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Formel 1 2014

— 21.06.2014

Mercedes-Duell: Wolff hinterfragt eigene Herangehensweise

Mercedes sieht das Spielberg-Qualifying als Warnung und fürchtet um die Dominanz - Nimmt man Nico Rosberg und Lewis Hamilton an die kurze Leine?



Hat Mercedes heute in Spielberg die Pole-Position verloren? Es sieht danach aus, denn das Duell zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton beim letzten Versuch hat beiden einen Strich durch die Rechnung gemacht, und so konnten die Williams-Fahrer die Plätze in der ersten Startreihe abstauben.

Nachdem Hamiltons erste Q3-Runde gestrichen wurde, weil er in der Rindt-Kurve mit allen vier Rädern neben der Strecke war, zog er beim zweiten Versuch alle Register und verlor seinen Mercedes in der Remus-Kurve aus der Kontrolle. Ein Fahrerfehler, wie er selber zugibt: "Es sieht so aus, als wäre ich etwas zu fest auf die Bremse gestiegen."

Hamilton-Ausrutscher war Fahrfehler

Auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bestätigt dies: "Wir haben beim Auto nichts gefunden, aber es war auch Pech dabei. Er hat um zehn Meter später gebremst, hat dann etwas härter gebremst und eine Bodenwelle erwischt. All das hat dazu beigetragen, und dann hat er das Heck verloren."

Dadurch startet Hamilton am Sonntag nur von Platz neun. Zu allem Überdruss musste Rosberg durch Hamiltons Missgeschick seinen letzten Versuch abbrechen - die Pole war damit außer Reichweite und der WM-Leader kam nicht über Platz drei hinaus.

"Ich habe aus unterschiedlichen Gründen nicht das Maximum herausgeholt, aber vor allem, weil ich den letzten Versuch abbrechen musste", sagt Rosberg. "Das ist aus dieser Sicht eine Enttäuschung." Nach einem perfekten Saisonstart mussten die Mercedes-Piloten nun also zum zweiten Mal einem anderen Team den Vortritt lassen, denn in Montreal nutzte Red-Bull-Aufsteiger Daniel Ricciardo die Antriebsprobleme der Seriensieger zum Debüttriumph.

Nimmt Mercedes die Fahrer an die kurze Leine?

Steht sich Mercedes derzeit also selbst im Weg? Macht man nicht das Optimum aus seinen Möglichkeiten? Wolff sieht diese Gefahr und will verhindern, dass sein Team wegen des teaminternen Zweikampfes leichtfertig WM-Punkte vergibt.

"Wir müssen nun unser System ansehen", gibt sich der Österreicher selbstkritisch. "Wir waren bei einigen Rennen die dominante Kraft. Und jetzt haben wir das vergangene Rennen an Red Bull verloren, hier steht ein anderes Team auf der Pole. Nur weil man ein dominantes Auto hat oder hatte, sollte man sich nicht ausschließlich auf diesen Kampf konzentrieren. Das benötigt eine etwas breitere Sichtweise."

Was er damit meint? "Wenn dein Hauptgegner der Teamkollege ist, dann versucht man alles, um im Q3 einen Vorteil zu erlangen", versetzt er sich in die Situation seiner Piloten. "Vielleicht müssen wir die Lektion lernen, dass es aber nicht nur den Teamkollegen gibt. Es gibt auch andere da draußen, die konkurrenzfähig sein können - an einem speziellen Wochenende oder sogar für den Rest der Saison. Dann muss man mit der Kraft des gesamten Systems attackieren."

Was bei Mercedes am Samstag schieflief

Das Williams-Tempo in Spielberg nimmt man bei Mercedes offensichtlich ernst. Erstmals in dieser Saison ist man nicht mehr deutlich überlegen. Eine Warnung für die Silberpfeile. Doch wodurch ist dies zu erklären? Am Freitag schien die Mercedes-Welt noch in Ordnung.

"Gestern sah es so aus, als hätte sich die Lücke sogar vergrößert", bestätigt Wolff. "Heute Morgen haben wir begonnen, an der Rennabstimmung zu arbeiten. Irgendwie scheinen wir uns aber verrannt zu haben und konnten uns nicht so erholen wie erwartet." Konkret hadert Mercedes wie die meisten Teams in Spielberg mit dem Untersteuern. Das liegt daran, dass die Vorderreifen nur schwer auf Temperatur kommen.

"Williams hat das viel besser im Griff", weiß Wolff. "Bei ihnen befindet sich ab der ersten Runde der Vorderreifen im Temperaturfenster. Und dadurch sind sie auf Pole." Rosberg stößt ins gleiche Horn: "Wir hatten heute immer noch einen Vorteil, aber er war viel kleiner als zuletzt." Er hält es aber für möglich, dass sich Williams in den Freien Trainings vor allem auf das Qualifying konzentriert hat und deswegen so stark in Form war. "Vielleicht waren sie heute beim Setup aggressiv und haben für das Qualifying gearbeitet. Ich glaube, dass wir immer noch das schnellste Auto haben."

Rosberg zwischen Enttäuschung und Freude

Sollte der Vorsprung aber auch in Zukunft schwinden, dann könnte man die Mercedes-Piloten an die kurze Leine nehmen. Während Hamilton betont, dass er hier ist, "um Erster zu sein", kann Rosberg die Gedanken nachvollziehen. "Ich will zwar auch die Pole, aber ich schaue immer auf die Konstrukteurs-WM. Für all meine Kollegen im Team ist das Wichtigste - und das spüre ich. Wenn es darum geht, wer die Fahrer-WM gewinnt, dann ist es ihnen gleich, ob es dieser oder der andere Fahrer ist. Aus Sicht des Teams war es also nicht ideal."

Aus persönlicher Sicht kann er aber mit dem Ausgang des Qualifyings durchaus leben: "Rein für mich war es ein guter Tag, denn für Lewis wird es morgen schwierig, das wettzumachen, und ich kann meinen Vorsprung in der WM möglicherweise ausbauen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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