Nach der Fußball-WM gibt es die nächsten Festspiele in Schwarz-Rot-Gold

Formel 1 2014

— 16.07.2014

Die große Hockenheim-Vorschau: Heimspiel hoch vier

Vieles spricht für silberne Festspiele und das Duell Rosberg versus Hamilton, jedoch könnten die Kundenteams samt Hülkenberg aufmucken - Vettel kämpferisch



Motorsport-Fans von der Nordsee bis zu den Alpen fiebern 365 Tage auf dieses Wochenende hin: Von Freitag bis Sonntag kehrt die Formel 1 nach 24 Monaten Abstinenz nach Hockenheim zurück, um den 74. Deutschland-Grand-Prix der Geschichte auszutragen. Als die Königsklasse in der Saison 2012 ihren jüngsten Besuch im Badischen absolvierte, säumten insgesamt 158.000 Zuschauer Tribünen und Fahrerlager. Es gibt viele gute Gründe, warum diese Marke geknackt werden könnte.

Einer ist, dass die Zukunft der Formel 1 in Hockenheim derzeit völlig offen scheint und sogar ein Abschied von der langjährigen Heimat des Traditionsrennens nicht auszuschließen ist. Bernie Ecclestone hat sich zum Nürburgring und dessen neuem Besitzer Capricorn bekannt. Die Tinte unter einem langfristigen Vertrag mit dem Düsseldorfer Unternehmen soll bald trocken sein. Der zweiten deutschen Strecke will der Zampano keine "Sonderkonditionen" mehr einräumen, zeigt sich aber verhandlungsbereit.

Sollte es wirklich zum Äußersten kommen, wäre es ein Verlust, schließlich erleben die Fans seit dem Jahre 1970 Rennen auf dem Gebiet der 20.000-Seelen-Gemeinde rund 20 Kilometer südlich von Mannheim. Der erste Gewinner eines Großen Preises von Deutschland in Hockenheim war Jochen Rindt mit einem Lotus. Kein Pilot siegte aber so häufig wie Michael Schumacher: Zwischen 1995 und 2006 jubelte der Rekord-Weltmeister viermal im Badischen und sorgte während der "Schumania" für Tribünenpartys.

Schwarz-rot-goldene Partystimmung im Motodrom

Über die Jahre hat sich der Charakter des Rennes grundsätzlich gewandelt: Seit 2002 geht es nicht mehr im Höllentempo durch den Wald und mit glühenden Eisen in die Schikanen, sondern über eine moderne Grand-Prix-Strecke. Auf 4,754 Kilometern sind aber zahlreiche Überholmöglichkeiten erhalten geblieben und entstanden. Nach der Startkurve, die mit ihrer asphaltierten Auslaufzone schon für viele Diskussionen über die Einhaltung der Streckenbegrenzung gesorgt hat, folgt ein abwechslungsreiches Layout.

Ein Highlight ist die mit über 250 km/h durchfahrene Parabolika, die mit einem der härtesten Bremspunkte im Zirkus und einer Haarnadel-Kurve endet - die vermutlich beste Stelle, um einen Konkurrenten zu passieren und diejenige, an der sich in der Vergangenheit das meiste Kleinholz angesammelt hat. Stimmungstechnisch lässt sich das Motodrom kaum überbieten: Zwischen Mobil1-, Sachs- und Südkurve herrscht Stadionatmosphäre, bei der ein Großteil der maximal 120.000 Zuschauer seinen Platz findet.

Die sollten sich für Sonntag sicherheitshalber eine Regenjacke einpacken: Frühe Wetterprognosen sprechen von warmem und trockenem Sommerwetter bis zum Qualifying, pünktlich zum Rennen könnte der Himmel jedoch seine Pforten öffnen. Einer lässt sich die Laune davon sicher nicht verderben: Nico Rosberg. Frisch verheiratet und mit dem Selbstvertrauen einer aktuellen Nummer eins im Zirkus reist der Wiesbadener zu seinem Heimspiel und sprüht vor Vorfreude, wenn es um den Deutschland-Grand-Prix geht.

Heimspiel oder nicht? Silbernes Psychoduell beginnt

"Als WM-Spitzenreiter mit einem Silberpfeil nach Hockenheim zu kommen, ist ein tolles Gefühl - einfach klasse", schwärmt der 29-Jährige. Nach seinem Technikpech von Silverstone spricht vieles dafür, dass der Weg zum Sieg nur über Rosberg führt: Mit seiner Pole-Position und einer bis zum Ausrollen souveränen Leistung in Großbritannien untermauerte er einmal mehr, dass er aktuell besser in Form ist als sein ärgster Rivale und Teamkollege Lewis Hamilton. Bleibt das Chaos aus, ist der Mercedes-Zweikampf um Platz eins vorprogrammiert.

