Im Brennpunkt: Die Renault-Motorenabteilung stand zuletzt in der Kritik

Formel 1 2014

— 25.06.2014

Ausweg aus der Krise: Wieso Red Bull Viry übernehmen könnte

Das Motorendilemma zwingt Red Bull zum Handeln: Warum eine Übernahme der Renault-Motorenabteilung Sinn ergeben würde und wer die Entwicklung leiten könnte



Red Bull hatte Renault zum Heim-Grand-Prix in Spielberg ein Ultimatum gestellt: Die Franzosen versprachen dem Weltmeisterteam, dass die Antriebseinheit aus Viry-Chatillon bis dahin den Erwartungen entsprechend funktionieren werde. Doch ausgerechnet der Österreich-Grand-Prix wurde zum Reinfall. Kein Wunder, dass im Fahrerlager von Spielberg Gerüchte im Eiltempo kursierten, Red Bull könnte gemeinsam mit der Grazer Firma AVL einen eigenen Motor bauen.

Das steirische Unternehmen ist in der Formel 1 eine große Nummer, schließlich arbeitet man mit vielen Teams zusammen, der Bau einer eigenen Antriebseinheit würde aber mehrere Jahre benötigen. Doch nun gibt es Spekulationen, wie Red Bull diese Wartezeit abkürzen könnte: indem man die Motorenabteilung in Viry-Chatillon übernimmt.

Der Vorteil: Red Bull könnte unter einem neuen Namen - möglicherweise der von Hauptsponsor Infiniti - eine neue Antriebseinheit herstellen. Sollte das aktuelle Renault-Triebwerk wie vermutet Konstruktionsfehler besitzen, dann würde man darunter nicht mehr leiden, wenn man mit einem weißen Blatt Papier beginnt.

Warum sich eine Übernahme auszahlen würde

"Irgendwas muss sich ändern, wenn sie die Leistung verbessern wollen", klagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner vor wenigen Tagen. "Nicht nur für diese Saison, sondern noch wichtiger für die nächste." Den Briten frustriert es, "dass einfach keine Fortschritte festzustellen sind".

Sollte an den Spekulationen tatsächlich etwas dran sein, dann könnte Red Bull Renault in der kommenden Saison unter den Homologationsregeln helfen, den aktuellen Antrieb zu verbessern, ehe man für 2016 eine komplett neue Antriebseinheit baut. Bis dahin könnte der österreichische Konzern die Motorenabteilung in Viry-Chatillon umstrukturieren. Der Vertrag mit den Franzosen läuft zwar bis Ende 2016, eine einvernehmliche Auflösung wäre aber denkbar.

Eine derartige Vorgehensweise würde Red Bull alle Trümpfe zuspielen, denn man könnte die Fehler und Erkenntnisse, die dieser Tage passieren, für eine komplette Neukonstruktion nutzen und damit möglicherweise sogar Mercedes auf dem Motorensektor überflügeln.

Lotus auf dem Weg zu Mercedes

Derzeit gibt es einige Indizien, die dafür sprechen, dass Red Bull die Motorenabteilung von Renault übernimmt: Das einstige Renault-Werksteam Lotus wird aller Voraussicht nach 2015 ins Mercedes-Lager wechseln, wodurch nur noch Caterham und die beiden Red-Bull-Teams mit Renault verbunden wären.

Das finanziell schwer angeschlagene Hinterbänklerteam aus Leafield, das vor dem Verkauf steht, hat bereits jetzt ein Naheverhältnis zu Red Bull, schließlich bezieht man das Getriebe aus Milton Keynes. Sollte Caterham in Zukunft den gesamten Antriebsstrang von Red Bull kaufen, würde das einen Teil der Entwicklungskosten für die Antriebseinheit abdecken. Und Teamchef Cyril Abiteboul war vor seiner Caterham-Ära selbst als Leiter der Renault-Motorenabteilung tätig.

Auffällig ist, dass Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko zuletzt häufig in Viry-Chatillon war, was anhand der Probleme zu Saisonbeginn und der Hilfe aus Milton Keynes und Faenza nicht zwangsläufig auf eine Übernahme hindeuten muss. Sollte diese aber tatsächlich über die Bühne gehen, könnten zwei Technikgurus in Zukunft für die Entwicklung der neuen Antriebseinheit verantwortlich zeichnen: Adrian Newey und sein ehemaliger Partner aus McLaren-Zeiten Mario Illien.

Newey und Illien als Masterminds?

Der britische Stardesigner wird für das Formel-1-Team in Zukunft nur noch als Mentor in Erscheinung treten und an Sonderprojekten arbeiten. Die Konstruktion einer neuen Antriebseinheit wäre möglicherweise genau die Herausforderung, die der amtsmüde Newey, der sich über die enormen Restriktion im Aerodynamikbereich ärgert, braucht.

Und Illien - das Mastermind hinter den bärenstarken Mercedes-Triebwerken der 1990er-Jahre - bestätigte gegenüber 'Sport Bild', dass er als Mitglied der Arbeitsgruppe einer der Köpfe hinter dem neuen Motorenreglement war. Eine Zusammenarbeit mit Newey wäre denkbar. "Der Kontakt zwischen Adrian und Mario ist immer noch sehr gut", wird Red-Bull-Mann Marko von 'Sport Bild' zitiert.

Fotoquelle: Renault

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