Eigentlich verstehen sich Helmut Marko und Niki Lauda ziemlich gut...

Formel 1 2014

— 06.04.2014

Stiller Jubler Lauda: Kein Verständnis für Red-Bull-Kritik

Niki Lauda freut sich meist nur innerlich über den aktuellen Erfolg von Mercedes, nach außen hin ärgert er sich hingegen besonders über das Verhalten von Red Bull



Besser kann es für Mercedes in diesen Tagen kaum laufen. Die Silberpfeile sind das Maß aller Dinge und starten auch in Sachir wieder mit beiden Autos aus der ersten Startreihe. Scheinbar geht es beim Großen Preis von Bahrain heute nur darum, welcher der beiden Mercedes-Piloten als Erster über die Ziellinie fährt. Die Konkurrenz von Red Bull hängt hingegen im Mittelfeld fest, und könnte schon ein wenig den Anschluss verlieren.

Doch trotz der Dominanz seines Teams gibt sich Aufsichtsratschef Niki Lauda stets nüchtern, wenn es um das Feiern eines Erfolges geht - wie in seinen eigenen Rennfahrertagen. Ausgelassenen Jubel kennt man beim Österreicher nicht. Da werden kurz Hände geschüttelt, bevor sich wieder auf den nächsten Teilabschnitt auf dem Weg zum WM-Titel konzentriert wird. Denn eines ist der Österreicher mit Sicherheit nicht: ein Feierbiest.

"Ich freue mich nach einem Sieg kurz in mich hinein, zwei Stunden, bis ich im Flieger eingeschlafen bin. Und wenn ich nach 12,5 Stunden mit dem Flugzeug in Wien angekommen bin, dann ist's schon wieder vorbei", erzählt Lauda im Gespräch mit 'Bild am Sonntag' "So war ich immer schon!" Schon zu Rennfahrerzeiten habe er sich auf dem Podest lieber mit seinen Kollegen unterhalten, als die österreichische Hymne zu genießen. "Ich hab das Rennen ja nicht wegen der Bundeshymne gewonnen", so die Erklärung.

Auch 30 Jahre nach seinem letzten WM-Titel hat sich daran nichts geändert. Lauda ist und bleibt ein Arbeitstier, der dem Erfolg alles unterordnet. Daher lässt sich der 65-Jährige auch von den jüngsten Erfolgen nicht blenden und sieht den Titel noch lange nicht unter Dach und Fach. "Das ist noch so viele Rennen weg", winkt er ab. "Wenn ein anderes Team sich schneller entwickelt als wir, sind die vorn und nicht wir. Wie beim 100-Meter-Lauf. Wenn plötzlich ein anderer schneller ist, bist du nur Zweiter."

Red Bull kämpft auf allen Ebenen

Doch aus den Startlöchern sind die Silberpfeile erst einmal am besten gekommen, während die Konkurrenz von Red Bull schon fast einen waschechten Fehlstart hingelegt hat. 28 Punkte liegt Sebastian Vettel schon hinter Nico Rosberg, 53 Punkte fehlen in der Konstrukteurswertung auf die Silberpfeile. Hinzu kommt, dass Red Bull erst einmal die eigenen Probleme und die von Renault in den Griff bekommen muss.

Und doch eröffnen die Bullen schon viele Nebenkriegsschauplätze. Die Disqualifikation von Daniel Ricciardo in Melbourne und die daraus folgenden Diskussionen um die Rechtmäßigkeit des Benzinsensors der FIA sind genauso noch ein Thema wie die Soundkritik von Sebastian Vettel - Stichwort: "scheiße". Und selbst Chefdesigner Adrian Newey erneuerte an diesem Wochenende seine Kritik an den neuen Regeln der Formel 1.

Zusammen mit Ferrari ist man einer der Hauptkritiker in diesen Tagen, und befürwortet ein von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo einberufenes Gipfeltreffen mit FIA-Präsident Jean Todt und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Und während es die eine Seite als vollkommen notwendig ansieht, dass man noch einmal über das aktuelle Reglement diskutiert, sieht die andere Seite in dem Vorgehen nichts anderes als Politik. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff betitelte die Diskussionen beispielsweise als "absurd".

"Nicht dem Image entsprechend"

Selbst FIA-Präsident Jean Todt kann die Aufregung der beiden Topteams nicht verstehen und vermutet, dass sich nur beschwert wird, weil man gegenüber Mercedes deutlich im Rückstand sei: "Hat sich einer der Wettbewerber beschwert, als Red Bull vergangenes Jahr alles gewonnen hat? Mercedes, Renault und Ferrari wissen seit fünf Jahren, welche Motoren auf sie zukommen. Dabei hat Mercedes einfach einen besseren Job gemacht. So etwas passiert im Motorsport", wird er von 'auto motor und sport' zitiert.

Niki Lauda hat ebenfalls kein Verständnis für die Vorgehensweise der Konkurrenz und findet, dass besonders Red Bull sich nach all den Jahren des Erfolges viel lockerer geben müsste: "Red Bull benimmt sich im Moment nicht der Marke, dem Image entsprechend. Red Bull soll eigentlich Spaß und Energie bedeuten. Und was machen sie? Sie motzen! Red Bull muss lockerer werden!", urteilt er.

Doch wenn es ums Gewinnen geht, dann versteht Laudas Landsmann Helmut Marko überhaupt keinen Spaß. Der Motorsportkonsulent von Red Bull dreht den Spieß um, und beschuldigt die Silberpfeile, dass sie alle möglichen Änderungen blockieren würden, nur um Red Bull davon abzuhalten, wieder an die Spitze zu kommen. "Mercedes geht schon mit aller Vehemenz vor, um endlich zu siegen", poltert der Österreicher bei 'Sport Bild'.

Lauda: "Man kann nicht immer nur gewinnen"

"Alle Mercedes-Teams gehen beispielsweise geschlossen zur FIA, um die in ihrer Argumentation gegen uns zu stützen", wirft Marko weiter vor und verweist besonders auf die Benzinsensor-Affäre von Melbourne. Sein Team würde das Jahr nicht anders angehen als sonst, verteidigt sich der Österreicher, "aber ich habe sehr wohl das Gefühl, dass von der Stern-Seite mehr Aggression kommt."

Doch für Niki Lauda zeugen die Aussagen von nichts anderem, als dass sein Landsmann einfach ein schlechter Verlierer sei. "Ich habe mich immer gefreut, wenn der Beste gewonnen hat", betont er. "Das war bei Vettel in den letzten Jahren so und das war auch früher so. Wenn Helmut Marko als Fahrer damals dauernd gewonnen hat, habe ich mich auch für ihn gefreut. Aber jetzt im Moment ist er mir zu negativ. Der motzt den ganzen Tag herum! Ich hab zu ihm gesagt: "Helmut, man kann nicht immer nur gewinnen!'"

Das musste Lauda in dieser Saison allerdings noch nicht erfahren. Nach zwei Siegen zu Saisonbeginn leuchtet der Mercedes-Stern heller denn je, und Nico Rosberg und Lewis Hamilton haben gute Aussichten auf den WM-Titel nach der Vizemeisterschaft im Vorjahr. "Wir haben jetzt mit dem neuen Motor direkt die ersten zwei Rennen gewonnen", nickt Lauda. "Ich glaube: Wenn wir so hart weiterarbeiten, sind die Chancen nicht schlecht, dass wir vom zweiten Platz noch einen Schritt weiter hochkommen." Es bleibt nur abzuwarten, was die Konkurrenz macht - sportlich und politisch.

Fotoquelle: xpb

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