Romain Grosjean kann noch lachen: Sogar über seine eigenen Unfälle

Formel 1 2014

— 13.03.2014

Lotus bereitet sich auf "Debakel" vor: Es bleibt (Galgen-)Humor

Grosjean und Maldonado haben die Hoffnung, dass Feintuning der Renault-Software die Rettung bringt - Sonst helfen nur noch Regen und das Pech der Konkurrenz



Noch vor einem Jahr reiste Lotus als Mitfavorit zum Australien-Grand-Prix. Mittlerweile setzt niemand mehr auch nur noch einen Penny auf einen Sieg der Truppe aus Enstone. Teamchef Eric Boullier, Technikboss James Allison und Starpilot Kimi Rikknen haben sich neue Jobs gesucht, die finanzielle Situation ist weiter angespannt und die Testfahrten waren "ein einziges Debakel" - wie Romain Grosjean am Donnerstag in Melbourne unterstreicht. Ist Lotus also nur gekommen, um zu verlieren?

Die Schwarz-Goldenen arbeiten entschieden dagegen an: Eine Nachtschicht von Mittwoch auf Donnerstag. kleine aerodynamische Upgrades im Vergleich zu Bahrain und viel Optimismus sollen die unerwartete Trendwende bringen. "Auf dem Papier gibt es eine Verbesserung. Wir mssen das Tag fr Tag angehen", fordert Grosjean. Auch beim Franzosen sollen die Nerven blank gelegen haben, ein Video eines angeblichen Ausrasters in der Lotus-Box musste fr diverse Medienvertreter als Beweis herhalten.

Grosjean kann ber den Vorfall herzhaft lachen. "Das war doch nur ein Witz, den ich mit dem Mechaniker gemacht habe", erklrt er den Journalisten demonstrativ entspannt. "Dann war der Fotograf da und hat geknipst - und es war gelaufen. Typisch Formel 1." Trotzdem htte der 29-Jhrige alle Veranlassung, seinem rger Luft zu machen, er spricht von einem Desaster. "Aber es gibt keinen Grund, einfach wegzulaufen." Laut den Piloten ist der Schlssel zum Erfolg eine Verbesserung der Software des neuen Renault-Antriebsstrangs.

Grosjean zuversichtlich... wenn er "keinen Unfall baut"

Genau das ist der Grund, warum die Truppe nicht vollends pessimistisch ist. Schlielich lsst sich dieser Problembereich auch ohne Fahrpraxis und auf dem Prfstand behandeln. "Alles ist ziemlich komplex, aber Renault macht Fortschritte, wie man bei Toro Rosso sieht", meint Teamkollege Pastor Maldonado, rumt aber einen Rckstand ein. Der Neuzugang will ebenfalls nicht fluchen, den Humor in Bezug auf sein Temperament hat er nicht verloren: "Mache ich das, dann sagt ja jeder: 'Ah, guck' dir Pastor an!'"

"Es ist kein Frust, es ist einfach merkwrdig", schildert Grosjean die tatschliche Gemtslage. Er nennt die Setupfindung und die Herangehensweise an das Qualifying zwei der Hauptprobleme, die es am Rennwochenende zu lsen gilt. Dazu hat Lotus bisher keine Longruns abgespult, alles war aufgrund der Pannen in Bahrain gar nicht erst in Angriff genommen worden. "Wir mssen so viel abhaken wie nur mglich", skizziert er ein stressiges Freies Training. "Ich fahre lieber 20 Runden und fhre als dass ich abgeschlagen ins Ziel komme."

Grosjean beteuert in der Medienrunde, dass der E22 den Start in den Grand Prix schafft. Auch er hat seinen Humor lngst nicht verloren. "Ich schaffe auch die erste Kurve... wenn ich nicht einen Unfall baue", sagt das ehemalige Crashkid lachend. Maldonado, in diesem Punkt ebenso gefhrdet, setzt neben Verbesserungen seitens Renault in Sachen Zuverlssigkeit und Leistung auch auf die Schwche der Konkurrenz. "Es wird ein schwieriges Wochenende fr alle, sogar fr Mercedes. Sie starten mit einem Vorsprung, aber wir knnen aufholen", so der Venezolaner. "Vielleicht haben wir ja einen wirklich guten Wagen, aber im Moment bringen wir die Dinge nicht zusammen."

Letzte Hoffnung Regen

Auf das Material kommt es aber an. "Die Formel 1 ist kein 100-Meter-Lauf, wo es um dich und deinen Krper geht", wei Grosjean. "Das Auto ist Teil des Wettbewerbs. Im Moment sind wir weit davon entfernt, Favorit zu sein. Das heit aber nicht, dass wir nicht Rennen gewinnen knnten." Seine grte Besorgnis: Der Samstagvormittag wird ein Vabanque-Spiel. Ein Problem mit dem Auto, auch nur ein kleines mit den Batterien, und die Messe knnte gelesen sein. Das Spektrum an technischen Unwgbarkeiten hat Lotus zu Genge erforscht, die Reparaturzeiten sind enorm lang.

Vielleicht ist Regen ja der letzte Ausweg? Einige Prognosen sagen Niederschlag fr denn Renntag in Melbourne voraus. "Das wird interessant. Es gibt viel mehr Drehmoment, die Fahrbarkeit ist nicht mehr so gut wie mit dem V8 und es knnte knifflig werden", prognostiziert Grosjean und wittert eine Chance in einem mglichen Chaos. Er nennt auch die Energierckgewinnung beim Verzgern ein groes Fragezeichen, schlielich funktionieren die Bremsen im Nassen ganz anders als im Trockenen.

Grosjean und der "graue" Boullier

Immerhin fuhr er unter solchen Bedingungen bereits im Simulator in Enstone und war nach eigener Aussage von der Realittsnhe berrascht. "Es gibt immer einen Unterschied, aber sobald man den kennt, kann man arbeiten." Maldonado wrde wohl liebend gerne einen Regentanz auffhren, auch wenn er nicht ganz genau wei, was ihn erwartet. Besser als unter Laborbedingungen wrde es allemal laufen, suggeriert der ehemalige Williams-Pilot: "Fr uns wre das besser. Es gibt ja immer ein erstes Mal." Eine gute Form tte ihr briges hinzu: "Schlechte Tage sind ganz normal. Nicht fr den Fahrer, auch fr das Team. Ich bin kein Roboter."

Fr Grosjean persnlich bringt das Jahr 2014 noch eine weitere Neuerung. Er muss bei Lotus ohne den zu McLaren abgewanderten Teamchef Boullier auskommen, der ihn seit seiner Rckkehr in die Formel 1 begleitet hat. Dazu ist der Franzose auch ein enger Freund und Teil von Grosjeans Management. "Es ist natrlich merkwrdig, ihn in grauen Klamotten zu sehen", wundert sich der Landsmann ber den Woking-Dress. "Aber es ist nicht das Ende der Welt. Ich stehe mittlerweile auf eigenen Beinen und will den Vergleich mit ihm."

Fotoquelle: xpbimages.com

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