Sind Bernie Ecclestones Tage an der Spitze der Formel 1 gezählt?

Formel 1 2014

— 21.02.2014

Formel-1-Vorstand: Wächst Widerstand gegen Ecclestone?

Angeblich haben Mitglieder des Formel-1-Vorstands nach dem Londoner Gerichtsurteil Bernie Ecclestones Kopf gefordert - Steht der Sport vor Zerreißprobe?



Die Luft wird dünner für Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Und das ausgerechnet als Folge seines Gerichtssieges gegen Constantin Medien im Schadenersatz-Prozess von London. Denn im Urteil wird der 83-Jährige beschuldigt, mit Ex-Bayern-Landesbank-Risikovorstand Gerhard Gribkowsky einen Beamten bestochen zu haben. Zudem wirft ihm Richter Guy Newey vor, sich weder als zuverlässiger noch als ehrlicher Zeuge herausgestellt zu haben.

Wenn das Münchner Landgericht beim im April beginnenden Strafprozess gegen Ecclestone zu einem ähnlichen Schluss kommt, dann drohen dem Briten bis zu zehn Jahre Haft. Und das weiß man auch bei Formel-1-Anteilseigner CVC Capital Partners, einem Private-Equity-Unternehmen, das Ecclestone seit dem umstrittenen Kauf 2006 als Geschäftsführer der Königsklasse des Motorsports einsetzt.

Ist Ecclestone "untragbar" geworden?

Wie 'Daily Mail' berichtet, kam es nach dem Gerichtsurteil zu Meetings des Formel-1-Vorstands, bei dem einige Mitglieder Ecclestones Kopf forderten. "Damit hätte man sich bereits spätestens vor neun Monaten auseinandersetzen müssen", wird eine anonyme Quelle zitiert. "Wir haben zu lange zugeschaut, und Donald muss sofort handeln. Bernies Position ist untragbar." Wer Donald ist? Der Vorsitzender von CVC, Donald MacKenzie, einer der mächtigsten Männer der Formel 1.

Sein Unternehmen besitzt 35 Prozent der Formel-1-Dachfirma Delta Topco und hat bislang geschätzte vier Milliarden Pfund mit der Formel 1 verdient. MacKenzie ist stellvertretender Vorsitzender des Formel-1-Vorstands, der aus 15 Mitgliedern besteht. Vorsitzende ist der österreichische Ex-Nestle-Boss Peter Brabeck-Lethmate, auch Ferrari-Boss Luca di Montezemolo und Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber zählen zu diesem Gremium.

Mercedes wegen Compliance-Richtlinien in schwieriger Situation

Nicht mehr dabei ist Ecclestone, der sein Amt als Direktor der Delta-Topco-Holding freiwillig ruhend gelegt hat, seit bestätigt ist, dass ihm in München der Prozess gemacht wird. Eine Reaktion des Formel-1-Bosses auf die strengen Compliance-Vorschriften von Mercedes, die den Automobil-Konzern sonst dazu gezwungen hätten, aus dem Sport auszusteigen. Trotzdem leitet Ecclestone weiter das Tagesgeschäft.

Gut möglich, dass dass Stuttgarter nach dem Ergebnis des Prozesses in London den Druck weiter erhöhen und Ecclestones Position hinterfragen. Doch sollte MacKenzie wirklich die Konsequenzen ziehen müssen und den 83-Jährigen als Formel-1-Geschäftsführer absetzen, dann ist aus aktueller Sicht unklar, wer in die großen Fußstapfen treten würde.

Nachfolge sorgt für Rätselraten

Gibt es überhaupt einen Nachfolge-Plan? Formel-1-Marketingguru Zak Brown - Geschäftsführer der Agentur JML, die für Ferrari, McLaren, Mercedes und Williams arbeitet - ist im Gespräch mit Formel-1-Reporter Peter Windsor davon überzeugt: "Natürlich gibt es einen Nachfolge-Plan, es ist nur wenig darüber bekannt. Die Formel-1-Vorstandsmitglieder sind Spitzen-Geschäftsleute. Da ist es doch völlig ausgeschlossen, dass sie bei ihren Konferenzen dieses Thema aussparen und nicht auf diesen Fall vorbereitet sind."

Ecclestone komme nicht nur durch die Gerichtsprozesse in Bedrängnis, er werde dieses Jahr auch 84 Jahre alt, also dränge sich das Nachfolge-Thema von selbst auf. Brown ist davon überzeugt, dass der einstige Gebrauchtwagen-Händler nur durch eine "Gruppe von fünf bis sechs Menschen" ersetzt werden kann: "Man benötigt einen Geschäftsführer, der diese Welt versteht und Erfahrung hat, und einen Betriebsleiter, der ein Motorsport-Experte ist und die Szene kennt."

Zerreißprobe für die Formel 1

Brown würde Ecclestones Ende aber als großen Verlust für die Formel 1 sehen: "Er macht seine Arbeit unglaublich gut. Ich habe so viel dabei gelernt, ihn einfach nur zu beobachten." Es sei "sehr schwierig", all die unterschiedlichen Interessensgruppen - von den Teams über die FIA bis zu den Rennstrecken-Besitzern - "unter Kontrolle zu halten".

Für ihn steht jedenfalls fest: "Derjenige oder diejenigen, die Ecclestone ersetzen, werden einen harten ersten Bürotag erleben, denn dann sehen all jene ihre Chance, die ein größeres Stück des Kuchens haben wollen."

Fotoquelle: gettyimages

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