Sebastian Vettel und Red Bull hoffen in Bahrain auf eine Trendwende

Formel 1 2014

— 26.02.2014

Bahrain, die Zweite: Final Countdown für Renault?

Am Donnerstag beginnen in Bahrain die letzten vier Testtage vor dem Saisonstart der Formel 1 - Gelingt den Renault-Teams der Befreiungsschlag?



Showdown in der Wüste: Am Donnerstag beginnen in Bahrain die letzten vier von zwölf Testtagen in Vorfeld der Formel-1-Saison 2014. Exakt 32 Stunden bleiben den Teams auf der Rennstrecke noch, um sich auf den Saisonstart am 16. März in Melbourne vorzubereiten. Doch den Teams mit Renault-Antrieben, allen voran dem Weltmeisterteam von Red Bull und Sebastian Vettel, droht die Zeit davonzulaufen. Denn die bisherigen acht Testtage waren für das erfolgsverwöhnte Team ein einziges Desaster.

Probleme mit dem neuen Hybrid-Antrieb, der immer wieder überhitzte, sorgten in Jerez und Bahrain dafür, dass Vettel und sein neuer Teamkollege Daniel Ricciardo deutlich mehr Zeit in der Box als auf der Rennstrecke verbrachten. Immer wieder mussten die Techniker langwierige Reparaturen am Energierückgewinnungssystem (ERS) vornehmen, mit provisorisch in die Verkleidung geschnittenen Öffnungen versuchten die Red-Bull-Ingenieure den Wärmestau zu beseitigen.

Nachdem das erste Saisonrennen immer näher rückt, schrillen beim Weltmeisterteam die Alarmglocken. "Wir stehen noch vor einem riesigen Berg", meinte Vettel unlängst. Un selbst der sonst immer forsche und optimistische Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko musste gegenüber 'Speedweek' ungewohnt demütig eingestehen: "Wir rutschen leider von Problem zu Problem. Wir sind ganz klar hinter dem Zeitplan."

Red Bull "klar hinter dem Zeitplan"

Da ist es für Red Bull auch kein großer Trost, dass sie mit ihrem Dilemma nicht alleine dastehen. Denn auch bei den anderen Renault-Teams kommen die neuen, komplexen Antriebseinheiten nicht zum Laufen. An den bisher acht Testtagen kamen Red Bull, Toro Rosso, Caterham und die erst beim Bahrain-Test der Vorwoche eingestiegenen Lotus gerade einmal auf 4011 Kilometer. Die vier Mercedes-Teams hingegen sind mit 10070 Kilometern zweieinhalb Mal so viel gefahren.

Für Renault sind die kommenden vier Tage demnach die letzte Bewährungsprobe, um ein Debakel in Melbourne zu vermeiden. Denn bisher sind die Autos von Vettel und Co. nicht nur unzuverlässig, sondern auch langsam. In der Vorwoche fehlten den Renault-Teams in Bahrain mehr als fünf Sekunden auf die Bestzeit, unter anderem, weil sie ohne die rund 160 Zusatz-PS des ERS fahren mussten. Stand jetzt könnte im Qualifying von Melbourne die 107-Prozent-Regel eine unüberwindbare Hürde werden.

Doch noch ist das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen. In der Renault-Fabrik in Viry-Chatilon rund um die Uhr gearbeitet, um der Probleme Herr zu werden. Mit Software-Updates hoffen die Ingenieure, die Überhitzungsprobleme in den Griff zu bekommen. Ob sie dabei erfolgreich waren, wird sich ab Donnerstag zeigen. In dieser Woche überlässt Vettel seinem Teamkollegen Ricciardo die Rolle des "Versuchskaninchens". Der Australier wird am Donnerstag und Freitag im RB10 sitzen, der Weltmeister übernimmt am Samstag und Sonntag.

Mercedes läuft, und läuft, und...

