Wenn Gesichter Bände sprechen: Sieger Hamilton frohlockt, Rosberg wirkt geknickt

Formel 1 2014

— 20.04.2014

Hamilton und Rosberg: Wie geht das Teamduell weiter?

Lewis Hamilton stellt mit seinem dritten Sieg in Folge im Mercedes-Teamduell gegen Nico Rosberg auf 3:1 - Wer behält beim nächsten Mal die Oberhand?



Das Duell der beiden Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton und Nico Rosberg wird die Formel-1-Gemeinde noch einige Wochen, wahrscheinlich sogar Monate, beschäftigen. Dank seines Sieges beim Grand Prix von China in Schanghai hat sich Hamilton in der Gesamtwertung weiter an seinen führenden Teamkollegen herangeschoben. Rosberg kommt mit einem knappen Punktevorsprung nach Europa zurück.

Auch wenn sich die beiden Mercedes-Piloten in China anders als noch in Bahrain nicht direkt auf der Strecke duellierten, so stellen sich alle die Frage: Wie geht der Kampf um WM-Punkte und die Vorherrschaft im Team zwischen den beiden weiter? "Bis jetzt gehen sie fair miteinander um", lobt Experte Marc Surer gegenüber 'Sky' und erinnert an das legende McLaren-Teamduell Ende der 1980er-Jahre: "Man muss wissen: Prost und Senna haben sich gehasst und nicht miteinander gesprochen. Das hat sich auf der Strecke dann ausgeweitet. In diesem Fall haben wir es mit zwei vernünftigen Piloten zu tun - noch."

Niki Lauda sieht es gelassen. "Ich glaube nicht, dass irgendwelche Flügel fallen, denn die Fahrer sind intelligent genug, sich genau so wie in Bahrain zu bekämpfen", meint der Aufsichtsratschef der Silberpfeile, seines Zeichens dreimaliger Weltmeister, gegenüber 'Sky'. Surer ist sich da nicht ganz so sicher. Je mehr sich der Kampf der beiden Mercedes-Piloten um die Weltmeisterschaft zuspitzt, "desto härter wird es werden", ist der Schweizer überzeugt.

Nach seinem dritten Sieg in Folge liegt Hamilton nur noch vier Punkte hinter Teamkollege Rosberg zurück. Das Defizit ist natürlich auf den Ausfall beim Saisonauftakt in Melbourne zurückzuführen. Von den dort eingefahrenen 25 WM-Punkten zehrt Rosberg noch immer. "Wir liegen noch immer vier Punkte zurück. Das ist frustrierend. Denn Lewis hatte jetzt einen guten Lauf", sagt Hamiltons Ingenieur Jock Clear und stellt heraus: "Jeder Sieg wurde unter anderen Umständen eingefahren."

"Dennoch liegt Lewis vier Punkte zurück. Was ist denn da los?", schüttelt Clear den Kopf und hat den technisch bedingten Ausfall seines Schützlings in Melbourne offenbar schon vergessen. Ob die Siegesserie von Hamilton auch beim nächsten Rennen, dem Grand Prix von Spanien in Barcelona am 11. Mai, weitergehen wird, bleibt abzuwarten. "Die Saison ist noch lang. Es kommen noch viele Rennen. Nico schlägt immer wieder zurück. Er wird in Spanien wieder voll da sein", ist sich Clear sicher.

Hamilton schafft Voraussetzungen am Samstag

Rosberg selbst meint nach seinem dritten zweiten Platz in Folge: "Es muss mal wieder ein Sieg her." Genau diese Worte gebrauchte der WM-Spitzenreiter allerdings schon vor zwei Wochen in Bahrain. Hat Rosberg in Spanien das Zeug, Hamilton aus eigener Kraft zu schlagen? Laut Lauda nur, wenn er ein besseres Qualifying hinlegt als in Schanghai. "Der Nico ist eigentlich sehr gut drauf. Er hat sich nur das Ei schon gestern gelegt. Ich nenne es mal das Osterei, weil er halt hinausgerutscht ist. Mit seiner Startposition hat er den Anschluss dann natürlich verpasst", so Lauda gegenüber 'RTL'

Surer sieht es ähnlich und hält in Bezug auf Hamiltons dritte Pole am vierten Rennwochenende fest: "Er setzt ja vor allem schon den Grundstein, wenn er die Pole-Position holt. Wenn man vorne weg fahren kann, dann gehen auch die Reifen weniger kaputt, man hat freie Fahrt, man hat gute Anströmung. Das sind ja die Dinge, die sonst der Vettel immer so gemacht hat und jetzt macht es Hamilton. Es könnte auch ganz anders sein, wenn Rosberg vorne weg fährt. Dann wäre es wieder für Hamilton schwer."

