Großer Preis von Bahrain: Pre-Events

Formel 1 2014

— 06.04.2014

Jubel bei Mercedes: "Ein perfektes Rennen"

Lewis Hamilton ist nach seinem hart erkämpften Sieg über Teamkollege Nico Rosberg aus dem Häuschen, der Unterlegene enttäuscht, das Team hochzufrieden



In einem äußerst unterhaltsamen Grand Prix von Bahrain 2014 waren die Teamduelle das Salz in der Suppe. Mercedes, Williams, Force India, Red Bull: Die jeweiligen Teamkollegen schenkten sich auf der Strecke wenig, doch Kollisionen wie etwa zwischen Adrian Sutil (Sauber) und Jules Bianchi (Marussia) oder Pastor Maldonado (Lotus) und Esteban Gutierrez (Sauber) blieben teamintern aus.

Die Krönung lieferte das Mercedes-Team ab. Schon beim Start schenkten sich Hamilton und Rosberg nichts. Der Deutsche hatte sich am Samstag die Pole-Position gesichert und startete von der linken und somit sauberen Seite der Startaufstellung. Dennoch kam Hamilton, der genau wie Rosberg mit den Soft-Reifen losfuhr, auf der Innenbahn besser in die Gänge. Der Brite setzte sich in der ersten Kurve energisch durch. Drei Kurven später probierte es Rosberg außen herum, Hamilton hielt dagegen, drückte Rosberg dabei leicht von der Strecke, doch alles im grünen Bereich. So kam der Sepang-Sieger vor dem Melbourne-Sieger als Spitzenreiter aus der ersten Runde zurück.

In Runde 18 und damit noch vor den ersten Boxenstopps griff Rosberg an. Die Szenen gleichen jenen aus Runde eins. Sowohl in der ersten als auch in der vierten Kurve lagen die beiden F1 W05 Seite an Seite, doch Hamilton blieb vorn. Nur eine Runde später der nächste Angriff von Rosberg am Ende der Start/Ziel-Geraden. Diesmal klappte es für den Deutschen, er übernahm die Spitze. Hamilton konterte allerdings nur drei Kurven später. Beim Beschleunigungsduell aus Kurve 4 holte sich der Brite die Führung zurück.

Wiederum eine Runde später dann der erste Boxenstopp von Spitzenreiter Hamilton. Der Brite ließ erneut die weichen Reifen aufziehen. Rosberg, der zwei Runden länger auf der Bahn blieb, ließ in Runde 22 die Medium-Reifen montieren. Nach den Stopps hatte Hamilton das Zepter in der Hand und fuhr mit den weicheren Reifen schnell einen Vorsprung von mehreren Sekunden heraus. Aufgrund der Kollision Maldonado/Gutierrez kam kurz vor den geplanten zweiten Boxenstopps das Safety-Car heraus. Nachdem die letzten Stopps unter Gelb erledigt wurden, war es Hamilton, der die Medium- und Rosberg, der die Soft-Reifen drauf hatte. Der Deutsche hatte auf dem Papier die Trümpfe in der Hand, zumal Hamiltons Vorsprung durch das Safety-Car eingedampft worden war.

Hamilton freut sich über grandiosen Sieg

Beim Restart aber ließ sich Hamilton die Butter nicht vom Brot nehmen. In den Kurven 1 und 4 verteidigte er die Führung gegen Rosberg. Die Szenen der beiden nebeneinander liegenden Silberpfeile glichen den Szenen aus der ersten Rennrunde. Wenige Umläufe später versuchte es Rosberg noch einmal, doch Hamilton hielt erneut dagegen und brachte den Sieg schließlich mit einem Vorsprung von 1,085 Sekunden ins Ziel.

"Es war ein aufregendes Rennen. Nico ist fantastisch gefahren, sehr fair. Es war wirklich schwierig, ihn hinter mir zu halten", sagte Hamilton noch auf dem Podium. Wenig später führt der Brite, der mit seinem 24. Grand-Prix-Sieg nun mit dem legendären Juan Manuel Fangio gleichgestellt hat, aus: "Es war einfach unglaublich. Ich habe das Gefühl, das beste Rennen aller Zeiten gewonnen zu haben. Es war einfach ein unglaublicher Tag. Jetzt freue ich mich darauf, diesen Sieg so richtig zu genießen."

Rosberg knapp geschlagen und enttäuscht

Der mit einer Sekunde Rückstand auf Platz zwei ins Ziel gekommene Teamkollege Rosberg bekennt: "Ich mag es wirklich nicht, hinter meinem Kollegen Zweiter zu werden. Das ist echt nicht mein Ding, aber so ist es halt heute. Die kleine positive Seite ist, dass es ein megaspannendes Rennen war. Es war ein Riesenfight, der Spaß gemacht hat."

