Großer Preis von Österreich: Pre-Events

Formel 1 2014

— 22.06.2014

Red Bull: WM-Chancen praktisch dahin

Für Red Bull ist der WM-Kampf ausgerechnet nach dem Heimspiel in Österreich praktisch beendet - Selbskritische Rennanalyse von Helmut Marko



Eigentlich war schon vor dem Grand Prix von Österreich klar, dass das WM-Rennen 2014 auf einen Zweikampf zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton hinauslaufen würde, doch nach dem Grand Prix von Österreich ist wohl endgültig klar, dass Sebastian Vettel seinen Titel nicht erfolgreich verteidigen wird. Als Fünfter der Fahrerwertung hat er nun schon 105 Punkte Rückstand auf Rosberg.

"Die Chancen sind deutlich gesunken", will Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko die Saison zwar noch nicht endgültig abschreiben, aber der Realist in ihm sagt ihm sehr wohl, dass die Sache gelaufen ist und sich das Team auf 2015 konzentrieren kann. Denn selbst Daniel Ricciardo fehlen nach dem völlig verpatzten Red-Bull-Heimspiel in Spielberg 82 Punkte auf die Spitze. Das entspricht mehr als drei Siegen und einem siebten Platz.

Aber komplett abschreiben will man die Saison offenbar trotzdem nicht: "Schon im nächsten Rennen kann alles passieren. Wir pushen weiter. Das Blatt wird sich wenden", sagt Teamchef Christian Horner. Und auch Marko relativiert: "Das ist schief gelaufen. Es ist sehr eng auf dem Kurs, man braucht hier Power. Es herrscht aber noch keine Katastrophenstimmung." Zumal Red Bull hinter Mercedes in der Konstrukteurs-WM weiterhin recht sicher an zweiter Stelle liegt.

Setup nie in den Griff bekommen

Ausgerechnet beim Heimspiel ging aber alles daneben, was daneben gehen kann. "Es war noch nie so, dass wir das ganze Wochenende das Setup nicht hinbringen", seufzt Marko. "Wir müssen schauen. Wir hatten viele neue Teile. Offensichtlich hat das Zusammenspiel nicht funktioniert, denn erstens waren wir nicht schnell und der Reifenverschleiß war auch hoch. Wir hatten über die ganze Renndistanz ein Untersteuern, hatten vom Flügel her gar keine Verstellmöglichkeiten mehr."

Selbst der in der Startaufstellung besser platzierte Kanada-Sieger Daniel Ricciardo fand nie richtig ins Rennen, fiel schon in der ersten Kurve zurück. "Er wurde schon in der ersten Kurve hinausgedrückt", ärgert sich Marko, "aber das ist keine Entschuldigung. Unser Speed hat nicht gepasst. Wir haben das ganze Wochenende keine Balance gefunden. Es ist unser schlechtestes Ergebnis des Jahres. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen und noch härter arbeiten."

Vor allem, damit bei Vettel keine weiteren Defekte mehr auftreten. Für den Deutschen war das Rennen schon gelaufen, da hatte es noch gar nicht richtig angefangen. "Wenn einen die Pechsträhne verfolgt, dann scheinbar massiv", so Marko. "Aber das Rennen war sowieso schon verhaut. Dann noch der Frontspoiler, den er sich an Gutierrez abgefahren hat. Aber es hat der Speed nicht gepasst. Auch ohne Zwischenfälle hätte ein Ricciardo mit deutlichem Rückstand maximal auf Platz fünf oder sechs fahren können."

Horner nickt zustimmend: "In den Top 10 stehen acht Mercedes-Autos. Diese Strecke scheint Mercedes sehr gut zu liegen. Sebastian ist vom Pech verfolgt - und es kommt alles auf einmal. Es sind die gleichen Leute, die vier Weltmeisterschaften gewonnen haben, die jetzt an seinem Auto arbeiten. Wir müssen verstehen, warum wir auf einmal Motorleistung verloren haben und warum er auf einmal wieder lief. Großes Pech für Seb, aber das Blatt wird sich wenden."

Mitleid von Mercedes und Niki Lauda

"Sebastian hat mir auch leid getan", sagt sogar Niki Lauda vom Konkurrenten Mercedes. "Das sind halt Dinge im Motorsport, die passieren können, und da ist es wurscht, ob du zu Hause am Ring fährst oder woanders." Aber Gerhard Berger relativiert die Theorie, wonach Vettel in der Gunst der Götter gesunken sei: "Sebastian war viermal hintereinander Weltmeister. Ich hätte gern solche Götter gehabt! Natürlich läuft es dieses Jahr einmal nicht so, aber es kann nicht immer laufen."

"Sebastian hatte so einen Lauf in den letzten Jahren: Sieg mit Toro Rosso, dann eine WM nach der anderen. Das ist ein irres Erfolgserlebnis. Dass es jetzt sehr frustrierend und sehr hart ist für ihn, verstehe ich. Es ist für die ganze Red-Bull-Mannschaft frustrierend, weil Renault die Hausaufgaben nicht gemacht hat. Solange das nicht ausgeglichen wird, werden die kämpfen. Es ist eine Saison zum Abschreiben, aber auch sowas kann passieren. Da muss man sich auf das nächste Jahr konzentrieren", sagt der Österreicher.

Und weiter: "Du kannst halt nicht immer gewinnen. Wir sind auf dem höchsten Niveau im Motorsport, und wenn immer der Gleiche gewinnen würde, wäre es kein umkämpftes Feld. So sollte der Motorsport nicht sein. So hart es für Red Bull auch ist, aber die Abwechslung ist wichtig - und sie sind ja nicht weg vom Fenster, sondern meistens die erste Kraft nach Mercedes. Red Bull hat die Hausaufgaben gemacht, Renault nicht. Aber die werden schon zurückkommen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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