Erfolgshungrig und Champagnerdurstig: Lewis Hamilton sieht sich im Vorteil

Formel 1 2014

— 26.05.2014

Hungriger als Rosberg: Ausgerechnet Keke soll "schuld" sein

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton steht zu seiner Aussage, seine im Vergleich zu Nico Rosberg weniger glamouröse Kindheit mache ihn hungriger als seinen Teamkollegen



Jetzt wird's persönlich im Mercedes-Teamduell. Denn neben dem Zweikampf auf der Strecke stichelt Lewis Hamilton gegen Nico Rosberg weiter im Wettstreit "Wer ist hungriger auf den Titel?" und bringt dabei dessen Vater Keke ins Spiel. Hat sich Familie Rosberg etwa selbst einen Gegner erschaffen?

Am Rande des Rennwochenendes zum Grand Prix von Monaco, dem Ort, an dem Nico als Sohn des Formel-1-Weltmeisters Keke Rosberg aufgewachsen ist, konnten sich die beiden Kontrahenten vor dem Ansturm der Medien kaum retten. Die meisten Fragen drehten sich dabei um das Verhältnis zwischen den Teamkollegen und der Suche nach dem Quäntchen, das ihnen einen Vorteil in dem spannenden WM-Kampf verschaffen könnte. Hamilton ließ sich daher zu der Aussage hinreißen, durch seine Abstammung aus bescheidenen Verhältnissen den größeren Hunger auf den Titel zu haben.

"Ich habe nicht gehört, was Lewis gesagt hat, also werde ich es auch nicht kommentieren. Es könnte schließlich auch erfunden sein", sagt Rosberg, in der FIA-Pressekonferenz am Sonntag darauf angesprochen. "Selbst wenn so etwas geschrieben stand - was ich nicht weiß, weil ich die Medien nicht verfolge -, gibt es noch immer einen Unterschieden zwischen dem, was Lewis gesagt hat, und dem, wie es dargestellt wird. Ich weiß, dass Lewis so etwas nicht sagen würde, schon gar nicht zur Presse. Vielleicht würde er zu mir kommen, wenn er so denkt", meint er gutgläubig.

Der Wunsch nach Glamour

Doch der Brite steht zu seiner Aussage: "Ja, ich habe es gesagt, aber es wurde ein bisschen aus dem Zusammenhang gerissen. Ich wurde gefragt, ob ich hungriger bin, und ich denke, man könnte jeden Fahrer fragen und sie würden alle antworten, dass sie die Hungrigsten sind."

Hamilton gibt aber auch zu, dass er seine Begründung noch spezifiziert hatte und auf die unterschiedlichen Kindheiten eingegangen war: "Ich habe nur gesagt, dass mein Hunger von den Umständen kommt, aus denen ich im Vergleich zu Nico stamme. Jeder weiß, dass es immer mein Ziel war, einmal hierher zu kommen und hier zu leben."

Dass dieser Wunsch beim jungen Hamilton überhaupt entstehen konnte, muss Rosberg wohl ausgerechnet seinem reichen und berühmten Vater Keke zuschreiben: "Ich bin damals mit Nico im Flugzeug seines Vaters mitgeflogen", erzählt der Weltmeister von 2008. "Wir waren auf seinem Boot, in seinem Haus - diese Erfahrung haben in mir das Verlangen geweckt, das auch einmal besitzen zu wollen, und daher kam der Hunger. Sein Vater inspirierte mich quasi zu dem, was ich jetzt bin."

Doch wie Senna und Prost?

Ob ehrliches Geständnis, Abschwächungsversuch oder der nächste Psychotrick im Teamduell, Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hat für beide Seiten Verständnis: "Kann sein, dass es gewisse Psychospielchen gibt. Wenn man sich alles selbst erarbeiten musste, dann muss man stark sein. Wenn man aber als Sohn eines Weltmeisters in Monaco aufwächst, dann braucht man auch Stärke, denn es begegnen einem sicherlich viele Vorbehalte."

Als freundschaftlich kann man das Verhältnis der beiden momentan jedenfalls nicht mehr bezeichnen. Das wirkt sich mittlerweile sogar auf die Teamarbeit aus, wie Hamilton berichtet: "Ich war auf der Toilette, als Nico sein Debriefing nach dem Qualifying hatte. Normalerweise machen wir das zusammen. Zum Glück haben die Ingenieure mitgeschrieben, was er gesagt hat, und ich konnte es nachlesen."

Kein Wunder also, dass sich die Vergleiche zum Jahrhundert-Teamduell zwischen Alain Prost und Ayrton Senna häufen. Auch die beiden Legenden hatten sich während ihrer Zeit Ende der 1980er-Jahre bei McLaren nicht viel zu sagen und teilten Informationen nur ungern. "Es ist ja eigentlich ein Kompliment, wenn man mit diesen zwei Fahrern verglichen wird", sagt Rosberg, "zumindest wenn man die positiven Seiten davon nimmt. Das war ein fantastischer Kampf von zwei großartigen Fahrern. Aber ich gehe meinen eigenen Weg. Ich kümmere mich nicht so viel um solche Vergleiche."

Rosberg ist kein Alonso

"Ich will die Situation nicht beschönigen", so Rosberg weiter. "Es ist halt so, dass die Medien gern mehr Zunder darin hätten. Ich möchte halt dafür sorgen, dass dort nicht künstlich etwas aufgebauscht wird, was in der Realität nicht vorhanden ist. Ich kenne Lewis gut, aber kann natürlich nicht vorhersagen, was er tun wird. Einige Dinge, die er tut, erinnern mich aber ganz stark an das, was wir in der Jugend alles schon mal hatten."

Auch den Vergleich mit der Situation zwischen Hamilton und Fernando Alonso 2007 bei McLaren lehnt Rosberg ab. Hamilton hatte sich damals in seiner Debütsaison geweigert, sich dem damaligen Titelträger unterzuordnen, und ihn solange geärgert, bis Alonso das Team schon nach einem Jahr wieder verließ. "Es gibt keinen Grund, jetzt bei uns über so etwas nachzudenken. Das ist einfach nicht relevant. Ich weiß nicht, wie 2007 die Situation dort war", sagt Rosberg.

Fotoquelle: xpbimages.com

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