Colin Kolles hat bereits mit Sebastian Vettel und mit Daniel Ricciardo gearbeitet

Formel 1 2014

— 22.05.2014

Kolles: Ricciardo ist Vettel mindestens ebenbürtig

Ex-Teamchef Colin Kolles überraschen die starken Leistungen von Daniel Ricciardo nicht - Der 46-Jährige glaubt, dass er Sebastian Vettel vor eine Herausforderung stellt



Colin Kolles kennt die beiden aktuellen Red-Bull-Piloten Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo ganz genau. Der viermalige Weltmeister fuhr einst im Formel-3-Team des heute 46-Jährigen, Ricciardo hatte er 2010 als HRT-Teamchef unter seinen Fittichen. Daher traut sich Kolles einen Vergleich der beiden zu und stellt fest: Der Australier muss sich vor Vettel keinesfalls verstecken.

"Ich kenne Sebastian schon aus der Formel 3, so wie Adrian Sutil und auch Daniel", berichtet er gegenüber 'Die Welt' und erklärt: "Sebastian und Adrian haben mit meinem Formel-3-Team ihre ersten Erfahrungen in dieser Kategorie gesammelt. Daniel und Sebastian sind, was das Talent und ihre Einstellung betrifft, absolute Spitzenfahrer. Sebastian ist trotz seines noch jungen Alters extrem erfahren, Daniel hingegen extrem unbekümmert und ebenso extrem talentiert."

"Er bringt eine unglaubliche Leichtigkeit mit. Sebastian steht als viermaliger Champion viel mehr unter Druck, seine bisherigen Triumphe verpflichten ihn zu siegen - viel mehr als Daniel. Der muss zwar auch seine Leistung bringen, doch er ist bei aller Disziplin und Ernsthaftigkeit und seinem Ehrgeiz ein vollkommen entspannter, lockerer Typ. Das ist in ein enormer Vorteil gegenüber Sebastian."

Vettel steht unter Druck

Momentan liegt Ricciardo in der Weltmeisterschaft nur sechs Punkte hinter Vettel. Ohne seine Disqualifizierung in Melbourne läge er sogar vor dem amtierenden Champion. "Bei allem Respekt vor dem viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel überrascht mich das nicht", sagt Kolles und erklärt: "Beide sind sehr talentiert, fahren genauso diszipliniert und aggressiv. Beide gehören zu einer neuen Generation von Rennfahrern, der Generation nach Michael Schumacher, Kimi Räikkönen, Fernando Alonso, Felipe Massa."

"Daniel jedoch geht aufgrund seines entspannten Charakters unbeschwerter mit dem diesjährigen Auto und dem neuen Reglement um. Er kann das auch alles lockerer als Sebastian sehen, weil er nicht dessen Vorgeschichte hat, die ganz andere Ansprüche und Selbstverständlichkeiten an ihn stellt. Sebastian fährt unter dem Diktat des viermaligen Weltmeisters, was auf jeden Fall belastender ist."

Zuletzt hatte Red-Bull-Berater Helmut Marko Vettel deswegen sogar fehlende Motivation unterstellt. "Helmut ist immer sehr offen und sehr ehrlich. Mit Sicherheit hatte ich am Anfang, als alles neu war, meine Schwierigkeiten, mich mit dem jetzigen Format anzufreunden", gibt Vettel zu, ergänzt jedoch: "Ich würde aber nicht sagen, dass meine Motivation darunter gelitten hat."

Kolles freut sich auf das Duell

"Ich hatte keine Lust, Zweiter zu werden. Daher glaube ich, dass die Motivation die gleiche war." Eine besonderer Beziehung gibt es auch zwischen Kolles und Marko. Der ehemalige Teamchef berichtet: "Ich war bei HRT 2010 sein (Ricciardos; Anm. d. Red.) Teamchef und zwar in Absprache und auf Wunsch von Helmut Marko. Der Red-Bull-Motorsportberater wollte Riccardos Talent einer Art Nagelprobe unterziehen, und wir haben ihn deshalb dieser Nagelprobe in der Formel 1 unterzogen."

"Er kam zu uns ins Team, also in ein Team, das ihn nur mit einem halbwegs konkurrenzfähigen Auto ausrüsten konnte. Das hieß, er stand von Anfang an unter dem Druck, mit dieser undankbaren Konstellation zu scheitern oder das Beste aus der Situation zu machen. Eine schwierige Situation für einen jungen Fahrer, der sich endgültig in den Augen seines großen Geldgebers Red Bull etablieren musste. Für ihn ging es um alles oder nichts."

Damals habe Ricciardo keinen einzigen Fehler gemacht, was ihm schließlich auch den Platz bei Red Bull eingebracht habe. Kolles sah im Australier laut eigener Aussage damals schon einen kommenden Weltmeister. Wie wird das Duell zwischen Vettel und Ricciardo also ausgehen? "Das weiß keiner", sagt Kolles und ergänzt: "Ich kann nur sagen, dass es für Sebastian nicht einfach werden wird und dass Daniel seinen Spaß haben wird, genauso wie die Zuschauer. Für die Formel 1 ist der Mann ein Geschenk. Auf jeden Fall wird es spannend, weil der Ausgang des Duells völlig offen ist."

Fotoquelle: xpb.cc

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