Mehr stehende Starts sollen zu mehr Abwechslung im Rennverlauf führen

Formel 1 2014

— 20.06.2014

Von Boost-Button bis Nachzügler-Reifen: Hauptsache spannend

Ab 2015 gibt es nach Safety-Car-Phasen wieder stehende Starts - Die Piloten wünschen mehr Veränderungen, allen voran bei der Chancengleichheit



In Spielberg säumten schon am Medientag die Massen den Red-Bull-Ring - dabei brauste nicht ein einziges Formel-1-Auto über die Strecke. Ein gutes Zeichen für die Akzeptanz der Sportart, aber trotzdem schrillen in der Königsklasse derzeit die Alarmglocken. Um das Publikumsinteresse nicht zu verlieren, muss die Show an den Rennwochenenden verbessert werden. Eine Maßnahme ist seit Freitag beschlossene Sache: Ab 2015 wird es nach Safety-Car-Phasen einen stehenden Neustart geben.

Davon versprechen sich die Verantwortlichen mehr Spannung, schließlich produziert ein Start nach gewöhnlichem Prozedere die meisten Positionsveränderungen. Kollisionen und diverse andere Manöver sorgen außerdem für reichlich Diskussionsstoff. Bei den Piloten stößt die Sache nicht uneingeschränkt auf Gegenliebe: "Du hast dir im Rennen eine Position erkämpft, die du mit einem stehenden Start auf das Spiel setzt", ärgert sich Sebastian Vettel im Gespräch mit 'auto motor und sport'.

Schließlich besitzen Safety-Car-Phasen nach Ansicht des Weltmeisters schon genügend künstlichen Charakter: "Es ist schlimm genug, dass du deinen Vorsprung verlierst, aber mit der neuen Regel kannst du bei einem schlechten Start gleich mehrere Plätze einbüßen, oder irgendeiner knallt dir ins Auto", so Vettel weiter. Da 2013 nur in sechs von 19 Rennen das Führungsfahrzeug zum Einsatz kam, wird diese Änderung alleine nicht ausreichen, um langfristig signifikante Veränderungen herbeizuführen.

Wunschliste: Sparen, mehr Technik und das "alte" KERS

Sergio Perez wünscht sich mehr Abwechslung an der Spitze und auf dem Podium. Er erinnert daran, dass zuletzt wechselweise Red Bull und Mercedes - die finanzstarken Mannschaften - die Szenerie bestimmten: "Jedes Jahr dominiert ein Team und gewinnt fast jedes Rennen. Das ist langweilig für die Fans und auch für Fahrer, die nicht in diesem Auto sitzen"; klagt der Force-India-Pilot. "Da kann man nicht viel machen, außer die Kosten reduzieren und den kleinen Teams so die Chance geben, konkurrenzfähig zu sein."

Auch Marussia-Pilot Max Chilton will auf die Kostenbremse treten: "Sparmaßnahmen sind sehr wichtig. Wenn zwischen dem schnellsten und dem langsamsten Auto nur eine halbe Sekunde liegt, dann ließe es sich besser anschauen." Außerdem wünscht sich der Brite, dass die Königsklasse wieder zeigt, was sie hat: "Die Formel 1 ist Hochtechnologie und dafür wird viel Geld ausgegeben. Vielleicht sollten wir das mehr in den Vordergrund stellen", überlegt Chilton vor dem Hintergrund der neuen Hybrid-Ära.

Während Daniel Ricciardo rückblickend die Einführung des umklappbaren Heckflügel, kurz DRS, lobt und bei den Autos der 2014er Generation weniger aerodynamische Komplikationen beim Hinterfahren beobachtet, wünscht sich Fernando Alonso eine Rückbesinnung. Es geht um den Einsatz der Bremsenergierückgewinnung. Die wurde bis Saisonbeginn noch per Knopfdruck vom Piloten abgerufen: "KERS sollte wieder so zurückkommen und damit auch der Extrapush beim Überholen", meint der Spanier.

Reifenwärmer bleiben, Piloten jubeln

Mittlerweile fließt die Zusatzenergie direkt in die Energiespeicher und wird von der Bordelektronik automatisch abgegeben, ohne dass der Fahrer dazu beiträgt. "Das hat früher sehr geholfen, weil man es an verschiedenen Stellen einsetzen konnte. Jetzt nutzen es alle an der gleichen Stelle", bemängelt Alonso und überlegt außerdem, sich ein Beispiel an der Zweirad-Szene zu nehmen: "Wir könnten den kleinen Teams so wie in der MotoGP helfen und ihnen zum Beispiel andere oder mehr Reifen geben", meint der Ferrari-Star.

Keine Mehrheit gefunden hat der Vorschlag, die Reifenwärmer abzuschaffen. Diese Maßnahme würde keine Einsparungen bringen, weil die Teams ohnehin über einen großen Bestand verfügen und nichts mehr anschaffen müssen. Dazu würde eine mögliche neue Werbefläche eliminiert. Pirelli könnte bereit sein, Logos auf den Heizdecken zu platzieren und im Gegenzug den Preis für die Pneu-Belieferung zu senken. Perez begrüßt die Entscheidung: "Das wäre unsicher gewesen und es hätte nicht viel verbessert", meint der Mexikaner. "Vielmehr brauchen wir Abwechslung."

Während Ricciardo die Sache "unnötig" findet, plädierte auch sein Landsmann Gutierrez nicht für eine Abschaffung: "Wenn es ein bisschen regnet, dann kann es schwierig und gefährlich sein." Chilton erinnert daran, dass zu seiner Zeit in den Nachwuchsformeln ebenfalls keine Reifenwärmer zum Einsatz kamen, warnt aber davor, Rückschlüsse auf die Königsklasse zu ziehen: "Wir müssten die Gummimischungen ändern."

Fotoquelle: xpbimages.com

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