Endlich Land in Sicht? Sportdirektor Graeme Lowdon und Teamchef John Booth

Formel 1 2014

— 28.05.2014

Marussia: Geldregen nach Monaco-Jackpot?

Jules Bianchis Sensationsfahrt könnte zum Rettungsanker für Marussia werden: Wie viel Geld der Erfolg wert sein könnte und wie man nun Platz neun verteidigen will



Es war die größte Sensation des Monaco-Wochenendes: Jules Bianchi mischte im Kampf um die Punkteränge kräftig mit und kam trotz einer Fünf-Sekunden-Strafe auf den tollen neunten Platz. Zum ersten Mal hatte das Marussia-Team - der kleinste Rennstall im Feld - WM-Punkte geholt. Und das nach viereinhalb Jahren in der Formel 1.

Ein Erfolg, den das russische Team mit Sitz in Großbritannien bitter nötig hat, denn wenn es gelingt, in der Konstrukteurs-WM vor Caterham zu bleiben, dann kommt man in den Genuss von Bernie Ecclestones TV-Geldern. Derzeit liegt man sogar auf Platz neun, denn auch der Sauber-Rennstall hat noch keine WM-Zähler auf dem Konto.

"Das macht einen großen Unterschied", freut sich Marussia-Sportchef Graeme Lowdon gegenüber Sky Sports Online'. "Ich kann keine Details nennen, denn die Preisgeld-Struktur zwischen den Teams und dem Inhaber der kommerziellen Rechte ist streng vertraulich, aber es gibt große Abstufungen. Das kann ein Vorteil oder eine Gefahr sein."

Wie viel Geld Marussia nun blüht

Dieses Jahr könnte das Pendel zugunsten von Marussia ausschlagen. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass man im Vorjahr in der Konstrukteurs-WM als Zehnter vor Caterham landete. Der Schlüssel zur Einnahmenverteilung in der Formel 1 ist ein Zwei-Säulen-Modell. Durch Platz zehn 2013 wurden aus der zweiten Säule zwölf Millionen Dollar (umgerechnet 8,8 Millionen Euro) ausgeschüttet. In den Genuss der Gelder aus der ersten Säule kommt man hingegen erst, wenn man in drei Jahren zwei Mal ein Top-10-Ergebnis vorzuweisen hat - das könnte Marussia dieses Jahr gelingen.

Für Platz zehn würden die Armenhäusler aus der ersten Säule zusätzliche 30 Millionen Dollar (22 Millionen Euro) kriegen, für Platz neun sogar 40 Millionen Euro (29 Millionen Euro). Eine Finanzspritze, die das Team bitter nötig hätte: Laut den Bilanzunterlagen der britischen Handelskammer aus dem Vorjahr hat Marussia bei einem Jahresbudget von rund 60 Millionen Euro 72,8 Millionen Euro Verlust gemacht. Seit dem Formel-1-Einstieg kam man auf ein Minus von 172,8 Millionen Euro.

Noch wiegt man sich aber nicht in Sicherheit: Zu frisch sind die Erinnerungen an das Saisonfinale 2012, als man den zehnten Platz in der Konstrukteurs-WM bereits in der Tasche zu haben schien, dann aber Caterham den Spieß beim Saisonfinale in Interlagos im letzten Moment noch umdrehte.

Interlagos-Trauma 2012 im Hinterkopf

"Wir wissen, dass sich alles in der letzten Runde ändern kann", erinnert sich Lowdon gegenüber 'Autosport'. "Das einzige, was zählt, ist die Platzierung, wenn die Zielflagge geschwenkt wird. Wir fangen daher jetzt nicht an zu rechnen, sondern pushen weiter, aber ein Ergebnis wie in Monaco hilft uns natürlich bei unserem Ziel, ein Top-10-Ergebnis zu erreichen."

Selbst eine Verteidigung des aktuellen neunten Platzes schließt der Brite nicht aus: "Wenn wir ein paar Ressourcen freisetzen können - und wir haben ein paar sehr gute Ideen, wie wir dieses Auto schneller machen können -, dann wäre es großartig, wenn wir uns gegen Sauber wehren könnten. Bei ihnen handelt es sich um ein fantastisches Team, und ich habe großen Respekt für sie."

Laut 'auto motor und sport' hat Marussia sogar ein fertiges Update für den MR03 in der Tasche, konnte die Teile aber aus Geldknappheit nicht herstellen. Jetzt will man ein Cockpit an den Freitagen der Rennwochenenden für eine siebenstellige Mitgift an einen Testpiloten vermieten, um die nötigen Gelder für die Produktion der Teile zu lukrieren. Das Update soll laut den Technikern eine halbe Sekunde bringen.

Marussia rechnet nicht mit Kanada-Wunder

Kann sich Marussia nun auf diesem Niveau halten und auch weiterhin um die Punkteränge kämpfen? In Kanada wäre dies eine große Überraschung. "Wir haben nicht die Ressourcen, um ein Auto für Kanada zu bauen", erklärt Lowdon. Er spielt damit darauf an, dass der Circuit Gilles Villeneuve mit seinen langen Geraden und den engen Schikanen besondere Anforderungen stellt, auf der Großteil der Teams mit eigenen Montreal-Aerodynamikpaketen reagieren.

Für den Rest der Saison ist der Sportdirektor aber zuversichtlich: "Es kommen noch Kurse während der Saison, wo wir hoffentlich auf unserem aktuellen Tempo aufbauen können. Es wäre großartig, wenn wir wirklich ins Mittelfeld eindringen und gegen die anderen kämpfen könnten.

Fotoquelle: xpbimages.com

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