Angesichts der Tatsache, dass er im gesamten Rennverlauf ohne Telemetrie auskommen musste, ist Rosberg mit seinen von Startplatz vier aus eingefahrenen 18 WM-Punkten diesmal aber zufrieden. "Das sind wieder wichtige Punkte. Es war richtig Schadensbegrenzung. Ich gucke jetzt wieder nach vorn und hoffe in Barcelona auf ein Top-Wochenende", sagt der Melbourne-Sieger und will nichts davon wissen, dass er die Gesamtwertung "noch" anführt: "Nicht immer noch vorn, sondern einfach vorn. Ich habe vor, das so zu behalten."

Lauda muss sich wohl bald hinten anstellen

Derzeit jubelt aber nur einer so richtig: Lewis Hamilton. Für den Briten bedeutete der Schanghai-Sieg nicht nur den ersten Hattrick seiner Formel-1-Karriere, hatte er doch bis zum Sonntag noch nie zuvor drei Rennen in Folge in der Königsklasse gewonnen. Mehr noch: Mit seinem 25. Sieg steht der Weltmeister von 2008 in puncto Rennsiegen nun auf einer Stufe mit dem zweimaligen Weltmeister Jim Clark und dem Dreifach-Champion Niki Lauda, der inzwischen einer seiner Bosse ist.

"Ich höre immer nur von den Statistiken, wenn ich darauf angesprochen werde", sagt Hamilton und gibt sich dankbar: "Es ist schon bemerkenswert. Ich komme aus Stevenage und hätte mir das niemals träumen lassen. Mein Vater und meine ganze Familie haben so viel harte Arbeit investiert, damit ich heute hier sein kann. Dafür bin ich sehr dankbar. Dass ich nun unter den Großen bin, macht meinen Vater und meine Familie hoffentlich stolz. Denn ich arbeite daran, die Reise fortzusetzen, die ich gemeinsam mit ihnen begonnen habe."

Lauda, der sich nach Grand-Prix-Siegen wohl bald hinter Hamilton anstellen muss, ist voll des Lobes für den Schanghai-Dominator. "Der Lewis ist in Höchstform. Mehr kann man dazu nicht sagen", schwärmt der Österreicher gegenüber 'RTL' und stellt die Stärken Hamiltons heraus: "Er ist vor allem ein Riesentalent. Das ist relativ klar, denn das hat er immer gezeigt. Er beißt richtig im Zweikampf, das haben wir in Bahrain gesehen. Er hat alles, was er braucht."

Wenn der Melbourne-Ausfall nicht gewesen wäre...

Den einzigen Schwachpunkt, den Lauda an Hamilton erkannte, hat er ihm mittlerweile ausgetrieben, wie er vorgibt. "Das einzige, was er in der Vergangenheit vielleicht manchmal vernachlässigt hat, war der volle Fokus: Er hat die Hunde mitgebracht zu den Testfahrten, hat viel Entourage mitgebracht zu den Rennen", übt der Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams zunächst leichte Kritik.

Ausgehend davon betont Lauda, dass er Hamilton die Hunde-Marotte inzwischen ausgetrieben hat: "Bei den Hunden war ich dabei, ja. Ich habe ihn einfach gebeten, sich zu fokussieren. Er soll den Rucksack einfach fallenlassen und sich zu 120 Prozent konzentrieren. Das hat er von Anfang des Jahres an gemacht und damit bringt er jetzt die Leistung, die man von ihm erwartet. Wenn er in Melbourne nicht ausgefallen wäre, hätte er dort wahrscheinlich auch gewonnen."

In drei Wochen geht das teaminterne Duell der beiden Mercedes-Piloten Hamilton und Rosberg in die nächste Runde.

Fotoquelle: xpbimages.com

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