Helmut Marko kritisiert seinen Musterschüler Sebastian Vettel

Formel 1 2014

— 13.06.2014

Marko gibt zu: Hamilton war eine Option

Red-Bull-Berater Helmut Marko über Lewis Hamilton und das Duell Ricciardo gegen Vettel - Teamchef Christian Horner versucht derweil den Ball flach zu halten



Zwei Wochen vor dem Heimspiel holt Daniel Ricciardo für Red Bull den ersten Sieg der Saison. Außerdem ist es sein erster Sieg in der Formel 1 überhaupt. Und zu allem Überfluss auch noch der erste Sieg eines Nicht-Mercedes-Piloten in diesem Jahr. Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko meint, dass das ganze Team und sogar Sebastian Vettel überrascht von der Leistung des Australiers waren.

"Er (Vettel; Anm. d. Red.) wusste, dass er gut war, aber dass er so schnell und schnurstracks reinkommt, und wir dürfen nicht vergessen, wir haben nicht getestet. Wir hatten ein paar Versuche, eine oder zwei Runden an einem guten Tag. Niemand konnte sein Potenzial sehen", schwärmt Marko gegenüber der 'BBC'.

Marko, der die rechte Hand von Dietrich Mateschitz verkörpert, gibt außerdem zu, dass man vor der Saison 2013 mit dem Gedanken gespielt hat, Lewis Hamilton unter Vertrag zu nehmen, als dieser McLaren verließ: "Wir haben es in Erwägung gezogen, aber wir dachten, dass es nicht funktionieren würde." Auch weil Vettel und Hamilton sehr starke Charaktere sind. "Um erfolgreich zu sein, braucht man ein gewisse Menge an Harmonie", erklärt Marko das Red-Bull-Geheimrezept. Diese Harmonie war bei der Paarung Mark Webber und Sebastian Vettel oft nicht zu spüren.

Ein Junior musste her

Nachdem Webber für ein weiteres Jahr unterzeichnete, war für 2014 der Weg für einen jungen Fahrer aus dem Red-Bull-Junior-Programm frei: "Auf der anderen Seite muss man bedenken, dass wir ein Junior-Programm haben, also warum einen von außen nehmen, wenn wir bewiesen haben, dass wir Potenzial in unserer Schule haben." Mit der Verpflichtung von Daniel Ricciardo als Nachfolger von Mark Webber am Anfang dieses Jahres traf man augenscheinlich die richtige Entscheidung.

Teamchef Christian Horner ist jedoch trotz der guten Leistung seines Schützlings in Kanada bemüht die Erwartungen für den Heim-Grand-Prix in Spielberg möglichst flach zu halten: "Lass uns nicht drum herumreden - Mercedes war das schnellste Auto", so Horner im Rückblick auf Montreal bei 'Autosport'. "Wir müssen noch immer vieles tun. Wir waren zwölf bis 15 Kilometer pro Stunde langsamer auf der Geraden verglichen mit Force India oder Williams, und das ist es, wo wir uns verbessern müssen."

Der Chef sieht trotz Verbesserungen am Auto und am Renault-Motor noch einen beachtlichen Abstand nach vorne: "Wir haben aus dem Unglück von Mercedes Kapital geschlagen", kommentiert Horner Ricciardos Sieg. Es scheint vor allem Sebastian Vettel zu sein, der mit dem RB10 noch seine liebe Not hat. Erst kürzlich bezeichnete der Deutsche sein Arbeitsgerät als "Gurke".

Marko empfindlich auf Vettel-Kritik

Helmut Marko stößt solch eine Kritik übel auf. Schon nach dem China-Rennen im April habe Marko mit Vettel über dessen Arbeitseinstellung gesprochen. "Ich habe ihm gesagt: 'Da arbeiten 50 Ingenieure an diesem Motor und sie können es nicht lösen. Du bist ein Top-Fahrer, es liegt an dir. Du musst es jetzt richten.'"

Auffallend ist auch, dass Vettel im teaminternen Duell gegen Ricciardo schlecht dasteht. In der WM-Wertung liegt Ricciardo, mit den 25 Punkten von Kanada auf dem Konto, als erster Verfolger der Mercedes-Piloten auf Platz drei (mit insgesamt 79 Punkten und einem Abstand von 39 Punkten auf Lewis Hamilton). Vettel hingegen hinkt mit 60 Punkten seinem Teamkollegen bereits um 19 Zähler hinterher - mehr als ein zweiter Platz Abstand. Auch im Qualifying-Duell ist knapp, aber doch Ricciardo der Sieger.

Helmut Marko erklärt sich Vettels Unbehagen im Auto folgendermaßen: "Sebastian war an ein wirklich perfektes Auto gewöhnt. Ricciardo hat einen Sprung von Toro Rosso, die nicht unseren Level haben, gemacht, also hat er Gott jeden Tag aufs Neue für so ein gutes Auto gedankt." Vettel habe sich über das schlechte Auto beschwert - Marko weiß, dass der vierfache Weltmeister immer alles perfekt haben möchte. Er erklärt sich Vettels Probleme mit dem Red Bull so: "Sein Hauptproblem war das Runterschalten, was das Heck dauernd destabilisiert hat. Er konnte nicht verstehen, dass wir das nicht ändern können."

Außerdem glaubt Vettel, dass die Formel 1 nicht in die richtige Richtung geht - was auch Red-Bull-Designguru Adrian Newey kritisierte. "Die Autos sollen Monster sein, nicht relativ einfach zu fahren", erklärt Marko Vettels Denkweise. Außerdem zweifelt der Österreicher an Vettels Hingabe am Beginn der Saison: "Mit all diesen Problemen war er vielleicht nicht ganz so engagiert, aber das hat sich geändert. Wir haben uns zusammengesetzt, und schon in Spanien haben wir eine andere Herangehensweise von ihm gesehen." Somit steht dem Heim-Grand-Prix von Red Bull nächstes Wochenende in Spielberg nichts mehr im Wege.

Fotoquelle: xpbimages.com

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