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Formel 1 2014

— 11.03.2014

Horner: "Bis Mai sollten wir alles im Griff haben"

Wieso Red Bull zugunsten der Aerodynamik die Saison riskiert, welchen Fehler Adrian Newey eingesteht und warum Renault nun dafür bezahlt, kein Werksteam zu besitzen



Bei Red Bull und Renault wird derzeit in 18-Stunden-Schichten auf Hochtouren gearbeitet, um das drohenende Debakel in Melbourne noch abzuwenden. Der RB10 erwies sich bei den Wintertests weder als schnell noch als standfest, was zu einem großen Teil auf den französischen Antriebsstrang zurückzuführen ist. Denn in schnellen Kurven, wo die Aerodynamik zählt, ist Red Bull nach wie vor eine Klasse für sich.

Für den Auftakt "Down Under" hat Teamchef Christian Horner jedenfalls keine großen Erwartungen und schiebt die Favoritenrolle von seinem Team. "Vielleicht gibt es dieses Jahr eine noch größere Dominanz als im Vorjahr", sagt er. "Wenn man sich die Mercedes-Rennsimulationen ansieht, dann wäre es keine Überraschung, wenn sie mit zwei Runden Vorsprung auf alle ins Ziel kommen. Sie haben einen riesigen Vorteil."

Für den Briten gehen Lewis Hamilton und Nico Rosberg als klare Favoriten in die Saison. "Im Vorjahr waren sie ebenbürtig, also muss man damit rechnen, dass sie es sich zunächst untereinander ausmachen werden. Und die anderen Mercedes-Teams werden es ihnen ebenfalls nicht leicht machen, also können sie nicht nachlassen."

Fahrerlager einig: der RB10 ist ein gelungenes Auto

Doch wie gut ist Red Bull aufgestellt? "Wir glauben, dass wir grundsätzlich ein gutes Auto haben", will Horner den RB10 nicht verteufeln. "Und ich glaube an das Team. Wir verfallen nicht in Panik und haben Lösungen gefunden. Und in der gesamten Boxengasse gibt es keine besseren Ingenieure als bei uns." Dennoch gibt er zu, dass sein Team "einen ziemlich steilen Berg" vor sich hat.

Im Fahrerlager herrscht generell die Meinung vor, dass der RB10 im Vergleich mit seinen Vorgängern nicht aus der Reihe tanzt, sondern aerodynamisch weiterhin die Referenz darstellt. "Der Red Bull ist mit Sicherheit das Auto mit den kleinsten Kühlluft-Auslässen", sagt AVL-Simulationsexperte Peter Schöggl, der für Formel-1-Teams arbeitet, gegenüber der 'SportWoche'. "Wenn Red Bull das Problem in den Gri? kriegt, dann sollten sie einen Vorteil gegenüber den anderen haben."

Zumal laut Schöggl "ab Mitte der Saison wieder die Aerodynamik im Vordergrund stehen wird". Und auch Ex-Formel-1-Pilot Alex Wurz gibt seinem Landsmann gegenüber der 'SportWoche' recht. "Ohne Kristallkugel können wir schon jetzt sagen, dass der RB10 von der Performance sicher gut ist. Einige technische Details sind sehr elegant und schön gelöst."

Newey klammert sich an Domäne Aerodynamik

Horner gibt den beiden Experten recht, dass Red Bull ganz bewusst ans Limit ging und trotz der Motoren-Problematik voll auf die Aerodynamik setzte: "Wir sind beim Einbau an die Grenze gegangen, was Adrian Newey immer macht, um aus aerodynamischer Sicht jeden erdenklichen Vorteil herauszuholen."

Horner gibt aber zu, dass man es zunächst etwas übertrieben hatte. "Wir gingen beim ersten Test einen Schritt zu weit", spielt er auf die enormen Kühlungsprobleme in Jerez an. "Wir haben das dann für Bahrain in den Griff bekommen - jetzt ist die Kühlung bei unserem Auto überhaupt kein Problem mehr." Grundsätzlich sei es dem Team aber lieber, "ein schnelles Auto standfest zu machen, als ein standfestes Auto schnell zu machen".

Red Bull bezahlt für Siegesserie

Stardesigner Newey macht gegenüber dem 'Red Bulletin' keinen Hehl daraus, dass man nun auch für die Dominanz des Vorjahres bezahlt, denn der Brite nutzte 2013 die Sommermonate angesichts der Konkurrenz von Mercedes und Fernando Alonso, um den RB9 in großem Ausmaß zu überarbeiten: "Im Nachhinein betrachtet, wäre es klüger gewesen, sich früher mit voller Power aufs neue Auto zu konzentrieren."

Er ergänzt allerdings, dass er im August noch nicht ahnen konnte, "dass wir mit dem RB9 gegen Saisonende dermaßen überlegen sein würden". Die verlorene Zeit muss Newey jetzt aufholen. Horner bestätigt, dass der Stardesigner dieser Tage "extrem hart" arbeitet.

Renault fehlt Werksteam

Red Bull ist bei der Problemlösung auch auf Partner Renault angewiesen, denn die Franzosen hinken auf dem Antriebsstrang-Sektor den Rivalen Mercedes und Ferrari deutlich hinterher. Horner spart daher nicht an Kritik an Renault und meint, Mercedes habe "mehr und früher investiert. Sie haben sich dadurch eine gute Ausgangssituation geschaffen".

Simulationsexperte Schöggl meint allerdings, dass dies nicht der einzige Grund für die Renault-Probleme ist. Da Mercedes und Ferrari im Gegensatz zu den Franzosen ein Werksteam besitzen, musste man sich in Brixworth und in Maranello "früher überlegen, wie sie den Antriebsstrang in ihr eigenes Fahrzeug integrieren".

Horner bestätigt dies: "Die Trennung zwischen Chassis und Motor ist bei unserem Team natürlich anders als bei Mercedes und Ferrari. Wir sind nicht komplett integriert." Dennoch besitze man "eine extrem enge Arbeitsbeziehung und es gibt sehr viel Informations- und Ideenaustausch."

Muss Red Bull die Saison bald abschreiben?

Das wird nun auch notwendig sein, um die Probleme so rasch wie möglich zu lösen. Denn genau davon wird abhängen, ob Sebastian Vettel diese Saison noch in den Titelkampf eingreifen wird können. "Wenn sie in ein paar Monaten nicht aufgeschlossen haben, dann werden sie sich auf die kommende Saison konzentrieren und die Rennwochenenden als Tests nutzen", spricht Ex-Renault-Pilot Jarno Trulli gegenüber 'Il Giornale' aus, was in Milton Keynes derzeit keiner hören will.

Horner reagiert auf derartige Prognosen mit Trotz: "Bis zu den Europarennen im Mai sollten wir alles im Griff haben, aber es sei jedem frei gestellt, uns abzuschreiben". Genau davor warnt Simulationsexperte Schöggl: "Nirgendwo in der Industrie gibt es so rasche Möglichkeiten, Probleme zu lösen, wie in der Formel 1. Deswegen sollten wir auch die Zeit zwischen Testende und Melbourne nicht unterschätzen."

Und Wurz prophezeit: "Alle Renault-Teams werden zu Saisonbeginn vermutlich mal einen Rückstand aufreißen. Mit den doppelten Punkten am Saisonende kann sich die WM aber noch zuspitzen." Das weiß auch Horner, der auf Ecclestones ursprünglichen Plan, bei den letzten drei Saisonrennen doppelte WM-Punkte zu vergeben, mit etwas Ironie anspielt: "Ich habe für doppelte Punkte ab Silverstone gestimmt."

Fotoquelle: xpbimages.com

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