Pat Symonds brachte das Traditionsteam Williams wieder in die Erfolgsspur

Formel 1 2014

— 02.08.2014

Symonds: "Mein Ziel ist es, um die WM zu kämpfen"

Seit Pat Symonds bei Williams die technischen Fäden zieht, hat der Traditionsrennstall wieder Erfolg - Im Interview zieht der Brite Halbzeitbilanz



Im vergangenen Jahr sammelte Williams nur fünf WM-Punkte und erlebte die schlechteste Saison in der langen Teamgeschichte. Aktuell sieht die Situation anders aus. Valtteri Bottas und Felipe Massa mischen die Topteams auf und zählen bei allen Rennen zu den Kandidaten für das Podest. Der Traditionsrennstall hat den Umschwung geschafft. Daran hat auch Pat Symonds einen großen Anteil. Der Technische Direktor strukturierte das Team um und stellte die Weichen, die schließlich zum Erfolg führten. Symonds weiß, wie man ein vermeintlich kleineres Team zum Erfolg führt.

Mitte der 1990er Jahre war der Brite einer der Köpfe hinter den beiden WM-Titeln von Michael Schumacher bei Benetton. Die Geschichte wiederholte sich zehn Jahre später, als Fernando Alonso bei Renault zweimal Weltmeister wurde. Symonds war auch damals einer der Drahtzieher, wurde aber auch durch die "Crashgate"-Affäre berühmt. Seit er wieder in der Formel 1 arbeiten darf, zieht Symonds bei Williams die Fäden im Hintergrund. Mit Erfolg, wie die ersten elf Rennen zeigten. Im Interview zieht Symonds eine Halbzeitbilanz.

Frage: "In der Formel 1 ist es Zeit für eine Halbzeitbilanz. Wie fällt die für Williams im Vergleich zum Saisonbeginn aus?"
Pat Symonds: "Natürlich war es wichtig, in Australien das bestmögliche Auto für Williams hinzustellen, aber was noch wichtiger war: Alles, was wir ans Auto gebracht haben, hat dafür gesorgt, dass wir noch mehr Performance haben. Das war davor absolut nicht der Fall. Wir haben viele Teile an das Auto gebracht, und ich bin wirklich glücklich darüber, dass so ziemlich alle davon funktioniert haben."

"Zu Beginn der Saison sah bei uns alles vielversprechend aus. Das Auto war schnell und ich denke, wir haben aus diversen Gründen ein wenig unterperformt. In Australien haben wir ein Auto in der ersten Kurve verloren, das andere hat die Mauer berührt. Und so setzt sich das fort. Aber ich denke, jetzt realisieren wir eigentlich, welches Potenzial wir zu Beginn des Jahres vermutlich gehabt haben."

"Und ich denke, wir sind eher noch an einigen Konkurrenten vorbeigezogen. Wir sind beispielsweise viel besser beim Reifenmanagement. In Bahrain mussten wir drei Stopps machen, in Deutschland hatten wir vermutlich den besten Reifenabbau aller Autos. Ich bin relativ zufrieden mit dem dritten Rang in der Konstrukteursmeisterschaft, aber ich bedaure ein paar ausgelassene Möglichkeiten in diesem Jahr."

Frage: "Du bedauerst sicher auch ein paar unkontrollierbare Dinge, wie Felipes Unfall in der ersten Kurve in Hockenheim und so. Denkst du, dass ihr ohne solche Zwischenfälle Zweiter hättet sein können?"
Symonds: "Darauf gibt es keine klare Antwort, aber wir würden sicher darum kämpfen. Wir werden weiter angreifen. Auf den meisten Strecken haben wir derzeit das zweitschnellste Auto. In Budapest sind die Red Bull vielleicht schneller als wir, aber auf den meisten Strecken sind wir die Zweitschnellsten."

Frage: "Hat euch das Verbot von FRIC härter getroffen als alle anderen?"
Symonds: "Nein, ich denke nicht. Wir sind bei den Wintertests ohne unsere diese Aufhängung gefahren, um Dinge zu evaluieren. Wir wissen daher, was wir gewonnen und verloren haben, und wir wussten, wie wir das Auto einstellen mussten. Ich denke nicht, dass es für uns eine große Sache ist."

