Lohnt es sich in den Tagen des Turbo noch, an die Formel-1-Rennbahn zu kommen?

Formel 1 2014

— 15.02.2014

"Fürchterlich" und eine "halbe Sache": Ex-Piloten hadern

Das neue Regelment gefällt weder Jacques Villeneuve noch Christian Klien: Beide glauben, dass es ein Tribut an diejenigen ist, die Geld in den Sport investieren



Tiefgreifende Änderungen rufen immer Kritiker auf den Plan. Im Falle des novellierten Formel-1-Reglements für die Saison 2014 allerdings kommen die Bedenken massiv - und zwar häufig von prominenter Stelle. Jacques Villeneuve und Christian Klien sind da keine Ausnahme. Während es den Ex-Weltmeister vor den doppelten Punkte im letzten Saisonrennen gruselt, schmeckt dem Österreicher die neue Langsamkeit nicht. "Dieser Unterschied ist eine Welt", sagt er 'Motorsport-Total.com'.

Klien kann sich vorstellen, dass Vorlieben großer Konzerne aus der Autowirtschaft, die in ihrem Endkundengeschäft zunehmend auf Turbo- und Hybridsysteme setzen, für die Einführung der 1,6-Liter-Motoren mit ERS und KERS entscheidend war. "Weil sie besser argumentieren können, dass sie in der Formel 1 an den Start gehen", so der 31-Jährige, der den Zuschauer als Verlierer dieser Entwicklung sieht. "Ein Formel-1-Auto muss laut und schnell sein - das Schnellste der Welt", fordert Klien.

Bei den ersten Testfahrten in Jerez schien das jedoch nicht mehr der Fall zu sein, schließlich wurde die Bahn in Andalusien noch vor wenigen Jahren rund sieben Sekunden schneller umrundet. "Stell' dir mal vor, jemand ist bei einem Skirennen sieben Sekunden schneller", vergleicht Klien. Obwohl die gedämpfte Geräuschkulisse wegen der besseren Verständlichkeit des Boxenfunks für einen Piloten angenehm sei, fehle es am mitreißenden Moment für den Fan, der für ein Wochenende Sofa gegen Tribüne tauscht.

Ist in Melbourne alles Wohlgefallen?

Schließlich will der für viel Geld ein Motorsport-Erlebnis mit allen Sinnen. "Jedes Mal, wenn ich jemanden an die Rennstrecke mitgebracht habe, dann konnte er es gar nicht glauben, wie gewaltig das klingt, denn bei den TV-Übertragungen kommt das nicht so herüber", argumentiert der ehemalige Jaguar- und Red-Bull- und HRT-Pilot, obwohl er sich vom neuen Sound noch nicht aus nächster Nähe hat überzeugen können. Klien befürchtet sogar: "Wenn es das nicht mehr gibt, ist es eine halbe Sache."

Eine doppelte Sache schmeckt einem alten Weggefährten auch nicht. Villeneuve schimpft im Gespräch mit 'Sky Sports News" über die doppelten Punkte für das abschließende Saisonrennen: "Die Idee ist fürchterlich", hadert der Kanadier und wittert neben einem Bonbon für die Organisatoren in Abu Dhabi ein Zeugnis der Hilflosigkeit: "Sie zeigt, dass die Formel 1 im Moment keinen Weg mehr findet, für Interesse zu sorgen. Es ist übermäßig künstlich - und das ganz allgemein, mit DRS und allem."

Immerhin sei die Regel für alle gleich und von Anfang an festgeschrieben, so Villeneuve weiter. Das klingt nicht danach, als sollte sich bald aller Unmut in Wohlgefallen auflösen. Trotzdem glaubt Klien, dass die Kritik verstummen könnte, sobald die Startaufstellung beim Auftakt-Grand-Prix in Melbourne bezogen ist. "Andererseits ist es doch oft so, wenn ein neues Reglement kommt", weiß er. "Sobald es losgeht, dann sind diese kritischen Stimmen rasch verschwunden und es geht wieder um das Sportliche. Hoffen wir, dass es so passieren wird."

Fotoquelle: xpbimages.com

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