Xevi Pujolar benötigte nach einem Williams-Jahrzehnt einen Tapetenwechsel

Formel 1 2014

— 11.02.2014

Pujolar kritisiert Williams: realitätsfern und zu viel Politik

Ex-Williams-Mann Xevi Pujolar erklärt, warum er dem Traditionsteam nach zehn Jahren den Rücken gekehrt hat und nun bei Toro Rosso arbeitet



Nach einem Jahrzehnt bei Williams verlässt der Spanier Xevi Pujolar das britische Traditionsteam und heuert bei Toro Rosso an. Der langjährige Renningenieur, der mit den Piloten Juan Pablo Montoya, Mark Webber, Alex Wurz, Kazuki Nakajima und Pastor Maldonado arbeitete, war 2013 bei Williams zum Chef-Renningenieur aufgestiegen und vertrat seinen Rennstall auch gegenüber der Presse. Im Team von Franz Tost macht der 40-Jährige nun den nächsten Schritt auf der Karriereleiter und fungiert dort als Chefingenieur.

"Im Vorjahr war die Lage schwierig, und Williams fühlte sich nicht mehr richtig an", erklärt Pujolar gegenüber 'El Confidencial' den Grund für seinen Teamwechsel. "Ich habe mir dann eine Alternative überlegt. Nach mehreren Gesprächen mit Toro Rosso hatte ich den Eindruck, dass es sich um ein wachsendes Team mit viel Potenzial handelt. Ich kannte ein paar Leute im Team, auch Franz - sie wollten mich haben und boten mir dann die Position des Chefingenieurs an, die ich annahm."

Seit Mitte 2012 leitet der Brite James Key die Technikabteilung bei Toro Rosso - der ehemalige Force-India- und Sauber-Mann gilt als einer der Top-Leute im Fahrerlager. Pujolar glaubt, dass er in Faenza gut aufgehoben ist: "Wir werden nicht gegen Red Bull kämpfen, werden aber versuchen, vor den anderen Mittelfeld-Teams zu sein. Im Vorjahr waren wir bei vielen Rennen vor Williams. Und wenn man sieht, wie viel investiert wird - dann ist es schwer abzuschätzen, wie weit es nach vorne gehen kann."

Hat Williams Schwierigkeiten, die Realität anzuerkennen?

Bei Williams hatte Pujolar das Gefühl, dass er die Decke erreicht hatte und sich nicht mehr weiterentwickeln kann. Er ortet beim britischen Rennstall Schwierigkeiten, sich damit abzufinden, nicht mehr wie früher um WM-Titel mitzufahren. "Das Team war einmal sehr gut, ist aber zurückgefallen", beschreibt er die Lage bei Williams."Heute läuft die Organisation bei einem Formel-1-Team ganz anders ab. Man muss akzeptieren, dass sich die Zeiten ändern, und man muss sich anders organisieren. Und akzeptieren, dass man kein Weltmeister mehr ist, sondern hinten liegt. Das ist natürlich schwierig."

Die vergangenen Jahre waren für Williams äußerst turbulent: Nach der schwachen Saison 2011 gelang 2012 mit Maldonado in Spanien sensationell ein Grand-Prix-Sieg, ehe man 2013 wieder am Ende des Feldes seine Runden zog. Zudem ging zunächst Geschäftsführer Adam Parr über Bord, ehe sich auch Williams-Direktor Toto Wolff aus dem operativen Bereich zurückzog. Nun leitet Frank Williams' Tochter Claire Williams das Tagesgeschäft, Technikchef Mike Coughlan musste 2013 das Team verlassen und Ex-Benetton- und Renault-Mastermind Pat Symonds übernahm.

Warum Pujolar Toro Rosso Williams vorzieht

Symonds, der übrigens von Williams-Headhunter Wurz geholt wurde, ist laut Pujolar der richtige Mann: "Als er kam, da waren das gute Nachrichten, denn er hat enorme Erfahrung. Jetzt führen sie große Änderungen durch und werden sich verbessern." Warum er trotzdem das Team verlassen hat? "Ich benötigte eine Tapetenwechsel", sagt er. "Außerdem gab es andere Faktoren, mit denen ich mich nicht wohl fühlte."

Er erhofft sich von Toro Rosso "ein reines Rennsportumfeld mit weniger Politik". Und auch die Mentalität in Faenza kommt ihm entgegen: "Wir haben hier Briten, Deutsche, Spanier - die Südländer sind anders. Die Arbeit ist vielleicht die gleiche, aber nicht der Umgang mit den Kollegen - er ist offener, südländischer."

Trotz allem hat er gute Erinnerungen an seine Williams-Ära. Mit welchem Piloten er in seiner Zeit als Renningenieur am liebsten gearbeitet hat? "Am meisten haben mich Pastor und Montoya beeindruckt", sagt Pujolar. "Vielleicht, weil sie einander ähneln. Sie sind Kämpfer. Pastor hat gezeigt, dass er ein schneller Kerl ist, er wird manchmal unterschätzt. Ich habe auch mit Webber und Ralf Schumacher gearbeitet, die auch Top-Fahrer sind, aber für mich war das nicht das Gleiche."

Fotoquelle: Williams

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