Gerhard Berger quält sich in seinen alten Ferrari: Die Zeiten haben sich geändert

Formel 1 2014

— 26.07.2014

Strafenflut ärgert Berger: "Man schaue Motorrad-Rennen an"

Geht es nur darum, mit Sanktionen Geld zu verdienen? Der Ex-Formel-1-Pilot plädiert dafür, Motorsport weniger künstlich zu gestalten



Haushalten mit Sprit und Reifen. Überholen lieber mit kluger Boxenstrategie als mit Wagemut und Risiko. Und wenn es doch mal eng wird, am Funk sofort eine Strafe für den Konkurrenten fordern: So manche Blüte der modernen Formel 1 schmeckt echten "Racern" nicht. Zu denen zählt auch Gerhard Berger, der mit der Entwicklung der Königsklasse nicht komplett einverstanden ist: "Das ist alles sehr künstlich. Mir gefallen Rad-an-Rad-Duelle besser", sagt der Österreicher im Gespräch mit 'Speedweek'.

Nichtsdestotrotz akzeptiert er, dass sich die Zeiten gewandelt haben und der Motorsport ein neues Gesicht hat: "Deine Frau, die technische Entwicklung, die Medien, die Gehälter, die Budgets. Nicht alles ist besser geworden, aber alles hat sich verändert!" Piloten, die wie einst Michael Schumacher und Sebastian Vettel für kaum abreißende Serien von Siegen und Titeln sorgen, wären laut Berger in der Vergangenheit undenkbar gewesen - nicht zuletzt auch deshalb, weil die Stars im Cockpit ein tödliches Risiko eingingen.

Dass das Bändigen von Technik wie dem 29 Knöpfe und Schalter starkem Mercedes-Lenkrad eine neue Herausforderung wäre, streitet der 54-Jährige ab: "Wir mussten auch viele Dinge hinkriegen. Wir hatten keinen Funk, kein automatisches Getriebe und waren mit der technischen Seite nicht so vertraut", erinnert sich Berger. Damit es wieder spannender wird, wünscht er sich wieder mehr von der alten Schule und Inspiration aus dem Zweirad-Bereich: "Man schaue sich nur mal die Motorrad-Rennen an. Da braucht es keine großen Erklärungen."

Das durch sichere Boliden und größere Auslaufzonen minimierte Risiko eröffnet der Rennleitung aus Bergers Sicht die Möglichkeit, sich mit dem Aussprechen von Strafen zurückzuhalten. Er vermutet sogar, dass es mehr um die Einnahmen durch Geldbußen als um das Einhalten der Regeln geht. Apropos Bestimmungen: Eine ganz deutliche Meinung äußert der Tiroler bezüglich der doppelten Punkte im Saisonfinale, die 2014 in Abu Dhabi erstmals vergeben werden: "Alles Mist", macht Berger deutlich.

Fotoquelle: GEPA

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