Mercedes-Pilot Lewis Hamilton gewann in Barcelona das vierte Rennen in Folge

Formel 1 2014

— 13.05.2014

Wie lange hält die Mercedes-Dominanz noch an?

Mercedes diktiert momentan das Geschehen in der Formel 1: Kann man den Vorsprung behaupten oder gelingt es Red Bull, die Lücke zu schließen?



Fünf Siege in fünf Rennen, die Plätze eins und zwei in der Fahrerwertung und die deutliche Führung in der Teamwertung - der Saisonstart von Mercedes hätte kaum besser laufen können. Bereits vor dem Beginn der neuen Technologieära wurde dem Team die Favoritenrolle zugeschoben. Dass Mercedes nach einigen schwierigen Jahren in der Formel 1 so dominant agiert, hätten vermutlich nur wenige erwartet.

"Das gesamte Auto, also nicht nur der Antrieb, sondern auch das Chassis ist sehr gut. Es ist ausreichend Grip und Abtrieb vorhanden, das Auto daher gut zu fahren. Außerdem haben sie zwei Toppiloten. Das alles zusammen macht den Unterschied zu den anderen Teams aus", lobt Ex-Formel-1-Pilot Karl Wendlinger bei 'ServusTV'. Die neuen Technologien in der Formel 1 trennen die Meinungen der Fahrer und Experten.

"Ich weiß gar nicht mehr so genau, was dort passiert", gesteht Wendlinger, der die Arbeitsweise der neuen Antriebe nicht komplett nachvollziehen kann: "Ich habe mich immer wieder erkundigt, nachgelesen, geschaut und versucht, das alles zu verstehen. Ganz kapiert habe ich es nicht. Vielleicht habe ich damals in der Schule zu wenig gut aufgepasst. Es ist dermaßen kompliziert, dass der Fahrer das gar nicht mehr alles verstehen muss. Der muss wissen, wann er was einsetzt. Er bekommt von seinen Technikern da viele Hinweise. Es ist so komplex."

Mercedes: Das Gesamtpaket stimmt

Die Dominanz von Mercedes ist laut Simulationsexpterte Peter Schöggl nicht nur auf einen Bereicht zurückzuführen. Schöggl lobt das Gesamtpaket: "Da spielen viele Dinge zusammen. Mercedes war in Barcelona eine Sekunde schneller als der Rest. Eine Sekunde bedeutet - ja nach Rennstrecke - zwischen 50 und 70 PS. Und das erreicht man nicht mit einer Sache allein", betont er. "Was man sieht: Die haben einen anderen Turbolader als die anderen. Die Ladeluftkühlung ist anders, der Auspuff auch. Das sind die Dinge, die man von außen sieht."

"Innen drin gibt es bestimmt noch etwas bei der Einspritzung, eine spezielle Gemischaufbereitung. Es ist hundertprozentig eine Vielzahl von Einzelelementen, die in diesem Jahr zu diesem Vorsprung führt", ist Schöggl überzeugt, der die Ressourcen für den Erfolg mitverantwortlich macht: "Ein Unternehmen wie Mercedes hat ein riesiges Entwicklungszentrum im Hintergrund. Wenn es um Elektromotoren geht, um Kühlung oder Auswahl von Materialien, dann kann man auf einen großen Pool von Expertise zurückgreifen."

"Es ist nicht nur das Hybridsystem, das gut arbeiten muss - sprich: es darf nicht zu heiß werden, auch nicht zu kalt -, sondern es ist auch das Zusammenwirken von Verbrennungsmotor und Hybrid. Das ist alles neu, eine echte Innovation. Das wird sicherlich seinen Weg in die Serie finden. Die Kopplung des Turboladers mit dem Elektromotor ist absolut neu. Die Herausforderung ist die Frage, wie es sich auf den Verbrennungsmotor auswirkt, wenn der E-Motor Strom erzeugt. Um wie viel geht die Leistung am Verbrenner zurück? Da hat Mercedes wohl die beste Arbeit geleistet", schildert der Simulationsexperte.

Andere Teams bis zum Saisonende chancenlos?

Offen ist, wie lange Mercedes den Vorsprung halten kann. Durch das neue Reglement können die Teams, die momentan einen Rückstand haben, schnell große Sprünge machen. Mercedes sollte also nicht untätig bleiben. Wendlinger erwartet nicht, dass sich so schnell etwas am Kräfteverhältnis ändern wird. Grund dafür sind laut dem Österreicher die technischen Rahmenbedingungen.

"Wenn die einen besseren Turbolader und einen besseren Ladeluftkühler haben, dann wird das vor der Saison homologiert. Die anderen können nicht einfach so nachrüsten, sondern Mercedes hat diesen Vorteil das ganze Jahr", gibt Wendlinger zu bedenken. "Wenn die anderen mit anderer Software oder neuem Benzin etwas aufholen müssen, dann dauert so etwas. Die entwickeln seit Wochen an der Software und kommen trotzdem nicht näher heran. Ich denke, die Karten sind für dieses Jahr im großen und Ganzen verteilt."

