Schanghai 2014: Marco Mattiaccis Debüt-Wochenende als Ferrari-Teamchef

Formel 1 2014

— 19.04.2014

Ferrari: Die Zeichen stehen auf Neuanfang

Marco Mattiacci tritt bei Ferrari kein einfaches Erbe an: Alonso und Räikkönen wollen dem neuen Teamchef Zeit geben, Massa und Smedley fühlen mit Stefano Domenicali



Ferrari tritt am Schanghai-Wochenende mit neuer personeller Besetzung an. Zwar sitzen in den Cockpits der beiden roten Renner vom Typ F14 T nach wie vor die beiden Ex-Weltmeister Fernando Alonso und Kimi Räikkönen, doch als Teamchef fungiert nicht mehr Stefano Domenciali, sondern der bis dato gänzlich ohne Formel-1-Erfahrung gesegnete Marco Mattiacci.

"Er hört erst mal zu", umschrieb Alonso zu Beginn des Wochenendes die Tätigkeiten seines neuen Chefs. "Es ist für ihn auch belastend und alles komplett neu. Da versuchen wir, ihm alles zu erklären", so der Spanier, der den bisherigen Geschäftsführer von Ferrari Nordamerika und Nachfolger von Domenicali als "einen cleveren Mann" einschätzt.

Nach Mattiaccis ersten Tagen in Diensten des Formel-1-Teams hält Alonso fest: "Wie ich schon am Donnerstag sagte. Wir müssen ihm Zeit geben. Es ist eine komplett neue Umgebung für ihn. Das Wochenende ist für ihn sicher sehr stressig - ganz einfach, weil so viel passiert. Er muss ja die Abläufe, die Herangehensweise an ein solches Rennwochenende, die Teambesprechungen zur Strategie und so weiter alles erst kennenlernen. Das versucht er so schnell wie möglich zu erledigen."

Alonso rechnet "schon bald" mit ersten Ideen von Mattiacci

Neben genauem Zuhören macht sich Mattiacci in diesen Tagen "viele Notizen", wie Alonso betont. Der Weltmeister der Jahre 2005 und 2006, der seinerseits bereits im fünften Jahr Mitglied der Scuderia aus Maranello ist, gibt sich überzeugt, dass der neue Teamchef "schon bald auf der Höhe des Geschehens sein wird und seine Ideen einbringen wird", um entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Im Moment brauche dies aber naturgemäß noch Zeit.

"Solange sich unser Auto noch nicht auf dem Level der Mercedes bewegt, müssen wir versuchen, so viele WM-Punkte wie möglich einzufahren. Morgen bietet sich diesbezüglich eine gute Gelegenheit", sagt Alonso, der den Grand Prix von China im vergangenen Jahr von Startplatz drei aus als Sieger beendete und diesmal von Startplatz fünf in Angriff nimmt.

Räikkönen sicher: Mattiacci allein kann es nicht schaffen

Ferrari-Rückkehrer Räikkönen startet am Sonntag nur von Platz elf. Der Finne kämpfte im Qualifying wieder einmal mit der Balance seines F14 T und verpasste den Einzug ins dritte Segment (Q3) um die Winzigkeit von 0,013 Sekunden.

Was hält der "Iceman" vom neuen Teamchef Mattiacci? "Er scheint sehr offen zu sein", so das erste Urteil des Weltmeisters von 2007 über seinen neuen Boss. Mit Blick auf die Konkurrenzfähigkeit von Ferrari im weiteren Verlauf der Saison 2014 stellt Räikkönen aber sofort klar: "Ich glaube nicht, dass es eine Person allein schaffen kann, das Ruder komplett herumzureißen."

"Da braucht es schon die Anstrengungen von mehreren Leuten. Ich weiß aber, dass er einhundert Prozent geben wird, um die Dinge zu verbessern. Wir haben noch einen langen Weg vor uns und er ist ab sofort ein Teil davon", so Räikkönens Empfang für Mattiacci.

Massa fühlt mit Domenicali

Felipe Massa, der von 2006 bis 2013 acht Jahre lang für die Scuderia aus Maranello ins Lenkrad griff, zeigt sich vom Zeitpunkt des Wechsels auf dem Posten des Teamchefs überrascht: "Um ehrlich zu sein, hätte ich nicht erwartet, dass sie jetzt etwas verändern."

