Frage: "Konntet ihr bei den beschränkten Tests etwas lernen?"
White: "Absolut - zu diesem Zeitpunkt ist jeder Kilometer äußerst wertvoll. Wir haben erkannt, dass die Autos, wenn sie fahren, nicht auf einem akzeptablen Niveau fahren. Wir sind weit vom geplanten Betrieb, auf den wir uns vorbereitet hatten, entfernt. Das ist Großteils darauf zurückzuführen, dass wir Übergangslösungen finden mussten. Dennoch sind alle Informationen nützlich."

"Da wir uns mit den Problemen auseinandergesetzt haben, haben wir uns von der Konfiguration entfernt, mit der wir uns wohl gefühlt haben, was die relativ langsamen Rundenzeiten verursacht hat. Die Versuche haben uns aber ein viel größeres Verständnis der Probleme gebracht, mit denen wir konfrontiert sind. Wir erwarten, beim kommenden Test in Bahrain eine deutlich ausgereiftere Lösung bereitstellen zu können."

Fundamentales Problem nicht ausgeschlossen

Frage: "Gab es bei allen Teams die gleichen Probleme?"
White: "Zahlreiche Probleme betreffen alle, da es sich bei der Antriebseinheit abgesehen von ein paar kleinen Einbauunterschieden bei allen Autos um die gleiche Ausbaustufe handelt. Ein paar Probleme betreffen ein spezielles Einbau-Umfeld, aber es ist unsere Verantwortung, uns mit allen auseinander zu setzen."

"Allgemein haben wir die unterschiedlichen Probleme verstanden. Wir haben mit allen drei Teams gearbeitet, die diese Woche fahren, und trotz der Ereignisse nützliche Fortschritte gemacht. Wir haben kein großes, neues, fundamentales Problem entdeckt, obwohl wir erkennen müssen, dass wir uns wegen der beschränkten Tests unmöglich sicher sein können."

Frage: "Wie sieht nun die Marschroute bis zum zweiten Test in Bahrain aus?"
White: "Wir haben jetzt natürlich eine umfangreiche Arbeitsliste für Bahrain vor uns, da wir viele Elemente, die wir in Jerez testen wollten, nicht überprüfen konnten. Der nächste Schritt wird es nun sein, die Kernursachen für die erfahrenen Probleme zu finden, Lösungen zu entwickeln, um unseren Überprüfungsprozess zu verbessern, damit wir zuversichtlicher sein können, dass Bahrain für uns normal ablaufen wird."

Frage: "Macht es dir Sorgen, dass die Motorspezifikationen in der Vorsaison eingefroren werden?
White: "Die Homologierungs-Deadline ist Ende Februar und im Reglement verankert. Danach sind Änderungen nur mit der Genehmigung der FIA erlaubt. Änderungen sind nicht verboten, sondern Teil des sportlichen Reglements, und wir sollten uns nicht zu sehr auf dieses Datum versteifen."

Frage: "Bist du rückblickend auf diesen Test immer noch für das neue Reglement?"
White: "Ja, absolut. Das Antriebsstrang-Reglement ist eine enorme Herausforderung, aber auch eine Chance. Es wird einen großen Beitrag leisten, damit die Formel 1 wieder zum Vorreiter der Technologie wird. Wir besitzen die nötigen Werkzeuge und die Entschlossenheit, um erfolgreich zu sein."

"Der Schritt, den wir bewältigen müssen, um ein akzeptables Performance-Niveau im Auto zu erreichen, ist größer als uns lieb ist. Es ist inakzeptabel, dass wir nicht imstande waren, die Probleme ausreichend zu beseitigen, um unseren Partner Testläufe mit beliebiger Länge zu ermöglichen. Wir arbeiten hart, um das rechtzeitig bis Bahrain zu korrigieren und wollen das berichtigen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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