Testfahrten in Sachir: Donnerstag

Formel 1 2014

— 28.02.2014

Renault besorgt: Software und Turbo größte Baustellen

Remi Taffin hat keine Sorge mit Hybridsystem und Benzinverbrauch, räumt aber ein, dass Renault anderswo noch hart arbeiten muss - FIA-Aufschub kein Thema



Im Schnitt 1.486 Kilometer hat jedes der vier Renault-Teams bisher in diesem Formel-1-Winter zurückgelegt, in Summe kommt der französische Antriebshersteller also auf 5.944 Kilometer an zehn Tagen. Das hinkt im Konkurrenzvergleich deutlich hinter Mercedes (14.313 gesamt/3.578 Schnitt) und Ferrari (7.627/2.542) - und die Rauchschwaden bei den Renault-Partnern Lotus und Caterham verhießen auch am heutigen drittletzten Testtag vor dem Saisonauftakt in Melbourne nichts Gutes.

Die Ursache für das von kleinen Flammen begleitete Ausrollen von Lotus-Neuzugang Pastor Maldonado ist inzwischen geklärt und geht einmal mehr auf die Kappe von Renault: "Es war ein erwarteter Turboschaden, den wir in den Daten kommen sehen konnten. Aber wir konnten nichts dagegen unternehmen", räumt Remi Taffin, Einsatzleiter vor Ort, ein. Immerhin: "Wir wissen, wie wir das in Zukunft verhindern können."

Der Defekt war letztendlich der gleiche wie jener bei Toro Rosso gestern, allerdings möglicherweise von einer anderen Ursache ausgelöst. Generell ist das Zusammenspiel von Verbrennungsmotor, Turbo und Steuerungselektronik beziehungsweise Software die größte Baustelle von Renault: "Einzeln betrachtet funktionieren die Komponenten gut, aber wir müssen es schaffen, dass sie auch gemeinsam funktionieren", seufzt Taffin.

Hybridsystem ist keine der großen Baustellen

Erstaunlicherweise scheint er mit dem Hybridsystem, das der Papierform nach eigentlich das Komplexeste am neuen Antrieb sein müsste, relativ zufrieden zu sein: "Ich habe momentan mehr Vertrauen in das ERS als in den V6-Turbo", übt sich Taffin in Galgenhumor und gesteht: "Wenn ich selbst im Auto sitzen würde, würde ich mich beschweren, so ehrlich muss ich sein. Wir wissen aber genau, woran wir arbeiten müssen, und da gibt es noch ziemlich viel Spielraum."

Das Ziel sei nämlich, "das Niveau des V8 zu erreichen", und davon ist man noch ein Stück weit entfernt. Neben den vielen Defekten hapert es momentan auch an der Fahrbarkeit des Renault-Antriebs: "Wir sind damit noch nicht zufrieden. Jede Kurve mit durchdrehenden Rädern kostet bis zu ein, zwei Zehntelsekunden." Umso erstaunlicher, dass Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo heute trotzdem bis auf 0,109 Sekunden an die Bestzeit herankam.

Allerdings muss Taffin einräumen, dass das zumindest antriebsseitig das vorläufige Limit war: "Wir haben versucht, die maximale Performance aus dem Auto herauszuholen. Das betrifft Antriebseinheit und Chassis. Letztendlich liegt es am Fahrer, die Rundenzeit aus diesen beiden Elementen herauszuholen. Insofern ist es immer schwer zu sagen, ob wir auf 90 oder 100 Prozent waren", sagt er und verweist noch einmal auf das Thema Fahrbarkeit.

Keine Performance-Verbesserungen mehr möglich

Immerhin: Die Probleme seien rein durch Software-Maßnahmen in den Griff zu bekommen - eine enorm wichtige Aussage, denn Stand heute wurden die Antriebseinheiten von der FIA homologiert. Wer jetzt noch etwas ändern will, der muss beweisen können, dass die Änderung nicht die Leistung, sondern nur die Zuverlässigkeit, die Sicherheit oder die Einsatzkosten betrifft. Aber im Bereich der Steuerungselektronik und der Software hat man auch nach heute freie Hand.

Gerüchte, wonach sich Renault um einen Aufschub des heutigen Stichdatums bemüht haben soll, weist Taffin entschieden von der Hand: "Stimmt überhaupt nicht." Aber er gibt zu, dass ihm ein solcher Aufschub gefallen hätte: "Jeder, der da nein sagt, ist ein Lügner. Was du in drei Monaten machen kannst, bringt dich weiter, gar keine Frage. Aber wir brauchen das nicht, sondern wir haben einen Motor, der jetzt bei der FIA liegt und mit dem wir in Melbourne fahren werden."

Der heutige Testtag sei von der Rundenzeit her positiv gewesen: "Einer der guten Momente, die wir hatten, aber wir hatten auch schlechte. Wir haben noch eine Menge zu tun, aber wir kommen hin und haben Potenzial." Außerdem hat Taffin zumindest eine Sorge nicht: "Der Benzinverbrauch ist momentan die geringste meiner Sorgen, um ehrlich zu sein. Wir werden in Melbourne locker mit den 100 Kilogramm auskommen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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