"Im vergangenen Jahr hat Red Bull im Sommer einen erheblichen Schritt auf Chassisseite gemacht. Das hat vielleicht keine Sekunde gebracht, aber Vettel war fortan dominant", blickt Wendlinger zurück. "Der Mercedes-Antrieb ist schon so weit entwickelt, sodass deren Schritte vermutlich kleiner sein werden als jene der anderen Hersteller. Die Mercedes-Piloten sind und bleiben die WM-Favoriten, aber ich denke schon, dass es zum Ende der Saison noch enger werden kann."

Hamilton bald die klare Nummer eins im Team?

Momentan trennen Lewis Hamilton und Nico Rosberg drei WM-Punkte. Hamilton gewann nach dem Ausfall beim Saisonauftakt in Australien alle Rennen. Rosberg musste sich seitdem mit zweiten Plätzen zufrieden geben. "Zwischen den beiden Piloten ist ärgster Konkurrenzkampf, auch wenn sie Freunde sind. Es ist ein harter Fight", analysiert Wendlinger. "Der Teamkollege ist in der Formel 1 eigentlich der erste und der einzige Konkurrent. An dem wirst du gemessen."

"Wenn du als Nico Rosberg viermal hintereinander gegen Lewis Hamilton verlierst, dann ist dies eine ganz schwierige Situation. Jetzt muss er ruhig bleiben, starke Nerven bewahren. Er muss spätestens in Monaco zum Gegenschlag ausholen. Wenn du sogar fünfmal hintereinander verlierst, dann tendiert die Balance im gesamten Team zu demjenigen, der erfolgreicher ist", schildert der ehemalige Formel-1-Pilot. "Da tut man sich dann schwer."

Vettels WM-Chance noch intakt?

Weltmeister Sebastian Vettel betrieb in den bisherigen Rennen Schadensbegrenzung. Nach dem fünften Saisonlauf liegt der Rad-Bull-Pilot auf Position vier der Fahrerwertung. Sollte Red Bull nicht bald ein großer Schritt gelingen, dürfte es mit der Titelverteidigung schwer werden. "Red Bull hat sich auf Platz zwei festgesetzt. Sie haben dort nun Abstand auf die anderen Verfolger", bemerkt Ex-Formel-1-Pilot Christian Klien.

"Der Unterschied zu Mercedes von 50 Sekunden im Rennen ist immer noch riesig. Das kommt mit dem neuen Reglement. Es gibt da viele Bereiche, wo man sich verbessern kann", so Klien. "Ich glaube, das Hauptproblem von Sebastian war, sich an das Brake-by-Wire zu gewöhnen", grübelt Landsmann Wendlinger. "Er ist in Barcelona ein super Rennen gefahren. Ausgerechnet auf einer Strecke, auf der es extrem schwierig ist, anderen Fahrzeugen durch diese lang gezogenen Kurven dicht zu folgen, fährt er von 15 auf vier. Das hat gezeigt, dass Red Bull einfach einen großen Fortschritt realisiert hat."

Schöggl erwartet keine großen Sprünge

"Innerhalb von zwei Monaten ist der Rückstand von vier auf eine Sekunde geschrumpft. So wird es aber nicht weitergehen", ist Simulationsexpterte Schöggl überzeugt. "Man kann viel tun. Die Kraftstoffhersteller bringen zu jedem Rennen einen neuen Sprit. Der Kraftstoff ist für die Leistung verantwortlich, aber auch für die Zuverlässigkeit. Die Kalibrierung von Motor und Getriebe wird zu jedem Rennen neu gemacht. Man darf nicht vergessen, dass diese Technologie noch völlig neu ist. Es wird sicherlich noch ein, zwei oder drei Jahre dauern, bis diese Technologie im Griff ist."

"Zu meiner Zeit gab es das auch. Wenn es einen neuen Sprit gab, dann hast du das gespürt", fügt Wendlinger hinzu. "Bei uns gab es das damals nicht zu jedem Rennen, sondern einmal im Jahr einen neuen Entwicklungsschritt. Die Fahrer sind so feinfühlig. Die spüren alles, jeden Millimeter. Das Problem ist immer, dass alle Fortschritte machen. Wenn du aufholen willst, dann muss du zwei Schritte schaffen, wenn der andere einen macht. Und das macht es in der Kürze der Zeit so schwierig."

Schwierig ist es für Vettel auch teamintern geworden. Mit Daniel Ricciardo hat der Deutsche einen hochmotivierten Teamkollegen. Ohne das Pech beim Saisonauftakt würde der Australier in der Fahrerwertung vor Vettel liegen. Simulationsexpterte Schöggl steigert den Druck auf den amtierenden Weltmeister: "Einerseits versuchen die Techniker, das Auto so hinzubringen, dass sich der Fahrer wohlfühlt. Auf der anderen Seite: Wenn ein Fahrer vier Rennen lang nicht so schnell war wie der Teamkollege, dann wird er sich selbst fragen, was der andere anders macht und was man tun muss, um dorthin zu kommen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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