Ein stillstehender Bolide mit Renault-Power: 2014 eher die Regel als die Ausnahme

Formel 1 2014

— 14.02.2014

Renault: Wie ernst ist die Lage wirklich?

Renault-Motorenchef Taffin bemüht sich angesichts der Zuverlässigkeitsprobleme um Eindämmung der Ängste, zieht aber schon das erste Schlupfloch in Betracht



Ungeachtet der miserablen Laufleistung beim Jerez-Test und ungeachtet der jüngsten Vermutungen von Ex-Formel-1-Teamchef Giancarlo Minardi, wonach sich Red Bull bereits nach einem neuen Motorenpartner umsehe, glaubt man bei Renault weiterhin fest daran, die Probleme am V6-Antriebsstrang in den Griff zu bekommen. Schon beim Bahrain-Test in der kommenden Woche will man sich deutlich besser aussortiert präsentieren.

Derweil versucht man im Lager von Red Bull, den Minardi-Gerüchten Wind aus den Segeln zu nehmen. Dies gelingt jedoch nur bedingt. "Wir haben einen längerfristigen Vertrag mit Renault, der natürlich an die Performance gebunden ist. Trotzdem werden wir gemeinsam erst einmal die aktuellen Probleme lösen und auf keinen Fall in Panik verfallen", so Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko gegenüber 'Sport Bild'.

"Sicher war Jerez kein guter Test für uns", räumt Weltmeister Sebastian Vettel gegenüber 'Sport Bild' ein. "Andere Teams sind mehr Kilometer gefahren, was wichtig ist, weil alles so neu ist. Aber es ist besser, die Probleme jetzt beim Test zu haben als später im Rennen. Ich hoffe nun, dass es in Bahrain besser wird und ich das Auto nicht nur um den Kurs tragen, sondern auch mal richtig Gas geben kann", so der Red-Bull-Pilot.

Vettel warnt: Probleme nicht unterschätzen

Die Probleme im Bereich der Antriebseinheit dürfe man "nicht unterschätzen", denn "alles ist immer noch komplett neu. Ich glaube, dass sowohl Renault als auch wir die Probleme aus Jerez gelöst haben. Aber es gibt keine Garantie, dass nicht auch mal ein anderes Teil zickt", sagt Vettel. Zuversicht klingt anders.

Und wie beurteilt man die aktuelle Lage im Hause Renault selbst? "Unsere Hauptprobleme liegen im Bereich der Hardware und infolgedessen auch im Bereich der Software begraben", erklärt Renaults Motorenchef Remi Taffin und geht ins Detail: "Das erste Problem, auf das wir gestoßen sind, war im Energiespeicher angesiedelt. Inzwischen haben wir sowohl auf dem Prüfstand als auch auf der Strecke Upgrades getestet. Dabei lief alles wie erwartet." Der Franzose spricht damit auf den Shakedown des Lotus-Renault E22 an. Dieser fand ohne Beteiligung der anderen Teams eine Woche nach dem Jerez-Test statt.

Beim anschließenden Filmtag des Toro-Rosso-Teams in Misano allerdings traten erneut technische Gebrechen im Bereich der Renault-Antriebseinheit zu Tage. Doch Taffin lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. "Wir kennen die Ursachen und haben seither intensiv gearbeitet. An einem Filmtag selbst können wir nun mal nichts tun. Man beginnt den Tag mit einer Konfiguration, die man im gesamten Verlauf des Tages nicht mehr verändern kann. Da fällt es schwer, zu reagieren", so der Renault-Motorenchef.

Rückstand, aber vorsichtige Zuversicht bei Renault

"Wir sind zuversichtlich, das beim ersten Test aufgetretene Problem (mit dem Energiespeicher; Anm. d. Red.) gelöst zu haben. Der nächste Schritt betrifft jetzt die Software. Der letzte Schritt schließlich betrifft die Integration und die damit verbundenen Schwierigkeiten, die bei unseren Kunden aufgetreten sind. Wenn ich das sage, dann heißt das nicht, dass wir massive Zuverlässigkeitsprobleme haben. Wir haben auf den Prüfständen gute Tests gefahren und wissen, dass jedes Bauteil für sich funktioniert. Jetzt müssen wir es noch schaffen, das alles zusammen funktioniert", so Taffin.

