1984 war Ayrton Senna selbst bei seinen Kollegen noch weitestgehend unbekannt

Formel 1 2014

— 17.05.2014

Der Tag, an dem ich den Namen Senna hörte...

Auch wenn es nur ein Showrennen war, hatte die Eröffnung des Nürburgrings 1984 ein Starterfeld, das zu den besten aller Zeiten zählt - Und Ayrton Senna gewann



In dieser Woche vor 30 Jahren deutete Ayrton Senna an, dass er der kommende Star war. Gleichzeitig war er der Beginn seiner komplexen Beziehung zu Alain Prost, mit dem sein Name in der nächsten Dekade untrennbar verbunden sein würde. Es passierte nicht bei einem Grand Prix, sondern bei einem Rennen in Mercedes-Tourenwagen, einem einmaligen Event, dessen Teilnehmerfeld zu den vielleicht namhaftesten aller Zeiten gehört.

Neun ehemalige Weltmeister gehörten dazu, außerdem Senna und Prost, zwei Männer, die den Titel in Zukunft noch gewinnen sollten. Der Anlass war die Eröffnung des neueren, kürzeren Nürburgrings im Mai 1984. Die Formel 1 sollte im Oktober dorthin zurückkehren und die Organisatoren brannten darauf, etwas auf die Beine zu stellen, das ihre wiederbelebte Strecke zur Schau stellen würde.

In dieser Woche stellte Mercedes den Medien seinen neuen 190 E 2.3-16v vor und das Unternehmen erklärte sich bereit, 20 Autos für etwas bereitzustellen, was das großartigste Showrennen aller Zeiten werden sollte. Frisch vom Fließband wurden sie von Gerhard Lepler, Ingenieur für besondere Projekte, vorbereitet. Ein Rennsitz und und ein Überrollkäfig wurden eingebaut und die Aufhängung angepasst, aber das war es auch schon.

Viele Weltmeister am Start

Für ein Unternehmen, das den Motorsport jahrzehntelang gemieden hatte, und das ein Image hatte, das es lange abzuschütteln versuchte, war das eine ganz schöne Verpflichtung. Mit der Abteilung "Stuttgart Technik" hatte man gerade eine Sparte geschaffen, die das Sortiment etwas spannender machen sollte. Das neue Auto hatte einen Cosworth-Motor und eine aggressive Karosserie, aber es sagte eine Menge aus, dass die Wagen für das Rennen überwiegend schwarz, grau oder silbern waren.

Dank eines lange laufenden Konzepts, das es den großen Namen erlaubte, stark rabattierte Straßenwagen zu kaufen, verfügte Mercedes über gute Kontakte zu ehemaligen und aktuellen Formel-1-Fahrern. Der Mann, der die Bestellungen der Fahrer aufnahm, war Gerd Kramer. Er half dabei, das herausragende Startfeld zusammenzustellen.

Angeführt wurde es von den Weltmeistern Jack Brabham (1959, '60 und '66), Phil Hill (1961), John Surtees (1964), Denny Hulme (1967), Niki Lauda (damals 1975 und '77), James Hunt (1976), Jody Scheckter (1979), Alan Jones (1980) und Keke Rosberg (1982). Mercedes-Botschafter Juan Manuel Fangio war ebenfalls anwesend, fühlte sich allerdings nicht fit genug, um teilzunehmen.

Die einzigen lebenden Champions, die nicht dabei waren, waren Nelson Piquet, der bei BMW unter Vertrag stand, Jackie Stewart, der eine enge Beziehung zu Ford hatte, und immer sein Versprechen hielt, an solchen Veranstaltungen nicht teilzunehmen, und Mario Andretti und Emerson Fittipaldi, die beide mit der Qualifikation für das Indianapolis 500 beschäftigt waren.

Überraschungsteilnehmer Senna

Dafür waren weitere Formel-1-Größen dabei. Neben Stirling Moss und Hans Herrmann, ehemalige Silberpfeil-Teamkollegen, kamen auch Carlos Reutemann und John Watson hinzu. Letztgenannter hatte McLaren gerade verlassen. Die Sportwagenrennen wurden von drei ehemaligen Gewinnern des 1000-Kilometer-Rennens am Nürburgring repräsentiert: Udo Schutz, Klaus Ludwig und Manfred Schurti.

Neben Lauda und Rosberg kamen vier weitere Fahrer aus dem aktuellen Fahrerfeld der Formel 1, um sich vor dem Besuch im Oktober schon einmal einen Eindruck von der Strecke zu verschaffen. Verpflichtungen gegenüber rivalisierenden Herstellern schlossen einige etablierte Namen aus, aber die Grand-Prix-Sieger Alain Prost, Jacques Laffite und Elio de Angelis waren eine offensichtliche Wahl.

