Christian Horner musste sich nach der Disqualifikation erklären

Formel 1 2014

— 26.03.2014

Red Bull versus FIA: Wer behält im Benzinstreit Recht?

Während man sich bei Red Bull zuversichtlich gibt, dass die eigenen Messungen korrekt sind, soll Daniel Ricciardo dauerhaft weit über dem Benzinlimit gewesen sein



Am 14. April klärt sich endlich die Frage, ob Daniel Ricciardo seinen zweiten Platz beim Großen Preis von Australien behalten darf, oder ob der Australier ihn endgültig verlieren wird. In Paris tagt dann die Berufungskommission der FIA, ob dem Einspruch von Red Bull stattgegeben wird oder nicht. Im gesamten Red-Bull-Lager gibt man sich seit dem Bekanntwerden der Berufung sehr optimistisch, als Sieger aus dem Verfahren vorzugehen.

Selbst Oberbulle Dietrich Mateschitz erklärte jüngst, dass man die exakte Durchflussmenge genau beweisen kann, die Ricciardo bei seinem Heim-Grand-Prix zum Verhängnis geworden ist. Mehrfach soll der Australier laut dem Messsensor der FIA über der erlaubten Durchflussgrenze von 100 Kilogramm pro Stunde gelegen haben, während das Messverfahren von Red Bull andere Daten ausgespuckt haben soll.

"Wir sind extrem zuversichtlich, dass wir die Regeln nicht gebrochen haben, und dass wir die erlaubte Durchflussmenge von 100 Kilogramm pro Stunde nicht überschritten haben", betont Teamchef Christian Horner bei 'Sky Sports F1' noch einmal. "Das war der Grund für unseren Einspruch." Dabei stützt man sich auf Artikel 5.1.4 des Technischen Reglements, der besagt, dass der Benzindurchfluss nicht mehr als 100 Kilogramm pro Stunde betragen darf.

Direktive der FIA "nur eine Meinung"

Und jetzt kommt für Red Bull der Knackpunkt: "Die Regel besagt nicht, dass die Messung zwingend vom FIA-Sensor kommen muss. Wir sind der Meinung, dass wir auch unsere eigenen Messungen heranziehen können, um zu beweisen, dass wir die Regeln eingehalten haben", so Horner. "Unser gesamter Fall dreht sich um den Fakt, welche Messung korrekt ist." Und beim FIA-Sensor hat der Brite da so seine Zweifel.

"Wir haben einen Sensor, der Abweichungen zeigt und nicht korrekt misst, und eine Kraftstoffleiste, von der wir wissen, dass sie kalibriert ist, die am gesamten Wochenende nicht geschwankt hat, die nachträglich gecheckt wurde und als nicht fehlerhaft bewertet wurde, und die weder verschoben noch verändert wurde, seit sie vor dem Wochenende im Auto installiert wurde", vertraut Horner auf seine Technik.

Doch die FIA hat vor dem Wochenende eine Technische Direktive herausgegeben, in der die Priorität der Messung festgelegt wurde: Zuerst kommt das FIA-System, und bei dem Verdacht auf Messfehler das System der Teams. Doch Horner winkt ab: "Ich denke, das Problem mit der Direktive ist - wie wir im Reifenfall Pirelli oder den Doppeldiffusor-Tagen gesehen haben - dass es nur die Meinung des Technischen Delegierten ist. Es ist keine Regel, sondern einfach nur eine Meinung." Er beharrt weiterhin darauf, dass man keine Regel gebrochen habe.

Ungenauigkeiten je nach Team verschieden

In Australien hat sich zudem gezeigt, dass das Messsystem der FIA noch nicht so arbeitet, wie es soll. So soll der Sensor je nach Team unterschiedliche Werte ausgespuckt haben. Wie die Kollegen von 'auto motor und sport' berichten, so soll der Sensor bei Daniel Ricciardo nach eigenen Messungen nur einen Durchfluss von 96 Kilogramm pro Stunde zugelassen haben, was einem Verlust von rund acht PS entsprechen würde, bei Sebastian Vettel sei genau der gegenteilige Fall eingetreten.

Auch andere Teams hatten mit Messungenauigkeiten zu kämpfen. Nach dem Training bekam jedes Team einen individuellen Korrekturfaktor, je nachdem wie weit die Messungen der FIA und der Teams auseinanderlagen. Bei keinem Team soll die Differenz mehr als 1,5 Prozent betragen haben - außer eben bei Red Bull. Die Bullen waren auch das einzige Team, das sich den Messvorgaben widersetzt haben soll.

Durch die Ungenauigkeiten wurden Verbrauchsspitzen von drei Gramm toleriert, und selbst Mercedes nahm nach dem Training eigene Korrekturen durch. Red Bull beharrte jedoch weiter auf seiner Messung und soll sogar ein Angebot von FIA-Motorenmann Fabrice Lom ausgeschlagen haben, die Durchflussmenge zu korrigieren, nachdem schon in der Anfangsphase des Rennens erhöhte Werte gemessen wurden. Dies geschah bereits nach fünf Runden.

Ricciardo dauerhaft über dem Limit

Ricciardo fuhr das Rennen mit der normalen Messung seines Teams zu Ende und soll dabei in jeder Runde das Limit um 25 Gramm überschritten haben - für die FIA ein klarer Fall für die Disqualifikation. Ein ähnliches Szenario könnte dem Team auch in Malaysia und Bahrain blühen, denn beide Grands Prix liegen noch vor der Anhörung der Berufungskommission. Die Frage ist, ob sich Red Bull diesmal an die Direktiven halten wird - oder ob man es wieder drauf ankommen lässt und eine erneute Disqualifikation riskiert.

Teamchef Christian Horner will bis jetzt noch keine Antwort darauf geben, doch er weiß, dass für alle Seiten vor allem eine Lösung am besten wäre: "Hoffentlich haben wir einen funktionierenden Sensor, der auch mit der Kraftstoffleiste übereinstimmt und keine Diskrepanzen herausgibt. Sollte es wieder zu einer Abweichung kommen, dann werden wir das natürlich mit der FIA besprechen müssen - und wir werden dabei vermutlich nicht alleine sein."

Fotoquelle: Red Bull

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