Daniel Ricciardo könnte zum Retter des Klassikers in Melbourne werden

Formel 1 2014

— 16.05.2014

Albert-Park-Zukunft ungeklärt: Rettet Ricciardo das Rennen?

Australien-Grand-Prix-Geschäftsführer Andrew Westacott erklärt, wovon die unklare Zukunft des populären Saisonauftakts abhängt und welche Bedingungen man stellt



Seit 1996 findet der Grand Prix von Australien nun im Albert Park statt - und die Formel-1-Fans und Protagonisten haben das Rennen längst ins Herz geschlossen: Würde man eine Umfrage im Fahrerlager machen, dann wäre der Kurs in Melbourne mit seiner angenehmen, an eine Gartenparty erinnernden Atmosphäre zweifellos der Favorit der meisten für den Saisonauftakt.

Dennoch ist die Zukunft des Rennens nicht gesichert. Der Vertrag läuft noch bis einschließlich 2015 - daher trafen sich im Rahmen des Grand Prix von Spanien der Geschäftsführer der Australien-Grand-Prix-Coporation (AGPC) Andrew Westacott sowie deren Vorsitzender Ron Walker mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, um über die Zukunft zu verhandeln.

Doch wie sind die Gespräche verlaufen? "Wir gehen in die richtige Richtung, was unseren Vertrag angeht", ist Westacott im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' positiv gestimmt. "Für die Regierung des Bundesstaates Victoria geht es vor allem darum, ob man sich das leisten kann, denn es gibt noch andere große Veranstaltungen. Gut ist aber, dass wir mit Daniel Ricciardo einen jungen Lokalmatador haben."

Erstmals nach drei Jahren Einnahmen-Rückgang

Der Red-Bull-Überraschungsmann kommt nach dem Rücktritt von Lokalheld Mark Webber genau im richtigen Moment. Er sorgte beim Heimrennen mit seinem tollen zweiten Platz für eine Euphorie, auch wenn ihm der Podestplatz im Nachhinein wegen einer zu hohen Benzindurchflussmenge wieder weggenommen wurde.

Mit seinem Aufstieg in die Riege der Toppiloten könnte er das Sinken der Einnahmen durch den Grand Prix abfedern - dieses Jahr musste man laut Westacott einen "Rückgang von drei Prozent" verzeichnen. Und das, nachdem es in den "vergangenen drei Jahren jeweils neun Prozent Wachstum gab".

Dabei hätte das Ergebnis weitaus schlechter ausfallen können, denn mit einigen Premium-Angeboten konnte man die Besucher überzeugen: "Wir hatten ein neues Angebot im Paddock-Club, überdachte Premium-Tribünenplätze und einen Premium-Stehplatzbereich. Die Leute waren bereit, dafür zu zahlen."

Webber-Rücktritt als Ursache?

Doch was waren die Gründe für den gesunkenen Zuspruch der Fans? Westacott führt dies teils auf das Nachlassen der australischen Wirtschaft zurück, aber auch auf Webbers Rücktritt, denn vor dem Saisonstart konnte noch niemand wissen, wie gut sich Ricciardo als sein Nachfolger etablieren wird können.

"Wir haben in der MotoGP den Stoner-, den Doohan- und den Gardner-Effekt gesehen", zieht der "Aussie" einen Vergleich zum Motorradsport. "Wahrscheinlich war das jetzt teilweise der Mark-Webber-Effekt, weil er einfach ein verdammt guter Fahrer war. Die Leute mochten ihn, obwohl er in Australien nie auf dem Podest stand. Er hat sich aber in den Weltmeisterschaften immer wirklich gut geschlagen. Und Australien liebt seine Sporthelden."

Wer folgt Mr. Melbourne-Grand-Prix nach?

Auch ein weiterer Aspekt macht den Veranstaltern zu schaffen: AGPC-Vorsitzender Walker, der den Grand Prix ursprünglich nach Melbourne holte und dem Rennen mit seinen hervorragenden Kontakten zu Ecclestone den Weg ebnete, wird kommendes Jahr seine Funktion niederlegen. Der 74-Jährige hatte in den vergangenen Jahren mit einer Krebserkrankung zu kämpfen.