"Das ist natürlich der coolste Rennsport. Ich glaube, es war auch schön für die Fans und hoffe, dass es Spaß gemacht hat vor dem Fernseher", so Rosberg, der allerdings gesteht: "Doch natürlich bin ich sehr enttäuscht, denn Zweiter heißt erster Verlierer. Besonders heute ist es bitter, denn ich war schneller, aber er hat halt den bisschen besseren Job gemacht. Beim nächsten Rennen bin ich wieder dran."

Im Parc Ferme kam Rosberg nach dem Rennen sofort auf Hamilton zu. Die beiden fielen sich in die Arme. "Ich habe erst gedacht, er macht ein langes Gesicht", gesteht Experte Marc Surer. "Denn wenn man auf der Pole-Position startet und zum Schluss noch die Chance hat, das Rennen zu gewinnen, es dann aber nicht schafft - dass man da nicht ein langes Gesicht macht... Ich muss sagen: Er ist ein fairer Sportsmann. Verlieren tut ihm zwar weh, aber er hat trotzdem Größe bewiesen."

Wolff: "Blutdruck war schon hoch"

"Der Blutdruck ist jetzt wieder unten. Im Rennen war er schon hoch", bekennt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff gegenüber 'Sky' und fügt an: "Eigentlich haben wir aber gewusst, dass sie im dritten Rennen keine Blödheit machen." Gegenüber 'RTL' fügt der Österreicher an: "Beide Fahrer konnten sich die Strategie aussuchen. Die Strategie mit dem Prime-Reifen zur Mitte - also Nicos Strategie - war am Ende bezogen auf die Gesamtrenndauer 0,3 Sekunden langsamer. Es gab also nicht eine gute und eine schlechte Strategie, sondern nur zwei gute. Es war nicht so, dass wir die beiden auseinanderkriegen wollten, sondern der eine hat sich für die eine Strategie entschieden und der andere für die andere."

Die Devise bei Mercedes lautet: "Fahrt Rennen miteinander, aber haltet euch an die Philosophie. Lasst euch Platz und riskiert nicht das Auto." So soll es auch in Zukunft weitergehen, wie Wolff klarstellt: "Bei dem bleiben wir. Ich hoffe, es geht immer so gut aus, vielleicht einmal auch anders. Aber so muss man Rennen fahren. Das ist die Formel 1, oder?" Paddy Lowe, Geschäftsführer Technik im Mercedes-Team, ergänzt gegenüber 'Sky Sports F1': "Die Fahrer haben es uns einfach gemacht. Sie gingen ans Limit, aber nicht darüber hinaus. Genau so stellen wir uns das vor."

Wolff hatte vor dem Rennen gegenüber 'RTL' zu Protokoll gegeben: "Wir haben fast alles durchgesprochen, was passieren kann. Beide Fahrer waren Bestandteil dieser Diskussion. Im Rennen kann aber trotzdem alles anders sein." Im Verlauf der 57 Rennrunden haben Hamilton und Rosberg gezeigt, dass sie hart, aber fair gegeneinander kämpfen können.

Lauda schwärmt von legendärem Rennen

Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda hatte seine helle Freude am Duell Hamilton vs. Rosberg. "Ich habe es genossen. Das war das bisher beste Rennen für unser Team. Ich muss sagen, Lewis war diesmal der Bessere, denn er hatte am Schluss die härteren Reifen drauf, aber Nico kam nicht an ihm vorbei. Es war eine unglaubliche Leistung von Lewis", lobt der dreimalige Formel-1-Weltmeister gegenüber 'Sky Sports F1'.

"Ich muss sagen, dass die beiden sehr gut miteinander auskommen. Es gibt keinen Hass wie es zum Beispiel in der Vergangenheit bei Vettel und Webber der Fall war. Die Basis stimmt. Der Wettbewerb zwischen den beiden gefällt mir sehr gut", so Lauda.

In Anspielung auf die während der vergangenen Wochen auf die "neue" Formel 1 hereingefallene Kritik hält Wolff gegenüber 'RTL' abschließend fest: "Es ist doch immer wieder komisch. Wenn am meisten kritisiert wird und man von Taxifahren spricht, passiert genau das Gegenteil. Heute hatten wir eines der spannendsten Rennen der vergangenen Jahre. Ich glaube, so kann man es sehen. Es gab viele teaminterne Duelle. Dem ist nichts hinzuzufügen."

Lauda stimmt zu: "Ich muss sagen, der ganze Blödsinn, der über den Rennsport geschrieben und gesagt wurde - Sound, Spritverbrauch und so weiter - das ist alles Blödsinn. Man muss sich nur dieses Rennen ansehen. Es war eines der besten Rennen, das ich in meinem Leben gesehen habe. Nicht nur wegen Mercedes. Die Überholmanöver im Feld waren einfach toll - ein perfektes Rennen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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