Martin Whitmarsh und Ron Dennis: Trotz aller Differenzen weiter Freunde

Formel 1 2014

— 06.03.2014

Räumkommando Dennis: "Wer nicht mitzieht, hat keinen Platz"

Das zurückgekehrte McLaren-Urgestein lässt die Zukunft Martin Whitmarshs und des Teamchef-Postens offen, will in Woking aber massiv umstrukturieren



Bei McLaren weht ein neuer Wind. Oder besser gesagt: der gute, alte, stramme Wind. Ron Dennis ist in Woking zurück an der Unternehmensspitze und macht in einem ersten öffentlichen Statement klar, dass bei der britischen Traditionsmannschaft zuletzt vieles im Argen lag. Obwohl er sich zur Personalie Martin Whitmarsh, dessen Zukunft nach seiner Entmachtung als Vorstandsvorsitzender und Teamchef weiter offen ist, nicht äußern will, stellt er seinem Freund und Zögling kein gutes Zeugnis aus.

Die Bilanz gleicht einer Katastrophe. Dennis resümiert, was er im Technology Centre erlebte, als er als Geschäftsführer der gesamten Unternehmensgruppe wieder das Ruder übernahm: "Die Firma war nicht auf Zack und ich habe ihnen gesagt, dass wir wieder gewinnen, wenn sie meine Hingabe teilen", so der 66-Jährige, der seiner Forderung damit Nachdruck verlieh, indem er den Angestellten mit dem Rauswurf drohte: "Würden sie das nicht tun, hätten sie in der Firma keinen Platz mehr", so Dennis weiter. Als Grund für die Misere nennte er unklare Strukturen und Zuständigkeiten.

Die Leute seien abgelenkt gewesen und hätten die Konzentration verloren. In der Tat hatte McLaren mit seinen Sportwagen-Projekten zusätzliche Arbeitsfelder geschaffen, die darüber hinaus kommerziell gesehen ein Reinfall waren. Dennis räumte auf: "Die Formel-1-Mitarbeiter machen nur Formel 1, ohne Störfeuer." Es fragt sich allerdings, wie die Strukturen in der Führungsetage aussehen sollen. Kürzlich wurde die Verpflichtung des früheren Lotus-Teamchefs Eric Boullier als Rennleiter bekanntgegeben. Er kümmert sich um das Tagesgeschäft, ist aber nicht Teamchef.

Dennis nicht zurück an der Spitze des Rennteams

Der Franzose wurde sowohl von Dennis - auf privater Basis - als auch von Whitmarsh unabhängig voneinander kontaktiert. "Eric wird Verantwortung tragen", meint der Boss, bleibt aber vage, was die Aufgabenverteilung angeht. Dennis scheint eine Doppelspitze mit Teamchef und Vorstandsvorsitzendem vorzuschweben. Auf keinen Fall sieht er sich oder irgendeinen anderen Mitarbeiter alleine an vorderster Front: "Ich habe nicht den Anspruch, das Rennteam zu leiten", stellt er klar. "Ich führe und nutze meine Position für Veränderungen, wenn sie nötig sind."

An der Rennstrecke wird das Urgestein nicht in der Verantwortung stehen, aber präsent sein. Ihm kommt eine Beobachterrolle zu. "Wir bauen derzeit um und ich will beteiligt sein", erklärt Dennis. "Die Macht muss in der Fabrik liegen. Was das Auto schnell macht, passiert dort." Und weiter in den Händen Whitmarshs? Das bleibt unklar. Der Ex-Teamchef weilt derzeit im Urlaub, ist aber offenbar schon zuvor mit der bitteren Wahrheit über seinen Erfolg konfrontiert worden: "Martin musste sich mit den Fakten auseinandersetzen und einsehen, dass es nicht funktioniert."

Klingt wie ein Kündigungsschreiben, ist es aber nicht. Im Gegenteil: Es zeichnet sich sogar eine gemeinsame Zukunft ab. Es war Dennis, der Whitmarsh vor 20 Jahren nach Woking holte und ihn an seine Aufgaben heranführte. "Er ist ein Freund und war es immer. Die Situation ist zu 100 Prozent vertraulich, bis es eine Lösung gibt", meint Dennis. Dabei könnte Jonathan Neale, bisher Geschäftsführer des Formel-1-Teams und kommissarisch im gesamten Unternehmen, eine tragende Rolle spielen. Der Brite will auf Dauer Verantwortung tragen und ist ein Kandidat für den Posten.

McLaren soll endlich wieder siegen

Offenbar gibt es jedoch noch mehr Kandidaten. Die, das deutet Dennis an, müssten aber besser sein als Whitmarsh und Neale, um einen Job zu bekommen. Eine schnelle Bekanntgabe ist nicht in Sicht: "Die Entscheidung ist extrem wichtig und ich lasse mir Zeit. Ich werde sie nicht alleine treffen, sie steht aber nicht ganz oben auf meiner Agenda." Dennis erkennt am Ende seiner Abrechnung mit Whitmarsh an, dass sein rigoroser Führungsstil Kopfschütteln und Unverständnis hervorruft: "Ich weiß, ich bin hart, und dass die Leute meine Liebe zum Detail negativ sehen."

Nachdem McLaren 2013 keinen einzigen Podiumsplatz ergatterte, fordert Dennis: "Wir müssen so schnell wie möglich wieder konkurrenzfähig werden und schaffen das sehr viel früher, als sich die meisten Leute vorstellen." Er glaube daran, dass die Chrompfeile 2014 wieder Rennen gewinnen, beteuert er, ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen: "Ich weiß nicht, wie viele, und ich weiß nicht, wann."

Fotoquelle: xpb.cc

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