Westacott befürchtet aber nicht, dass sich der Rücktritt des "Mr. Grand Prix" in Melbourne auf die Zukunft auswirken wird: "Es gibt einen sehr stabilen Vorstand, wo wir auf die Motorsporterfahrung von Mick Doohan und auf die einiger Wirtschaftsprofis zurückgreifen können", argumentiert er. Mit John Harnden, der derzeit als stellvertretender Vorsitzender fungiert, steht ein Nachfolger bereit.

Bei ihm handelt es sich um einen Mann mit reichlich Erfahrung: Er war früher Geschäftsführer der Commonwealth Games in Melbourne und bekleidete auch im Kricketbereich zahlreiche Führungspositionen. Zudem arbeitete er für die Firma, die für den Bau der ehemaligen Formel-1-Strecke in Adelaide verantwortliche zeichnete. "John und ich arbeiten seit acht Jahren zusammen, wir haben hier also eine gute Übergangslösung", ist Westacott überzeugt.

Regierung hinterfragt Formel-1-Ausgaben

Alles wird also davon abhängen, ob die Landesregierung von Victoria weiter den Geldhahn aufdreht. "Sie gibt jedes Jahr zwischen 50 und 60 Millionen Dollar für die Veranstaltung aus", weiß Westacott. Das sei aber zu viel, denn es gäbe auch andere Großveranstaltungen, die der Formel 1 das Geld streitig machen könnten. "Die Regierung hinterfragt, was sie für ihr Geld bekommt. Veranstaltungen sind gut für die Wirtschaft von Melbourne und Victoria, aber sie muss darauf achten, dass sie das Geld klug ausgibt."

Tatsächlich gilt Melbourne als Mekka der Großveranstaltungen: Unter anderem mit dem legendären Grand-Slam-Tennisturnier Australian Open hat sich die Metropole diesbezüglich längst einen Namen gemacht. "Die Regierung von Victoria hat eine Strategie für Tourismus und Großveranstaltungen", weiß Westacott.

"Das Ziel ist - ganz egal ob es sich um kleine Veranstaltungen wie das Food & Vine Festival, das Fashionfestival, das Comedyfestival oder ein Spiel des FC Liverpool handelt -, dass die Hotelzimmer und Restaurants gebucht werden. Es gibt 70.000 Hotelbetten in Melbourne. Außerdem wird alles im TV übertragen, was wiederum der Wirtschaft zu Gute kommt."

Melbourne: Saisonstart als Grundbedingung

2011 hat der Promoter eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die ergab, dass 12.000 bis 14.000 Besucher im Rahmen des Formel-1-Rennens von außerhalb Australiens das Rennen besuchen - diese sind besonders wichtig, weil sie länger im Land bleiben und zudem auf Hotelbetten angewiesen sind, während australische Zuschauer entweder zuhause oder oft bei Verwandten nächtigen und dadurch die Wirtschaft nicht in diesem Ausmaß ankurbeln.

In Hinblick auf eine Vertragsverlängerung für den Grand Prix von Australien gibt es jedenfalls zwei Grundbedingungen: Das Rennen will weiterhin unbedingt den Saisonauftakt stellen und sollte im Albert Park stattfinden. "Der Saisonstart ist für das Prestige extrem wichtig, denn so wird die weltweite Wahrnehmung extrem gesteigert", erklärt Westacott. "Wir wollen Melbourne und die Formel 1 ins Schaufenster rücken. das ist also wirklich wichtig."

Eine permanente Rennstrecke kommt dafür nicht infrage. "Aus der Sicht von Victoria hat es uns 26 Millionen Dollar gekostet, diese Strecke zu bauen. Die Kosten würden sich verdoppeln, wenn wir nun woanders eine permanente Strecke bauen würden", erklärt der Geschäftsführer der Promoterfirma die Ursache. "Die Veranstaltung würde also nicht in Victoria stattfinden, wenn sie nicht im Albert Park stattfinden würde."

Zudem rücke der Kurs mit dem See im Zentrum laut Westacott Melbourne ins rechte Licht: "Es handelt sich um eine sehr herzeigbare Strecke, die nicht ohne Grund direkt in der Stadt liegt. Das ist der Grund. Entweder Albert Park oder gar nichts."

Fotoquelle: Red Bull

Weitere Formel 1 Themen

News

Rosberg-Rücktritt & Co.: Der Freitag in der Chronologie

News

Formel-1-Titel, die nicht verteidigt wurden

News

Formel-1-Live-Ticker: Droht Hamilton eine Suspendierung?

News

Wonneproppen bis Weltmeister: Nico Rosberg

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.