Frage: "Habt ihr das Verbot antizipiert?"
Symonds: "Nein, ich habe das nicht. Es wird immer schwieriger heutzutage, irgendetwas zu antizipieren. Ich denke, ich war da mal ziemlich gut drin, aber jetzt weiß man einfach nicht, wen man nach seiner Meinung fragen sollte. An dem Dienstag, als die Technische Direktive herauskam, war ich in London und habe Charlie (Whiting; Anm. d. Red.) angerufen. Er hat gesagt: 'Ich denke, die Leute werden zustimmen, weil er sich um Red Bull gesorgt hat, dass sie die Vereinbarung brechen werden. Er sagte, sie würden es nicht tun. An diesem Punkt dachte ich, dass wir in Silverstone weiter damit testen sollten, weil es McLaren gemacht hat. Ich habe es nicht antizipiert, und es ist sehr hart, irgendetwas zu antizipieren."

Frage: "Ihr hattet in den vergangenen Jahren mit Cosworth, Toyota, Renault oder Mercedes mehrere Motorenausrüster. Habt ihr eure Beziehung zu eurem neuen Motorenpartner nun stabilisiert?"
Symonds: "Absolut. Wir haben einen langfristigen Vertrag - viel länger als die meisten Motorenverträge sind. Das spielt keine unbedeutende Rolle dabei, wo wir uns heute befinden. Aber es ist nicht alles. Im vergangenen Jahr hatten wir den gleichen Motor wie die Leute, die die Weltmeisterschaft gewonnen haben - und sind Neunter geworden. Es ist großartig, dass wir sie haben. Man kann mit den Leuten wunderbar arbeiten, und wir freuen uns schon auf viele gemeinsame Jahre. Das ist auch ein Teil der Stabilität, die wir in das Team bringen möchten."

Smedley macht großen Unterschied

Frage: "Seit Bahrain ist Rob Smedley bei euch an Bord. Welchen Unterschied macht er?"
Symonds: "Einen großen. Er macht einen großartigen Job. Ich wollte ein neues Modell einführen. Ich bin kein Traditionalist und mache Dinge einfach nur so, wie sie waren. Ich analysiere die ganze Zeit. Das Modell, das ich mit Rob einführen wollte, war nicht das eines traditionellen Chefingenieurs. Robs Posten heißt 'Head of Vehicle Performance', und mit diesem Titel kommt eine leicht veränderte Rolle daher. Er hat sich in diese aber gut eingeführt."

"Ein Chefingenieur wäre schon in die Fabrik zurückgekehrt und würde sich mit der Spezifikation für Spa beschäftigen. Was ist mit den Bremsscheiben und brauchen wir mehr Querlenker und solche Sachen. Ich versuche ihn aber absolut von all dem zu trennen. Er soll sich nach Ungarn nur darauf konzentrieren: Was haben wir gelernt? Was hätten wir besser machen können? In welche Richtung müssen wir die Entwicklung des Autos pushen? Er trägt wirklich gut dazu bei."

Frage: "Was siehst du in Rob? Ihr habt vorher nie zusammengearbeitet, und doch scheint ihr euch gut zu ergänzen. Wie seid ihr zusammengekommen?"
Symonds: "Ich wusste, wonach ich suche und habe die Augen offen gehalten. Rob ist bekannter als viele andere, daher wusste ich ziemlich gut, wie er ist. Ich dachte, mit ihm lässt es sich gut zusammenarbeiten. Lustigerweise habe ich am Montag vor Spa bei Williams angefangen, und das erste, was ich getan habe, war, ein Treffen mit Rob am Samstagabend in Spa zu organisieren. Das war das erste Treffen von Angesicht zu Angesicht."

Frage: "Rob kam direkt nach Felipe zu euch, was man natürlich einen seltsamen Zufall nennen könnte. In Spa hatte er allerdings noch keinen Vertrag bei euch..."
Symonds: "Ja, er kam drei Monate vor Felipe."

Frage: "Er wäre auch gekommen, wenn Felipe nicht zu euch gewechselt wäre? Viele behaupten ja das Gegenteil..."
Symonds: "Ja, ich versuche wirklich immer, das zu zerstreuen. Rob ist ein wichtiger Teil des Teams, und Felipe kam später als zusätzlicher Wert obendrauf."