Der Brite ist einer von nur zwei Piloten im Feld, die in Hockenheim bereits gewannen. Ein weiterer großer Pokal würde ihm nicht nur einen persönlichen Hausrekord in Sachen Grand-Prix-Erfolge in einer Saison einbringen, sondern auch die WM-Führung. Hamilton heizt schon vor dem Eintreffen das Psychoduell mit Rosberg an, indem er in bewährter Manier auf dessen Kindheit und Jugend in Monaco anspielt: "Ehrlich gesagt war Nico nie wirklich in Deutschland, also ist es auch nicht sein echtes Heimrennen."

Die Stuttgarter werden auf den Geraden ihren Antriebsvorteil voll ausspielen und scheinen nach den Eindrücken aus Silverstone im Trockenen derzeit kaum zu schlagen sein, wenn nicht die Piloten untereinander für Kleinholz sorgen oder die Technik versagt. Genau darauf muss Red Bull wohl hoffen, wenn es darum geht, seinem Weltmeister einen Heimsieg zu bescheren: Hockenheim ist einer der wenigen verbliebenen weißen Flecken in der Erfolgslandkarte des Sebastian Vettel, der im 40 Kilometer entfernten Heppenheim aufgewachsen ist.

Vettel und die Mission Impossible

Er gibt sich im Vorfeld kämpferisch: "Wir werden am Wochenende attackieren und versuchen, alles für unsere Fans zu erreichen." Dem Weltmeister zu schaffen macht derzeit aber nicht nur Silber, sondern auch der eigene Teamkollege. Daniel Ricciardo bewies in Silverstone, dass er derzeit das bessere Händchen für die Pirelli-Reifen besitzt. Eingebremst wurde der Australier im Teamduell von Red Bull bisher nicht - angesichts des WM-Standes gibt es wenig Grund für die Österreicher, damit zu beginnen.

Unter den aktiven Piloten heißt der erfolgreichste Hockenheim-Tourist Fernando Alonso. Der Spanier entschied drei der jüngsten fünf Ausgaben für sich, dennoch sind die Aussichten bei Ferrari trüb. Die Scuderia scheint nicht in der Lage, aus eigener Kraft das Podium zu attackieren. Zwar wird Kimi Räikkönen nach seiner Knie- und Knöchelprellung, die er sich bei seinem wilden Unfall in Silverstone zuzog, trotz Testverzichts wohl wieder im Cockpit sitzen - Wunder vollbrachte der Finne mit dem F14 T aber auch nicht.

Bessere Karten haben die Mercedes-Kundenteams: Williams schlug aus seinem Tempo zuletzt mehr Kapital als noch zu Saisonbeginn und ist in Sachen Form derzeit wohl die Nummer zwei der Szene. Insbesondere der zunehmend reifer wirkende Valtteri Bottas hat nach Rang drei in Österreich und dem zweiten Platz in Großbritannien eine beinahe logische Steigerung vor sich - dennoch wird es für den großen Coup des Finnen wohl nur dann reichen, wenn die Silberpfeile sich selbst ein Bein stellen.

Schnelle Kurven, weiche Reifen: Hülkenberg zuversichtlich

Einer der Verlierer des Williams-Aufschwungs war Force India, das mit Nico Hülkenberg einen weiteren Lokalmatadoren in seinen Reihen hat: "Ich freue mich darauf", erklärt der Emmericher vor dem Heimspiel und führt das nicht nur auf die Unterstützung der Fans zurück: "Ich fühle mich wohl dort, ich mag die Umgebung. Die Strecke ist gut, ich habe viele Runden dort gedreht. Für mich ist das ein Bonus." Die vielen schnellen Kurven sprechen genau wie die weicheren Reifenmischungen für den VJM07.

Nach Gründen für so viel Optimismus muss Adrian Sutil länger suchen. Nachdem sein Sauber zumindest zuverlässiger geworden ist und er drei Rennen in Serie beendete, mangelt es dem Auto weiter an Tempo und der Saisonbilanz an positiven Punkten: "Die größere Überraschung wäre sicherlich, wenn es die ersten Punkte geben würde", meint der Gräfelfinger. Vielleicht ist ein drohendes Verbot des Aufhängungskonzeptes FRIC ja der Heilsbringer für die Schweizer - sollte sich ein Team gegen die Vertagung des Themas auf 2015 aussprechen, müssten wohl alle umdisponieren und die Hackordnung käme in Bewegung. Red Bull und Mercedes haben bereits angekündigt, auf das System zu verzichten.

Fotoquelle: xpb.cc

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