Die Teams mit Mercedes-Antrieb sind für Marc Surer die klaren Favoriten

Formel 1 2014

— 06.03.2014

Surers Formcheck: Glänzende Mercedes - Sorgenkind Vettel

Experte Marc Surer blickt voraus auf die Formel-1-Saison 2014 und sieht Sebastian Vettel zumindest zu Beginn im Nachteil - Reifen wieder ein Thema?



In gut einer Woche müssen die Formel-1-Teams Farbe bekennen. In acht Tagen beginnt mit dem ersten Freien Training zum Großen Preis von Australien offiziell die Formel-1-Saison 2014. Dann wird sich zeigen, ob sich der Trend der Testfahrten fortsetzt oder ob einige Teams trotz der neuen Regeln geblufft haben. Zumindest an der Spitze dürfte dies nach Einschätzung von Experte Marc Surer nicht der Fall sein. In Melbourne rechnet der Schweizer mit den Rennställen, die auch bei den Tests in Jerez und Bahrain das Geschehen bestimmt haben.

"Grundsätzlich mit allen Teams, die Mercedes-Motoren haben und Ferrari ist auch mit dabei. Das ist schon einmal sicher, dass die untereinander das Rennen ausmachen", legt sich Surer im Interview mit 'Formel1.de' und 'Sportradio360.de' fest. Nicht allzu viel Hoffnung kann der Ex-Formel-1-Pilot allerdings den Fans von Sebastian Vettel machen. "Die Tests haben gezeigt, dass sie nicht konkurrenzfähig sind, auch wenn es Anzeichen gibt, dass das Auto sehr gut ist", sagt Surer über Red Bull.

"Aber der Motor, oder man muss ja jetzt vom Power-Paket reden, die Energierückgewinnung scheint das große Problem zu sein, wo sie noch nicht die volle Leistung haben. Somit wird er sicherlich versuchen, einfach durchzukommen, und wer Punkte mitnimmt in den ersten Rennen - das ist schon richtig viel wert", so der Schweizer. Sollte dies Vettel gelingen, sei die Saison noch lange nicht verloren. "Es ist nicht so tragisch, so lange er Punkte mitnehmen kann", meint Surer.

Regeländerungen nicht wegen Red Bull

Renault und Red Bull wurden nach der Dominanz der vergangenen Jahre von den Regeländerungen am härtesten getroffen, doch eine "Lex Red Bull" sieht Surer darin nicht. "Ich möchte mit einem Vorurteil aufräumen, das immer wieder die Runde macht, dass die Reglementsänderungen gegen Red Bull ist. Die Reglementsänderung ist viel, viel älter", stellt der 62-Jährige klar. "Max Mosley (ehemaliger FIA-Präsident, Anm. d. Red.) hat sie 2007 angekündigt für das Jahr 2011."

"Diese Änderung sollte beinhalten, dass die Formel 1 zeitgemäßer wird, dass man nicht beliebig Sprit verbraucht und nicht mehr mit dinosauriermäßigen, hochdrehenden V8-Motoren fährt, sondern mit zeitgemäßen Turbomotoren und dass die Energierückgewinnung ein wichtiger Faktor wird", erklärt Surer. "Das war geplant für 2011, beziehungsweise man hat gesagt, 2012 soll es kommen. Dann haben die Teams, hat die FOTA (ehemalige Teamvereinigung, Anm. d. Red.) mit Hilfe von Bernie Ecclestone das Ganze um zwei Jahre verschoben."

Das neue Reglement wurde demnach zu einer Zeit beschlossen, als von einer Red-Bull-Dominanz noch keine Rede sein konnte. "Es hat überhaupt nichts mit Red Bull zu tun, und Renault war ein Befürworter des neuen Reglements. Sie haben gesagt: 'Das ist zeitgemäß, daran sind wir interessiert, da machen wir mit.' Von Anfang an", erinnert Surer. Ursprünglich hatten die Franzosen für einen noch viel radikaleren Schnitt plädiert und statt eines V6- einen Vierzylinder-Reihenmotor gefordert.

