Flavio Briatore wünscht sich einen starken Mann an der Spitze der Formel 1

Formel 1 2014

— 02.06.2014

Briatore: "Die Formel 1 braucht einen Diktator"

Flavio Briatore wünscht sich einen Diktator und strenge Regeln für die Formel 1, nur so könnten die horrenden Kosten in der Königsklasse gedrückt werden



Die Formel 1 ist ein Milliardengeschäft - und das nicht erst seit heute. Wie eine Spirale haben sich die Kosten bei den Formel-1-Teams in den vergangenen Jahren immer mehr hochgeschraubt. Spätestens mit dem verbreiteten Einstieg der großen Hersteller hatte sich das Märchen von den kleinen Bastelbuden in der Königsklasse endgültig erledigt. Heutzutage operiert selbst ein Hinterbänkler wie Marussia mit einem Budget von rund 65 Millionen Euro pro Jahr - die Budgets der Topteams liegen deutlich höher.

Angesichts dieser Zahlen muss sich Ex-Teamchef Flavio Briatore an den Kopf fassen. Der Italiener kennt das Geschäft Formel 1 aus langjähriger Erfahrung, doch für die heutigen Summen hat er überhaupt kein Verständnis: "Die GP2 funktioniert mit einem Budget von 3,5 Millionen Euro für zwei Autos. Die Formel 1 braucht 250 bis 300 Millionen dafür. Wozu?", fragt sich Briatore bei 'auto motor und sport'. Er ist der Meinung: "Wenn Sie heute die GP2-Autos so wie die Formel 1-Fahrzeuge lackieren, haben sie schönere Autos und eine Super-Show für viel weniger Geld."

In der GP2-Serie können sich die jungen Piloten noch austoben. Spritsparen, Fake-Überholmanöver, Energierückgewinnung? Fehlanzeige! Mit all dem müssen sich aktuell nur die Piloten in der Formel 1 befassen. Die Fans ächzen schon über den Sport und schütteln den Kopf über die Situation, wenn beispielsweise Fahrer das gesamte Rennen über nicht am Limit fahren. Entwickelt sich die Formel 1 am Fan vorbei?

Zu dem Schluss kommt Briatore mittlerweile, doch das sei nicht nur eine vorrübergehende Phase: "Von außen betrachtet ist dieser Sport völlig abgehoben", winkt der Italiener ab und hat noch andere Beispiele dafür parat: "Die Fahrer dürfen nicht mehr mit der Presse reden. Die Teams kapieren nicht, dass die Presse ihr Partner ist. Der ganze Sport kapselt sich ab und reduziert sich ausschließlich auf die Technik", sagt er.

Gegen die Technik an sich habe Briatore zwar nichts einzuwenden, doch der ehemalige Teamchef sieht darin einen Grund für das Ungleichgewicht in der Königsklasse. Denn dadurch dreht sich die Kostenspirale erneut immer weiter in die Höhe. Große Teams geben viel Geld für die Entwicklung aus, nur um die anderen Teams zu schlagen, die dann noch mehr Geld in die Hand nehmen, um das Blatt wieder zu wenden.

Leidtragende sind die kleinen Teams, die mit ihren geringen Budgets nicht mithalten können und häufig durch die hohen Kosten in ihrer Existenz bedroht sind, wie die Beispiele von Marussia oder Sauber zeigen. Damit es nicht zu einem großen Teamsterben kommt, hat Briatore eine Idee: "Die Regeln müssen die großen Teams zwingen, sie (die Technik; Anm. d. Red.) zu vernünftigen Kosten an die kleinen Teams abzugeben", fordert er.

"Wenn einer 100 Millionen Euro für ein Auto ausgeben will, fein. Aber dem anderen muss es erlaubt werden, diese Technik für zehn Euro einzukaufen. So zwingst du die Großen, dass sie weniger Geld ausgeben. Oder riskieren, dumm auszusehen." Doch natürlich ist ihm auch klar, dass dieser Vorschlag bei der derzeitigen Machtlage keine Mehrheit unter den Teams finden würde. Von daher würde er sich für die Formel 1 eines wünschen: Einen Mann wie Bernie Ecclestone, denn die Königsklasse würde nur mit klaren Regeln funktionieren. "Deshalb braucht die Formel 1 einen Diktator. Der bestimmt die Regeln. Die Teams müssen danach fahren. Wem es nicht passt, der soll sich einen anderen Job suchen."

Fotoquelle: xpb.cc

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