Kompakt und Komplex: Die neuen Formel-1-Autos sind nicht wartungsfreundlich

Formel 1 2014

— 23.02.2014

Neue Autos: Reparaturservice mit langer Wartezeit

Das Beheben von Defekten dauert bei der neuen Fahrzeuggeneration in der Formel 1 sehr lang - Ferrari-Technikchef Pat Fry: "Es ist alles so kompliziert"



Nach den ersten zwei Testwochen der Formel 1 in Jerez und Bahrain ist vor allem eines haften geblieben: die mangelnde Zuverlssigkeit der neuen Autos. Die Fahrzeuge schafften bislang deutlich weniger Testkilometer als bei den Probefahrten der vorherigen Jahre. Allerdings tuscht ein Blick auf die Teststatistik auch ein wenig. Oftmals standen die fragilen Gefhrte der Generation 2014 nicht wegen kapitaler Schden in der Garage, sondern weil die Fehlersuche noch so viel Zeit in Anspruch nimmt.

Ein Beispiel: Am Donnerstag kam Kimi Rikknen mit seinem Ferrari F14 T nach nur wenigen Runden am frhen Morgen zurck zur Box. Man diagnostizierte schnell einen Defekt an der Elektronik, konnte die Problemzone aber nicht sonderlich schnell genau orten. Der Fehler in der Telemetrie wurde erst nach langer Suche ausgemacht und behoben. Erst nach sechs Stunden konnte der Finne wieder auf die Strecke gehen. Solch ein Schaden wre im Vorjahr innerhalb von einer Stunde behoben gewesen.

"Bei den neuen Autos ist alles so kompliziert", klagt Ferrari-Technikchef Pat Fry gegenber 'Autosport'. Es gehe aufgrund der Komplexitt der Fahrzeuge viel Zeit verloren, wenn sich ein Defekt einstelle. "Es dauert immer lange, bis die Fehlerquelle ausgemacht ist. Die Suche nach dem genauen Defekt dauert oft lnger, als die Reparatur an sich", sagt der Brite. Die Fahrzeuge der Vorjahre habe man gekannt wie seine Westentasche. Fehlerortung und -behebung seien daher viel schneller erledigt gewesen.

Bitte kein Defekt im dritten Freien Training

"Ich htte damit gerechnet, dass wir Defekte, die uns jetzt vier Stunden kosten, in der Hlfte der Zeit htten beheben knnen", meint Fry. Htte man einen Reparaturservice im 2013er-Tempo, dann wren in Jerez und Bahrain auch mehr Testrunden gefahren worden. "Wenn das Auto erst einmal luft, dann kann man schon ein ganzes Stck damit fahren. Das haben einige Teams gezeigt. Irgendwann werden wir auch wieder ein hheres Tempo bei den Reparaturen haben. Das muss das Ziel sein. Es wird bestimmt so kommen."

Die Formel-1-Teams sind gezwungen, das Tempo bei der Defektsuche zu erhhen. Ein Telemetriedefekt, der insgesamt sechs Stunden kostet? Nicht auszudenken, wenn ein solcher Fehler im dritten Freien Training auftritt und man deshalb nicht am Qualifying teilnehmen kann. "Wenn die Motorhaube runter ist, dann sieht man, wie komplex die Autos sind", schildert Marussia-Teamchef John Booth gegenber 'Autosport'. Der Brite geht davon aus, dass es in der Saison 2014 eng werden knnte, wenn es im Samstagstraining einen Schaden am Antrieb gibt.

"Das Wechseln des Motors wird bald schneller gehen, aber bestimmt nicht so schnell wie bei unseren alten Cosworth", sagt Booth. Um an den V6-Turbo heranzukommen und ihn ausbauen zu knnen, mssen heutzutage zunchst viele Anbauteile wie zum Beispiel der Turbolader deinstalliert werden. "Wenn man beispielsweise ein Elektrikproblem in der Tiefe des Antriebs hat, dann wird es sicherlich eng zwischen Training und Qualifying", meint der Marussia-Teamchef.

Fotoquelle: gettyimages

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