Die Konsequenz: Stand heute sieht man sich bei Renault soweit vorbereitet, dass man beim Bahrain-Test von Mittwoch bis Samstag kommender Woche "das erledigen kann, was wir gern schon beim ersten Test erledigt hätten, nämlich den Antriebsstrang vernünftig zu testen und unseren Partnerteams die Möglichkeit zu geben, ihre Autos zu 'erkunden'".

Im Vergleich zu den gegnerischen Herstellern von Antriebssträngen - Ferrari und Mercedes - befindet man sich damit bei Renault natürlich trotzdem im Rückstand. Taffin ist sich darüber im Klaren, will das Thema aber nicht überbewerten. "Wir liegen hinter unserem eigenen Zeitplan zurück, das stimmt. Wir sprechen hier aber nicht von Monaten", sagt der Franzose und schätzt den Rückstand auf "rund drei Wochen".

Überhaupt sie die ganze Situation "von außen betrachtet schlimmer, als wenn man direkt drinsteckt", versucht der Renault-Motorenchef die Sorgen bei Red Bull, Lotus, Toro Rosso und Caterham im Rahmen zu halten und versichert: "Es ist ein schwieriger Moment, aber wir werden ihn überstehen. Wir haben immer betont, wie komplex die ganze Angelegenheit ist. Wenn ein oder zwei Probleme auftauchen, die erst gelöst werden müssen, dann steht dies der geplanten Kalibrierung und Weiterentwicklung der Software zwangsläufig im Wege."

Renault zieht Schlupfloch in Betracht

Taffins Fazit kurz vor der Abreise nach Bahrain: "Wir sehen uns Problemen gegenübergestellt, aber es ist nicht so, dass wir von hunderten von Problemen sprechen. Es sind ein paar, die wir so schnell wie möglich lösen müssen. Sobald wir das geschafft haben, sind wir bei 90 Prozent angelangt."

Doch selbst für den Fall, dass sich die Kalkulationen des Renault-Motorenchefs bestätigen sollten: 90 Prozent Zuverlässigkeit sind eben nicht 100 Prozent. Deshalb zieht man bei Renault in Erwägung, von einem Passus im Reglement Gebrauch zu machen. Bis zum 28. Februar (dem zweiten Tag des zweiten der beiden anstehenden Bahrain-Tests) müssen die drei Hersteller von Antriebssträngen eine Motorenspezifikation beim Automobil-Weltverband (FIA) hinterlegt haben, mit der sie die gesamte Saison bestreiten.

Anhang vier des Sportlichen Regelwerks sieht jedoch vor, dass auch nach dem Stichtag 28. Februar "Modifikationen" vorgenommen werden dürfen, solange diese "der Zuverlässigkeit, der Sicherheit oder der Kostenersparnis" dienlich sind. Dieses Schlupflochs in Form von Anhang vier könnte man sich bei Renault bedienen, sollte man die technischen Probleme nicht bis zum 28. Februar im Griff haben.

"Im Falle von Zuverlässigkeitsproblemen fällt es nach der Homolgierung des Motors schwerer, Veränderungen vorzunehmen. Es gibt aber eine gerechte Regel, die es uns erlaubt, jegliches Bauteil auszutauschen, sollten wir Zuverlässigkeitsprobleme haben. Diese hatten wir in der Vergangenheit augenscheinlich und haben sie noch immer", sagt Taffin und hofft darauf, dass man die Lage in Reihen der FIA genauso beurteilt. Anderenfalls dürften die 2014er-Karten für Red Bull und Co. in der Tat schlecht aussehen...

Fotoquelle: xpbimages.com

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