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Formel 1 2014

— 06.07.2014

Kampf der Titanen: Vettel bezwingt Alonso

Seit langem sind Sebastian Vettel und Fernando Alonso mal wieder so richtig auf der Strecke aneinandergeraten - Ein Duell zwei Toppiloten mit Funksucht



Der Kampf ums Podium beim Großen Preis von England sollte sich als klare Angelegenheit herausstellen: Lewis Hamilton gewann mit einer halben Minute Vorsprung auf Valtteri Bottas, der seinerseits über 16 Sekunden schneller war als Daniel Ricciardo. Die wahre Action spielte sich weiter hinten ab - beim Kampf um Platz fünf. Sebastian Vettel und Fernando Alonso - zusammen sechs Weltmeistertitel - bekämpften sich in Silverstone bis aufs Messer.

In Runde 35 absolvierte Vettel seinen zweiten Boxenstopp und kam knapp vor seinem ewigen Rivalen im Ferrari zurück auf die Strecke. Aufgrund der Reifensituation konnte sich Alonso den Red-Bull-Piloten bereits nach wenigen Kurven schnappen. Als Vettels Pneus dann ebenfalls auf Temperatur waren, ging der RB10 besser, es folgte eine Schlacht über etliche Runden. Beide ließen sich genau so viel Platz, um nicht zu kollidieren und beschuldigten den jeweils anderen abwechselnd via Funk, die Streckenbegrenzung überfahren zu haben. Schließlich konnte sich Vettel nach einem gewagten Manöver durchsetzen.

Nicht nur für die Fans war es ein packendes Duell zweier Topfahrer: "Es war auch für mich aufregend", klärt Vettel nach dem Rennen gegenüber 'RTL'. "In der Linkskurve nach der DRS-Zone habe ich versucht, auf der linken Seite durchzuschlüpfen. Zweimal hätte er mich dabei fast von der Strecke geschoben." Bereits in diesen Situationen fühlte sich der Heppenheimer benachteiligt, weil er zurückstecken musste, um eine Kollision zu vermeiden. "Ich kann ihn verstehen. Aber ich habe die Nase vorne, deswegen diktiere ich zu diesem Zeitpunkt die Richtung."

Strichliste beim Funkduell

"Wenn ich nicht zurückgesteckt hätte, wären wir zweimal herausgeflogen. Das war zu hart", findet der amtierende Weltmeister. Schließlich habe auch er selbst es dann mit der Brechstange versucht. "Wenn du gegen ihn fährst, ist es immer hart. Ich hätte schneller fahren können, wäre vielleicht noch einen Platz nach vorn gekommen, aber letztlich haben wir uns heute für die falsche Strategie entschieden. Eigentlich hätte ich mir Platz drei erhofft. Das Podium wäre leicht möglich gewesen", so Vettel gegenüber 'Sky'.

Zunächst beschwerte sich wohl Alonso, dass Vettel mit seinem Red Bull immer wieder mit allen vier Rädern die Streckenbegrenzung überfahre. Es entwickelte sich ein Funkduell, in dem sich beide abwechselnd den schwarzen Peter zuschieben wollten: "Ich habe die ganze Zeit lachen müssen. Ich wusste genau, dass er kräftig funkt, als ich die Erinnerung bekam, dass ich die Streckenlimits doch bitteschön einhalten soll. Da habe ich mir gedacht: 'Na gut, dann mache ich eben das Gleiche'", gibt Vettel zu.

"Vielleicht sind die Spiegel am Ferrari so hervorragend und haben HD-Auflösung", scherzt er weiter: "Ich konnte es besser sehen, wenn er mal etwas weiter herausgerutscht ist." Alonso betrachtet das Funkduell ebenfalls ganz entspannt: "Die Geschichte mit den Streckenbegrenzungen hat das Team wach gehalten. Ich denke, er hat sich über mich beschwert, ich habe mich über ihn beschwert, das war von außen betrachtet ganz witzig."

Eine Frage des Respekts

"Die Streckenbegrenzungen sind halt da. Es gab zwei oder drei Warnungen im Rennen, und ich habe in den Spiegel geschaut, und Sebastian war öfter draußen als ich", meint der Spanier gegenüber 'Sky Sports F1'. "Ich habe dann gefragt: 'Die Streckenbegrenzungen gelten doch für alle, oder nicht?' Das ist ganz normal bei dem Adrenalin, wenn man im Auto sitzt. Aber sonst hat es Spaß gemacht. Es war ein respektvoller Kampf, und ich hoffe, die Leute hatten Spaß."

Von Respekt spricht auch Vettel: "Solche Dinge passieren und bleiben auf der Strecke. Ich habe sehr viel Respekt vor ihm. Ich würde mich nicht bei vielen Fahrern trauen, so eng Rad an Rad zu fahren - gerade aus der langgezogenen Spitzkehre heraus hin zu Copse, einer der schnellsten Kurven der Strecke. Da passt dann nicht mehr viel daneben. Er hat dann noch versucht, mich schön nach rechts zu drücken, aber ich habe ihm gezeigt, dass ich da nicht mitspiele und mich dann durchgesetzt."

