Eric Boullier ist die ständigen Nörgeleien über die Formel 1 leid

Formel 1 2014

— 08.08.2014

Boullier und die Nörgler: "Wir schießen uns selbst ins Knie"

Eric Boullier glaubt, dass sich die Formel 1 mit der ständigen Eigenschelte keinen Gefallen tut, Monisha Kaltenborn will sich hingegen den Fans mit Einfachheit öffnen



Eigentlich sieht sich die Formel 1 selbst als hochklassiges Qualitätsprodukt. Der Sport generiert Einnahmen in Milliardenhöhe, genießt eine große Fanbase, fährt auf zahlreichen Strecken auf der ganzen Welt und sorgt in dieser Saison für spektakuläres Racing. Doch nach außen hin präsentiert man sich leider nicht so prächtig: In den Medien dominieren Schlagzeilen über schlechten Sound, sinkende Zuschauerzahlen, künstliche Überholmanöver, die Ecclestone-Bestechung oder Streitigkeiten wegen des Überfahrens von weißen Linien.

Doch dass die Formel 1 medial nicht sonderlich gut wegkommt, hat sie häufig auch sich selbst zuzuschreiben. Es sind Aussagen von Schlüsselpersonen wie Sebastian Vettel, der immer wieder über die neue Technik motzt, die auch die Zuschauer auf den Zug aufspringen lassen. McLaren-Rennleiter Eric Boullier ist der Ansicht, dass sich die Königklasse damit nur selbst schadet: "Wir schießen uns im Moment selbst ins Knie damit, dass alle ständig nur Kritik üben", so der Franzose.

Dabei habe die Formel 1 das überhaupt nicht nötig, denn es gebe so viel Positives zu berichten: "Wir haben an fast jedem Wochenende großartiges Racing, mehr und mehr Länder sind daran interessiert, Grands Prix auszutragen, und wir sollten diese Änderungen unterstützen, weil es großartig zu sehen ist, wenn die Formel 1 in neue Länder geht", so Boullier. Doch während auf der einen Seite neue Märkte erschlossen werden, werden die Fans auf der anderen Seite immer wieder ausgesperrt.

Kontakt zu Fans schon verloren?

Die Königsklasse gilt im Gegensatz zu vielen anderen Serien nicht gerade als fanfreundlich, sondern wirkt stets ein wenig steril und abgeschottet. Zudem scheint man medial nicht mit der Zeit zu gehen: Bernie Ecclestone setzt weiterhin fast alles auf die TV-Übertragungen, während das Internet fast vollständig ignoriert wird - ebenfalls ein Thema, über das unter den Verantwortlichen diskutiert wird. "Wir sollten uns mehr mit den Fans befassen", sagt auch Boullier.

Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn fürchtet gar, dass man den Kontakt mit der Fanbasis schon verloren hat: "Wir werden langsam so abgeschottet in unserer Welt, dass wir bei den Fans nicht länger Emotionen auslösen können", sagt die Österreicherin. "Wir gehen in eine Richtung, in der wir so steril werden, dass wir keinen Kontakt mehr nach außen aufnehmen."

Dazu beigetragen habe unter anderem die neue Technologie, die für den Ottonormalzuschauer viel zu kompliziert sei. "Der Fan verliert das Interesse zu verstehen, warum jemand ausgeschieden ist, weil er den falschen Knopf gedrückt hat oder dieser Teil dieser Einheit nicht funktioniert hat", schüttelt sie den Kopf. "Die Leute können damit nichts mehr anfangen. Das ist nicht aufregend."

Kaltenborn mag's einfach

Beim Großen Preis von Deutschland drehte sich beispielsweise Adrian Sutil in der Zielkurve und musste sein Auto abstellen. Was von außen wie ein Fahrfehler aussah, entpuppte sich als Fehler im System. Während Sauber dabei von einem "Bedienungsfehler" sprach, machte Sutil selbst das Problem deutlich: "Es ist zu kompliziert, um das zu erklären. Das versteht ihr sowieso nicht. Das ist nicht böse gemeint, aber es ist sehr kompliziert." Und wieder einmal wird der Fan außen vor gelassen.

Auch Kaltenborn ist kein Fan dieser kryptisch wirkenden Formel 1, sie möchte gerne wieder mehr Einfachheit: "Wenn man Dinge vereinfacht, dann kann man auch Emotionen schaffen", sagt sie. "Wir verbinden uns nicht. Es muss dadurch erreicht werden, dass wir die Regeln wieder viel einfacher machen." Das Problem an den Aussagen ist aber Folgendes: Es ist wieder einmal Kritik an der Formel 1 und eine erneute Kugel in Richtung eigenem Sport.

Zuletzt hatte sich auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff öffentlich zum Thema Kritik geäußert: "Dieses dauernde Schlechtgerede der Formel 1 geht mir an die Nieren. Es stimmt einfach nicht", sagt der Österreicher der 'Bild-Zeitung': "Nur weil in Hockenheim so wenig Zuschauer waren wie noch nie, ist unser Sport nicht schlecht." Doch wenn das immer wieder in den Medien proklamiert wird, dann glauben es am Ende vielleicht doch alle. Die nächste Krisensitzung mit Bernie Ecclestone, Luca di Montezemolo & Co. steht auf jeden Fall schon wieder bald ins Haus.

Fotoquelle: xpbimages.com

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