Surer sorgt sich um Sauber

Mercedes top, Red Bull eher Flop, doch was ist mit den anderen Teams der deutschen Piloten? Force India hinterließ bei den Tests einen hervorragenden Eindruck und könnte dank der Mercedes-Power zu ein Top-4-Teams gehören. Doch hier warnt Surer vor zu viel Optimismus bei allen Anhängern von Nico Hülkenberg. "Ich würde noch ein bisschen abwarten, weil die Kräfteverhältnisse noch nicht klar sind, weil die Renault-Teams noch im Rückstand sind. Ob das so bleibt, würde ich einmal anzweifeln."

Dennoch zeigt sich der Schweizer von der Leistung des Force-India-Teams beeindruckt: "Jedes Jahr verlieren sie Leute und es gibt Wechsel, aber jedes Jahr scheinen sie ein gutes Auto hinzustellen. Das muss man wirklich hoch anrechnen", so Surer. "Und jetzt haben sie das Glück, dass sie den besten Motor oder die beste Antriebseinheit im Feld haben. Das hilft ihnen natürlich, noch weiter vorne zu sein, aber das wird sich im Lauf des Jahres wahrscheinlich wieder ein bisschen nivellieren, wenn die Renault-Teams dann in Schwung kommen."

Bleibt noch Sauber, zu denen Surer als Eidgenosse naturgemäß ein besonderes Verhältnis hat. Das Team aus Hinwil geht in dieser Saison mit Adrian Sutil und Esteban Gutierrez an den Start. "Ich glaube, die Fahrersituation ist nicht schlecht", sagt Surer. Dennoch sieht er nach wie vor dunkle Wolken über dem Schweizer Team. "Was mir ein bisschen Sorge macht: Das Sauber-Team hat in jedem Jahr den Technischen Direktor verloren, der finanzielle Background ist auf einem Minimum. Sie versuchen mit dem Geld, was sie zur Verfügung haben, über die Runden zu kommen." Surer mahnt daher: "Man darf einfach nicht allzu viel erwarten."

Wieder Diskussionen um die Reifen?

"Ich bin gespannt, ob sie es wie im vergangenen Jahr schaffen, wieder den Anschluss zu finden. Im vergangenen Jahr haben sie auch relativ bescheiden angefangen und dann den Anschluss geschafft", erinnert der Experte. "Ob ihnen das in diesem Jahr wieder gelingt, hängt einerseits an der technischen Kapazität. Sie haben den besten Windkanal, allerdings geht es derzeit weniger um den Windkanal als um andere Dinge. Und natürlich geht es auch immer ums Geld. Ich hoffe, dass noch ein größerer Sponsor auftaucht, damit sie aus dem Vollen schöpfen können."

Nachdem in den vergangenen beiden Jahren die Reifen immer ein bestimmendes Thema waren, wurde bisher über die Pirelli-Pneus nur wenig diskutiert. Surer geht allerdings davon aus, dass dies nicht lange so bleiben wird. "Sobald die Rennen losgehen, werden die Reifen wieder ein Thema werden", erwartet er. "Man hat jetzt schon bei den Dauertests gehört, dass die Hinterreifen sehr stark abbauen, weil wir jetzt so viel Drehmoment haben", erklärt der Schweizer. Hinzu komme, dass die Autos schon jetzt kaum langsamer als die Vorjahresmodelle sind.

"Man sagt immer, die Formel 1 sei langsamer, aber man hat jetzt gesehen, dass bei den Rundenzeiten auf die Vorjahreszeit nur noch knapp eine Sekunde fehlt . Und das bei den Testfahrten! Wenn die Autos ein paar Rennen hinter sich haben, werden sie bald schneller sein als im vergangenen Jahr", so Surer. Hauptunterschied sei in diesem Jahr das Drehmoment. "Der Turbo hat viel mehr Drehmoment. In der Vergangenheit waren es gute 300 Newtonmeter Drehmoment, jetzt haben wir 550, also fast das doppelte. Da neigen die Hinterräder zum Durchdrehen, und das verbraucht Gummi und die Hinterreifen überhitzen. Das wird ein Thema werden bei den Rennen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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