Trotz seiner zahlreichen Beschwerden hält Vettel im Grunde nichts davon, beim Einhalten der Streckenbegrenzungen allzu genau hinzuschauen: "Ehrlich gesagt ist das eine etwas bescheuerte Regel. Ich denke, den Zuschauern ist es egal, ob das Auto jetzt einen Meter weiter links oder rechts auf der Strecke ist. Es ist immer schwer, das genau zu kontrollieren. Aber es war ja wenigstens, was die Strichliste angeht, sehr unterhaltsam", spielt er auf die zahlreichen Funksprüche an.

Vettels DRS unerlaubt offen?

Vettels Teamchef, Christian Horner, würde das Thema auch auf sich beruhen lassen und nicht über Strafen für einen der beiden Fahrer nachdenken: " Beide haben es wirklich bis zum Letzten ausgereizt. Auch Fernando war mehrere Male abseits der Strecke unterwegs, man gab ihm sogar eine entsprechende Warnung. Es waren halt zwei Rennfahrer, die alles versucht haben - so ist Racing, so sollte es doch sein. Es war toll anzuschauen. Umso schöner, dass unser Fahrer am Ende die Oberhand behalten hat", meint der Briten gegenüber 'Sky Sports F1'.

Nachdem Vettel im Rennen schließlich vorbeigezogen war, beschwerte sich Alonso abermals - nun jedoch über etwas anderes: Ihm nach soll der 27-Jährige nach Kurve 9 sein DRS unerlaubt geöffnet haben - für Vettel eine merkwürdige Unterstellung: "In Kurve 9? Das ergibt keinen Sinn. Da kann man überhaupt kein DRS benutzen. Du kannst DRS nur benutzen, wenn es das System und die Software zulassen. Wenn Ferrari es auch anderswo nutzen kann, erklärt das vielleicht ein paar Dinge (lacht; Anm. d. Red.). Nein, er muss da etwas anderes gesehen haben."

"Leider hatten wir den Zweikampf zum falschen Zeitpunkt des Rennens", bedauert Alonso, der offenbar durch technische Probleme gehandicapt war: "Zwei Runden, bevor Sebastian aus der Box kam, hatten wir darüber gesprochen, das Auto abzustellen." So habe Ferrari Aerodynamikprobleme mit dem Heckflügel gehabt, die zu weiteren Schwierigkeiten im Auto führten. "Wir hatten zudem Batterieprobleme und mussten am Rennende Benzin sparen. Das hat es unmöglich gemacht, Sebastian hinter uns zu halten."

Lauda meckert über Meckerei

Nichtsdestotrotz durfte sich die Motorsportwelt über ein hochklassiges Duell in Silverstone freuen. "Es war ein echtes Rad-an-Rad-Duell von zwei Jungs, die wirklich am absoluten Limit waren", schwärmt Horner. "Sie waren beiderseits nicht mit den Aktionen des jeweils anderen einverstanden. Am Ende war Sebastian ganz schön mutig, sein Manöver an jener Stelle der Strecke bei solch hohem Tempo zu platzieren. Da waren einfach zwei Jungs im harten Kampf."

Besonders auf seinen Fahrer ist der Red-Bull-Teamchef stolz: "Sebastian hat eindeutig bewiesen, dass er kämpfen kann. Er hat einen tollen Job gemacht. Es war schade, dass er hinter Fernando so viel Zeit verloren hat, denn sonst hätte er sicherlich auch noch Jenson Button gepackt." Auch Marc Surer zeigt sich bei 'Sky' bestens unterhalten: "Sie waren schon ein paarmal sehr nah beieinander. Gerade, als es dann auf Copse zuging - eine Kurve, die man mit 280 km/h nimmt. Da wurde es mir schon ein bisschen mulmig."

Nur einer scheint sich offenbar mehr über den Zweikampf zu ärgern als zu freuen: Niki Lauda. "Meine Kritik an Sebastian: Warum jammert und schimpf er da herum?!", fragt sich der Österreicher bei 'RTL'. "Das ist nicht lebensgefährlich, das ist Gott sei Dank Racing. Das ist das, wofür wir alle hier sind. Er macht es ja auch super. Dass er dann wie ein erschrockenes junges Kind aufbrüllt und sich beschwert, finde ich grundsätzlich falsch. Er hat es eh geschafft, macht das super, und soll einfach weiterkämpfen."

Auch Alonso kriegt sein Fett weg: "Die sollen lieber Auto fahren, anstatt sich zu beschweren. Sie zerstören das Bild zweier Toppiloten, die sich bekämpfen. Das wollen wir sehen, aber sie sind wie kleine Kinder", wettert Lauda. "Ich kämpfe gerade mit Bernie (Ecclestone; Anm. d. Red.), dass man den Fahrern mehr Macht geben soll, selber zu entscheiden - nicht immer die Stewards. Die sollen einfach fahren, wie sie wollen. Und am Schluss ist der Bessere vorn, ohne Einmischung von Linien oder Stewards." Letztlich hat sich bei Vettel und Alonso niemand eingeschaltet - stattdessen sahen die Fans in Silverstone knallharten Motorsport.

Fotoquelle: xpbimages.com

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