Und dann gab es Senna. Er war der jüngste Fahrer im Feld und hatte in der Formel 1 erst vier Rennen für Toleman bestritten. Er hatte zwar bereits zwei sechste Plätze geholt, war aber trotzdem noch nicht sonderlich bekannt. Viele andere Fahrer hatten weit bessere Referenzen. Man stelle sich vor, dass Daniil Kwjat heutzutage bei einer Veranstaltung mit den Stars der Vergangenheit fahren würde. Aber Kramer hatte ihn getroffen, mochte ihn und brachte ihn auf die Startliste.

Domingos Piedade, der für Mercedes arbeitete und auch ein Teil von Sennas Management war, half dabei, es möglich zu machen. Er sagt, dass der Brasilianer mit einem klaren Ziel in das Wochenende ging: "Ayrton dachte, wenn er sich wirklich zusammenreißen würde, dann würde er es auf die Titelseite schaffen. Er glaubte, dass er etwas Aufmerksamkeit bekommen würde, wenn er sie alle schlagen könnte. Ich denke, dass er der einzige Kerl war, der es ernst genommen hat."

Senna wollte etwas beweisen

"Er war der einzige, der darin die Chance seines Lebens sah, was auch stimmte. Wenn er sie schlagen würde, dann wüssten die Leute, dass er Alain Prost und Niki Lauda geschlagen hat. Er hätte Weltmeister geschlagen." Auch wenn er bereits in Fahrer-Briefings in der Formel 1 teilgenommen hatte, war Senna auch den anderen aktuellen Piloten noch unbekannt.

"Es war das erste Mal, dass ich Ayrton traf", erinnert sich Prost: "Ich holte ihn vom Flughafen ab, denn wir kamen nur 15 Minuten nacheinander an und Mercedes fragte mich, ob ich ihn mitnehmen könne. Wir verbrachten einen halben Tag zusammen. Er kannte niemanden, was wirklich seltsam war." Als alle Fahrer zusammenkamen, hatte man viel Spaß, besonders bei einem entspannten Essen am Abend vor dem Rennen.

"Es war ein schönes Wochenende, wie es nur ein Hersteller organisieren konnte", sagt Watson: "Die Bewirtung, die sie für uns bereitgestellt hatten, war überragend. Es war eine Gegenleistung, so wie die großzügigen Rabatte auf die Straßenwagen. Es war ein Weg, ihre Großzügigkeit zurückzuzahlen."

"Es war ein tolles Zusammensein", erinnert sich Surtees: "Vor allem, weil es ein eher ungewöhnliches Event in diesen Zeiten war. Viele von uns waren seit einer ganzen Weile nicht mehr an einer Rennstrecke gewesen. Ich denke, dass wir die Natur der Sache ziemlich unterschätzt hatten."

Spaß oder Ernst?

"Es war eine Veranstaltung, wie ich sie wirklich liebte, denn es war fantastisch all diese Jungs zu treffen", sagt Prost: "Wir hatten Spaß, aber trotzdem, und obwohl wir uns alle zusammen trafen, war der Kampfgeist dort unglaublich. Jeder, selbst die älteren Jungs, meinten es wirklich ernst." Während keiner der Veteranen alt aussehen wollte, nahmen es einige noch einmal ernster als andere, und Senna war nicht glücklich, dass Prost ihm die Pole wegschnappte.

"Ich habe es so gehandhabt, wie ich es für richtig hielt", sagt Watson: "Es war eine lustige Sache und es war ein Mix aus unterschiedlich alten Fahrern verschiedener Generationen. Alte Freunde, alte Gegner, einige waren beides. Ich wollte mich gut schlagen, aber ich versuchte nicht, etwas zu beweisen. Ich würde sagen, dass es für Prost und besonders Senna eher ein Event war, bei dem sie sich gut anstellen wollten. Die meisten anderen Fahrer nahmen es nicht so ernst."

Für keinen der Fahrer war es einfach, sich auf der Rennstrecke an das neue ABS anzupassen. Als es dann zu Beginn des Zwölf-Runden-Rennens auch noch regnete, wurden die Dinge noch kniffliger. Polesetter Prost wurde in der ersten Runde hart getroffen, vermutlich von de Angelis, der einen Boxenstopp für Reparaturarbeiten einlegen musste. Senna war ebenfalls in der Nähe, konnte allerdings Profit daraus schlagen und die Führung übernehmen.

Nachdem er einmal vorne lag, legte er eine wahre Demonstration hin und seine Rivalen rutschten in seinem Windschatten hin und her. "Ayrton erledigte einen sehr professionellen Job", sagt Surtees: "Aber es half ihm, dass ein oder zwei der anderen ihn dumme Situationen gerieten und von der Strecke abkamen. Das brachte alles durcheinander, während Ayrton auf und davon fuhr."