"Vom Zeitpunkt war ich schon überrascht, insgesamt betrachtet war es aber keine große Überraschung", meint Massa und spielt damit auf die Anlaufschwierigkeiten von Ferrari unter dem neuen Reglement an. "Sie hatten von Saisonbeginn an Probleme. Jetzt haben sie entschieden, etwas zu unternehmen."

Da der Brasilianer inzwischen für Williams an den Start geht, sorgt er sich naturgemäß weniger um die Konkurrenzfähigkeit des Ferrari F14 T. Viel mehr liegt ihm der nun ehemalige Teamchef Domenicali am Herzen. "Bis vor kurzem war ich ja noch ein Teil dieses Teams. Ich wünsche vor allem Stefano nur das Beste. Ich bin sicher, dass er eine große Zukunft vor sich hat. Er ist ein harter Arbeiter und ein echter Profi - einer, der früh bei Zeiten da ist und abends als Letzter die Firma verlässt", sagt Massa und offenbart: "Natürlich habe ich mit Stefano darüber gesprochen. Er ist mein Freund. Wir haben noch immer häufig Kontakt."

Kein Interesse daran, Ferrari schlechtzureden

Doch nicht nur mit Domenicali hat Massa Kontakt. Anders als beispielsweise Alonso, der bis zum Donnerstag dieser Woche noch kein Wort mit Mattiacci gewechselt hatte, kennt Massa den neuen Ferrari-Teamchef schon länger. "Gesprochen habe ich hier noch nicht mit ihm. Ich habe ihm nur eine SMS geschickt, um ihm alles Gute zu wünschen. Ich weiß, dass auch er ein echter Profi ist. Er ist ein toller Kerl, aber hat natürlich bis jetzt etwas komplett anderes gemacht. Die Frage, die sich mir stellt, ist die, wie sich die Dinge in Zukunft entwickeln werden", so Massa.

Warum man bei Ferrari seit Ende 2007 auf einen Fahrer- und seit Ende 2008 auf Konstrukteurstitel warten muss, kann auch der langjährige Pilot aus Brasilien nicht beantworten. "Ich weiß es nicht. Ich möchte dem Team auch keine Probleme bereiten. Ich kann nur sagen, dass ich ihnen das Beste wünsche. Ich bin keiner, der irgendjemanden oder irgendetwas schlechtreden muss. In meiner neuen Welt gibt es genug Dinge, über die ich mir Gedanken machen muss", sagt der neue Williams-Pilot Massa und fügt in Bezug auf Ferrari grinsend an: "Ich hoffe natürlich, dass sie hinter uns liegen werden."

Auch Smedley fühlt mit Domenicali

Massas langjähriger Ferrari-Renningenieur Rob Smedley, der dem Brasilianer im Winter zu Williams gefolgt ist, gibt sich bedeckt, was den Domenicali-Abschied betrifft: "Ich kann Stefanos Position innerhalb von Ferrari nicht kommentieren." Genau wie Massa lässt aber auch der Brite wissen: "Stefano ist ein Freund von mir und wird es auch immer bleiben. Ich kann nur ahnen, wie schwierig es für ihn während der zurückliegenden Wochen gewesen sein muss."

Am Rande des Bahrain-Grand-Prix sprach Smedley in Bezug auf Domenicali von "einem großen Bruder für mich". Dass dieser "große Bruder" in Maranello nun nicht mehr das Zepter in der Hand hält, führt der neue Williams-Chefingenieur auf den Druck in Italien zurück: "Ich glaube, wenn jemand bei Ferrari ein so hohes Amt bekleidet, wie es auf ihn zutraf, dann ist das mit einer Menge Druck verbunden."

"Um von einer solch privilegierten Position zurückzutreten, braucht es eine Menge Mut. Ich kann mir vorstellen, dass er im Moment wohl nicht die einfachste Phase seines Lebens durchmacht. Das muss man respektieren", fühlt auch Smedley mit Domenicali.

Fotoquelle: xpbimages.com

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