Mit kleinem Budget gegen die Topteams

Frage: "Kommen wir zurück zu dieser Saison: Ihr kämpft gegen Teams mit einem viel höheren Budget. Habt ihr Angst, dass ihr in der Entwicklung überholt werdet?"
Symonds: "Ich bin darüber besorgt und war es schon immer. Bei Renault und vor allem Benetton haben wir mit einem viel geringeren Budget als unsere Konkurrenten gearbeitet. Na gut, bei Renault war es vielleicht nur marginal geringer. Heutzutage kommt so viel Entwicklung durch die Aerodynamik, aber da wir eine strikte Aerotest-Beschränkung haben, gleicht es den Vorteil der größeren Teams wieder etwas aus."

"Wenn man sagt, dass sie 100 Leute haben, die an der Aerodynamik arbeiten, und wir 50, dann können sie zwar mehr Ideen entwickeln, allerdings müssen wir uns alle durch den gleichen schmalen Flaschenhals zwängen. Wir hatten bislang eine sehr gute Entwicklung, auf die wir auch stolz sind. Es wird schwierig, das in der zweiten Saisonhälfte zu behalten, aber ich sehe keinen Grund, warum wir es nicht schaffen sollten. Die anderen haben die gleichen Probleme."

Frage: "Du hast bereits mit vielen großartigen Fahrern zusammengearbeitet. Was ist für dich die entscheidende Eigenschaft, um Weltmeister zu werden?"
Symonds: "Ich hatte in der vorigen Woche eine interessante Unterhaltung mit Fernando Alonso - also der Typ von Airbus, nicht von Ferrari. Wir haben darüber gesprochen, was wir von Fahrern und Testpiloten wollen. Es war interessant, dass wir sehr ähnliche Ansichten hatten. In meiner Welt sehe ich die Fähigkeit, ein Auto schnell zu bewegen, als Geschenk an. Wenn der Fahrer das nicht kann, dann sollte er nicht hier sein."

"Ich schaue daher danach, was jemand zusätzlich dazu beitragen kann. Am wichtigsten ist für mich Intelligenz. Ich schaue nach ruhigem, rationalem, logischem Denken. Man braucht genügend freie Kapazitäten, um während des Fahrens zu analysieren. Man sollte es auch richtig kommunizieren können, ohne groß Emotionen zu zeigen. Ich habe das in Senna, in Schumacher und in Alonso gesehen - und jetzt sehe ich es in Valtteri wieder."

Bottas kann mit Williams Weltmeister werden

Frage: "Glaubst du, dass er den Schritt zu einem anderen Team wagen muss, um Weltmeister zu werden?"
Symonds: "Absolut nicht! Ich habe mich darüber geärgert, dass im Fernsehen gefragt wurde, wohin er gehen muss, um Weltmeister zu werden. Er ist am richtigen Ort, das zu erreichen! Seinen Platz hier zu verlassen, wäre das Schlechteste, das er tun könnte. Wir können ein Team aufbauen, in dem er einen wichtigen Part spielt. Mein Ziel ist es, in den nächsten Jahren um die Weltmeisterschaft zu kämpfen. Er sollte dann da sein. Wenn er wechselt, dann könnte er zur falschen Zeit gehen."

Frage: "Ihr habt Benetton um Michael Schumacher herum gebaut, ihr habt Renault um Fernando Alonso herum gebaut. Werdet ihr Williams um Valtteri herum bauen?"
Symonds: "Der Fahrer ist ein Angestellter des Teams, und zwar ein ganz wichtiger. Man muss vorsichtig sein, ein Team um einen Fahrer herum zu bauen. Wenn man einen Ingenieur verpflichtet, dann kann man darauf schauen: Er hat 15 Jahre gute Erfahrung, ihn kann ich nehmen und er gibt mir weitere 15 Jahre."

"Bei einem Fahrer ist es nicht das gleiche. Man kann sie nicht so lange bewerten, weil ihre Haltbarkeit nicht so lang ist. Man braucht ein wenig Glück, wie bei seinen eigenen Ingenieuren, dass man einen bekommt, der wirklich außergewöhnlich ist. Man muss aufpassen, ein Team um einen Fahrer herum zu bauen. Man muss ein Auto und ein Team bauen, bei dem alle Beteiligten gleich sind. Die Fahrer sind ein Teil davon."