Senna gewinnt

"Die Fahrer blieben nicht auf der Strecke. Sie jagten einfach über die Randsteine, nahmen Abkürzungen und kamen nach der Hälfte der Geraden wieder auf die Strecke zurück, besonders direkt nach dem Start. James Hunt war der Rädelsführer der Rasenmäher. Ich denke, dass sie ein paar Autos verbogen wieder zurückbekamen."

"Ich versuchte, Niki innen in Kurve eins zu überholen und wurde vom ABS erwischt", erinnert sich Watson: "Ich wollte ihn schlagen, was auch immer passierte, und McLaren zeigen, dass sie mich hätten behalten sollen. Ich denke, am Ende war es ein typisches Showrennen. Die Autos wurden etwas beschädigt."

"Ich fuhr die schnellste Runde", berichtet Scheckter: "Ich fuhr einfach gerade über die Esses oder so etwas. In Führung lag ein Kerl mit dem Namen Senna, von dem ich noch nie etwas gehört hatte. Ich wusste nicht einmal, wer er war." Die Rekordbücher besagen, dass Senna 1,38 Sekunden vor Lauda ins Ziel kam, Reutemann, Rosberg, Watson, Hulme, Scheckter, Brabham, Ludwig und Hunt komplettierten die ersten Zehn.

Senna hatte genau das geschafft, was er sich vorgenommen hatte. Er hatte einen bleibenden Eindruck hinterlassen und das nicht nur in der Öffentlichkeit. "Es war das erste Mal, dass ich von Senna hörte", erinnert sich Moss: "Es beeindruckte mich, dass ein Kerl, von dem ich noch nie etwas gehört hatte, tatsächlich das Rennen gewann. Ich denke, dass es bis zu diesem Zeitpunkt das vielleicht wichtigste Rennen seiner Karriere war, denn es war so ein prominentes Teilnehmerfeld."

Viel Lob für Senna

"Ayrton ging nur mit der Absicht dorthin, ein Statement zu setzen", ergänzt Watson: "Ich wollte gewinnen, wenn ich die Chance hatte. Niki wollte das auch. Aber wir nahmen es als das, was es war, es war eine Werbeveranstaltung. Ayrton wollte dieses Rennen gewinnen, er musste jeden Formel-1-Fahrer schlagen."

"Ich sah ihn auf dem Kurs in der Schikane vor der Zielkurve. Er raste tollkühn darüber und ich fuhr einfach durch, denn so war ich aufgewachsen. Er kam aus einer anderen Generation und nahm die Randsteine mit und sprang darüber." Surtees war so beeindruckt, dass er seinem ehemaligen Boss Enzo Ferrari schrieb und vorschlug, dass man Senna beobachten solle.

"Die hervorstechende Sache war natürlich, wie Senna fuhr", sagt er: "Es gab viele Fahrer, die sich selbst zur Schau stellten, indem sie geradeaus über das Gras fuhren. Und dann war da Senna, der seine Runden drehte, auf der Strecke blieb und davonzog. Nach der Veranstaltung sagte ich dem alten Mann: 'Wenn du einen Fahrer willst, dann solltest du dir den holen.'"

Beginn einer großen Karriere

Währenddessen ging die Party nach dem Rennen weiter. Zumindest für die, die in der Stimmung waren. "Ich erinnere mich vor allem an das Lufthansa-Zelt danach mit James", sagt Alan Jones: "Das war der amüsanteste Teil." Scheckter ergänzt: "Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich zu meiner Freundin zurück musste. Aber das Rennen verzögerte sich immer weiter. Ich machte ihnen wirklich Ärger und sagte: 'Ihr musst mir eine Privatmaschine besorgen!' Das taten sie dann tatsächlich auch."

Die meisten Autos wurden nach dem Rennen verkauft, einige davon an die teilnehmenden Fahrer. Watson erinnert sich, dass sein Wagen an Manfred Winkelhock ging, dessen Familie ihn noch immer besitzt. Vor dem Rennen hatte Mercedes entschieden, das Siegerauto für sein Museum zu behalten. Zunächst herrschte große Enttäuschung darüber, dass es einen Namen trug, den niemand kannte. Das sollte sich bald ändern.

Nur wenige Wochen später holte Senna nach einer spektakulären Fahrt den zweiten Platz in Monaco. Mit der Zeit verdiente sich das gewöhnlich aussehende Auto mit der Nummer elf seinen Platz neben den Legenden wie dem W154, dem W196 und dem 300SLR. "Es ist eine schöne Erinnerung", sagt Prost: "Ich denke, dass wir das wieder einmal machen sollten. Die Autos waren sehr gut, aber darum geht es nicht. Wir hätten Tourenwagen, Formel-1-Autos oder Go-Karts nehmen können. Es war ein Wettbewerb."

Fotoquelle: xpbimages.com

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