Während bei Red Bull Katerstimmung herrscht, ist die Laune im Werksteam von Mercedes blendend. Der F1 W05 ist bis jetzt eines der zuverlässigsten Autos - und war in der Vorwoche in Bahrain auch das mit großem Abstand schnellste. Das war auch der Tatsache geschuldet, dass Mercedes neben Rennsimulationen auch schon das Qualifying simulieren konnte. In dieser Woche werden Nico Rosberg, der am Donnerstag und Samstag fährt und Lewis Hamilton, den an den anderen Tagen übernimmt, weiter an der Abstimmung ihres Autos arbeiten.

Nachdem in den ersten beiden Testwochen vor allem Zuverlässigkeit im Blickpunkt stand, rückt mit Ausnahme der Renault-Teams nun zunehmend die Weiterentwicklung der Autos in den Blickpunkt. Die meisten Rennställe werden in Bahrain die erste Upgrade-Pakete ausprobieren. Dann wird sich zeigen, ob sich das bisher abzeichnende Kräfteverhältnis bestätigt und es an der Spitze auf einen Zweikampf zwischen Mercedes und McLaren.

Denn Jenson Button und Rookie Kevin Magnussen waren bisher die einzigen, die den Silberpfeil-Piloten in Sachen Standfestigkeit und Tempo Paroli bieten konnten. Der junge Däne wird am Donnerstag und Samstag fahren, Button am Freitag und Sonntag. Spannend bleibt auch die Frage, ob sich Force India als dritter Kraft etablieren kann. Nico Hülkenberg, der an den letzten beiden Tagen im VJM07 sitzen wird, hinterließ in der Vorwoche in Bahrain als Fünftschnellster einen hervorragenden Eindruck.

Wo steht Ferrari?

Ein Fragezeichen steht derzeit noch hinter Ferrari - und das auch für das Team selbst. "Ich habe keine Ahnung, wo wir stehen", sagte Kimi Räikkönen. Zwar läuft der F14 T recht zuverlässig, allerdings hatten der Finne und Teamkollege Fernando Alonso in der Vorwoche in Bahrain mehr als drei Sekunden Rückstand auf die Bestzeit von Rosberg. Über die Ursachen dafür wird gerätselt. Einige Beobachter mutmaßen, Ferrari spiele noch mit verdeckten Karten und rufe nicht die volle Leistung der Antriebseinheit ab.

Die könnte nach anderslautenden Spekulationen jedoch mit dem Durst des 1,6-Liter-Turbomotors zu tun haben. Ferrari könne noch nicht voll aufdrehen, weil sie sonst im Rennen mit den in dieser Saison vorgeschriebenen 100 Kilogramm nicht über die Runden kommen, sagen Insider. Alonso, der am Freitag und Sonntag fahren wird, gibt sich allerdings unbesorgt: "Wir kennen das Auto noch nicht richtig, es gibt noch viele Dinge zu entdecken - auch was die Leistung betrifft."

Ein Augenmerk werden die Teams beim letzten Aufgalopp vor Melbourne auch auf die Reifen legen. "Da die Teams wahrscheinlich mehr Qualifying- und Rennsimulationen absolvieren werden, um sich auf den Auftakt-Grand-Prix vorzubereiten, rechnen wir damit, dass dieser Trend auch an den letzten vier Tagen in Bahrain anhalten wird", sagt Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery. Wie in der Vorwoche stehen jedem Team 30 Reifensätze zur Verfügung.

Die Testplanung der Teams im Überblick:

Red Bull: Ricciardo, Ricciardo, Vettel, Vettel
Mercedes: Rosberg, Hamilton, Rosberg, Hamilton
Ferrari: Räikkönen, Alonso, Räikkönen, Alonso
Lotus: Maldonado, Maldonado, Grosjean, Grosjean
McLaren: Magnussen, Button, Magnussen, Button
Force India: Perez, Perez, Hülkenberg, Hülkenberg
Sauber: nicht bekannt
Toro Rosso: Kwjat, Vergne, Kwjat, Vergne
Williams: nicht bekannt
Marussia: Chilton, Bianchi, Bianchi, Chilton
Caterham: Kobayashi, Ericsson, Kobayashi, Ericsson

Fotoquelle: gettyimages


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