Frage: "Bei Benetton und bei Ferrari konnte man ein Team um Michael herum bauen, weil man wusste, dass er langfristig da ist..."
Symonds: "Ich habe daraus aber was gelernt. Es war absolut erfolgreich, aber es ging zu weit! Denn als Michael gegangen ist, konnte sich das Team nicht da halten. Man muss die Balance richtig hinbekommen."

Massa ist noch besser als gedacht

Frage: "Und was bringt Felipe?"
Symonds: "Viel mehr, als ich erwartet habe! Ich bin sehr froh, Felipe im Team zu haben. Ich dachte, dass er eine perfekte Ergänzung dort wäre, wo das Team im Winter war. Das Team war voller Hoffnung und hat ein wenig Erfahrung gebraucht und hat jemanden gebraucht, der dabei hilft, Valtteri den Weg zu weisen. Ich habe geglaubt, dass Felipe immer noch schnell ist, aber als er bei uns angefangen hat, war er erstens schneller als gedacht und zweitens wurde ihm hier neues Leben eingehaucht. Er ist ein wirklich toller Teamplayer."

"Er sorgt sich sehr um das Team und ist ein echter Gewinn. Ich fühle mich glücklich, dass das Team wieder nach vorne kommt und zwei solche Fahrer hat. Wenn man die ganzen Jahre zurückblickt, dann hatten wir nicht oft so eine Paarung, die so gut war. Man möchte vielleicht sagen, dass Michael und Fernando fantastische Fahrer waren, aber das ist generell eine bessere Paarung. Es erinnert mich ein wenig daran, als wir Michael und Martin Brundle hatten. Das war eine großartige Paarung, was wir zuerst nicht realisiert haben."

Frage: "Wie stark bist du in die Fahrerentscheidung eingebunden?"
Symonds: "Valtteri kommt mir natürlich zuvor, aber ich war vollständig in die Entscheidung über Felipe eingebunden."

Frage: "Einer deiner Vorgänger hat sich beschwert, dass er nicht in die Entscheidungen involviert war. Hört man jetzt mehr auf andere Meinungen als vorher?"
Symonds: "Ja, das Management des Teams ist jetzt viel offener als zuvor. Ich habe schon zuvor mal einen Einblick bekommen, und ich dachte, dass man da ziemlich zugeknöpft war."

Wolff hat eine Chance verdient

Frage: "Wie gefällt dir die Arbeit mit Susie?"
Symonds: "Susie ist gut und eigentlich ziemlich kompetent. Sie erledigt für uns viel Arbeit im Simulator, und wenn man ihr eine Aufgabe gibt, dann erledigt sie diese. Sie arbeitet perfekt mit den Sponsoren und so zusammen. Sie ist wirklich ein wertvoller Beitrag für das Team."

Frage: "Wenn man sie am Wochenende in das Auto gesteckt hätte: Hätte sie sich dann qualifiziert?"
Symonds: "Ja."

Frage: "Könnte sie auch aus körperlicher Sicht eine Grand-Prix-Distanz durchhalten oder muss man daran noch arbeiten?"
Symonds: "Ich kenne die Antwort darauf nicht, da wir das nicht getestet haben. Es ist schwierig. Sie wiegt nichts. Ich weiß nicht, wie schwierig DTM-Autos zu fahren sind. Aber sie ist so unglaublich entschlossen, dass sie es nicht vermasseln würde, wenn man ihr eine Gelegenheit geben würde. darauf wette ich."

Frage: "Glaubst du, dass die neuen Regeln Frauen helfen können, in die Formel 1 zu kommen? Denn die körperlichen Voraussetzungen waren vor zehn Jahren viel wichtiger."
Symonds: "Wenn man in die Zeiten zurückgeht, als die Autos noch echte Monster waren...Selbst Ayrton Senna war 1983 im Toleman nicht stark genug, um ihn zu fahren. Aber so war es schon lange nicht mehr. Mitte der 90er kam die Servolenkung, was einen großen Unterschied macht. Ich denke nicht, dass es die neuen Regeln ausmachen."

Frage: "Allerdings sind die G-Kräfte auch nicht mehr so hoch..."
Symonds: "Aber wir machen die Autos auch besser."

Fotoquelle: xpbimages.com

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