Regenreifen sollten in Spa-Francorchamps immer griffbereit sein

Formel 1 2014

— 18.08.2014

Pirelli: Spa stellt die Reifen auf eine harte Probe

Auf dem anspruchsvollen Kurs von Spa-Francorchamps setzt Pirelli auf die Reifenmischungen Medium und weich - Auch Regenreifen könnten gefragt sein



Mit einem der faszinierendsten Rennen im Kalender setzt die Formel 1 nach der dreiwöchigen Sommerpause die Saison 2014 fort: dem Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps. Für den Klassiker nominierte Pirelli weiß markierten Medium-Reifen sowie den gelb markierten weichen Slick. Im Vergleich zum Vorjahr wurden somit zwei weichere Mischungen kombiniert, um das Spektrum möglicher Rennstrategien der Teams nochmals zu erweitern.

Eine Runde in Spa ist über sieben Kilometer lang. Kein anderer Formel-1-Kurs reicht an diese Dimension heran. Mit seiner einzigartigen Mischung aus schnellen Geraden, Highspeed- und Haarnadel-Kurven, rauem, unebenem Asphalt und einem recht hügeligem Streckenverlauf stellt die Strecke auch die Reifen vor eine ganz besondere Herausforderung. Heftige Kräfte in Quer- und Längsrichtung belasten Fahrer und Technik, in der Senke der legendären Eau Rouge werden die Autos mit 1 g negativer Kompression zusammengestaucht, während gleichzeitig eine Querbeschleunigung von rund 5 g auf ihnen lastet.

Oftmals starke Wetterschwankungen, nicht selten mit heftigen Regenfällen, gehören ebenso wie häufig eher kühle Temperaturen zu den typischen Merkmalen des Ardennenkurses. Gerne regnet es auch an einem Ende der Strecke, während gleichzeitig über anderen Abschnitten die Sonne scheint. Daraus können vermehrte Einsätze des Safety-Cars resultieren. Die Teams müssen also nicht nur eine wirkungsvolle Rennstrategie entwickeln, sondern zudem in der Lage sein, schnell auf sich verändernde Bedingungen zu reagieren. Aus diesem Grund wird in Spa die Flexibilität der Autos, Reifen und Fahrer in schöner Regelmäßigkeit bis aufs Äußerste gefordert.

Weichere Mischungen erlauben flexiblere Strategien

"In Spa erwartet uns eine der beeindruckendsten Rennstrecken des Jahres", Pirelli-Motorsporchef Paul Hembery. "Wir kennen die Strecke sehr gut, nicht zuletzt aufgrund unserer Erfahrungen aus den 24-Stunden-Rennen, der GT-Masters sowie vielen weiteren Engagements. Spa erfordert anpassungsfähige Reifen, die trotz des breiten Spektrums unterschiedlicher Strecken- und Witterungsverhältnisse konstant gute Leistungen bringen."

"In Spa sind Abrieb und Verschleiß der Reifen bekanntermaßen sehr hoch, schlicht weil hier enorm große Energiemengen auf sie einwirken. Dennoch nominierten wir für diesen Grand Prix erstmals seit 2011 die weichen und die mittelharten Slicks. Die Teams werden die weichere der beiden Mischungen aufgrund des beachtlichen Zeitunterschieds während des Qualifyings bevorzugt einsetzen", erwartet der Motorsportchef.

"Nicht zuletzt liegt es auch an der außergewöhnlichen Distanz einer Runde, dass die Reifenstrategie in Spa eine ganz entscheidende Rolle spielen wird. Im Vergleich zu anderen Strecken kann ein Fahrer hier erheblich mehr Zeit gewinnen, wenn er im richtigen Moment mit den richtigen Reifen fährt", so Hembery. "Rennen in Spa gehört zu jener Sorte, in denen es unter besonderen Bedingungen möglich ist, als Letzter zu starten und dennoch zu gewinnen. Und das war schon immer der Garant für einen sehr spannenden Grand Prix."

Alesi: "Spa ist einfach unschlagbar"

"Spa ist einfach unschlagbar, wenn es um den Fahrspaß geht", sagt Ex-Formel-1-Pilot und Pirelli-Berater Jean Alesi. "Allerdings ist die Strecke auch ungemein schwierig, unabhängig davon, ob es regnet. Für die Reifen ist der Kurs ein echter Härtetest. Der Fahrbahnbelag ist sehr rau, der Abrieb entsprechend hoch. Als ich in der Formel 1 anfing, gab es noch Qualifying-Reifen. Es war ungemein schwierig, mit ihnen auch nur eine Runde zu beenden, ohne dass sich Blasen auf der Lauffläche bildeten. Wenn man die unmittelbar vor der Boxengasse liegende Bus-Stop-Schikane erreichte, waren die Reifen in der Regel bereits ziemlich mitgenommen."

"Das ist heute anders, denn die Reifen sind ungleich widerstandsfähiger als damals. Spa muss mit wenig Abtrieb gefahren werden. Andernfalls ist man auf den Geraden nicht schnell genug. Und besonders dort kann man Zeit gutmachen. Der raue Fahrbahnbelag wird bei Nässe zu einem Vorteil. Und es regnet hier wirklich oft. Doch selbst dann hat die Strecke noch ziemlich viel Grip", so Alesi.

Die Anforderungen der Strecke an die Reifen

Um in Spa erfolgreich zu sein, müssen die Fahrer die enormen Energiemengen managen, die aus allen Richtungen auf die Reifen einwirken. Zum Beispiel in der Kurvenkombination Eau Rouge. Dort laufen die Motoren auf Vollast, während die Autos mit rund 300 km/h durch diese Passage fliegen. Die Reifen werden dort mit einer Energiemenge von 1 g gestaucht, während sie zugleich Seitenkräften von 5 g standhalten müssen. Daraus resultiert eine ungewöhnlich hohe Belastung der Struktur sowie der Schulter der Reifen, die auf keiner anderen Rennstrecke sonst auftritt.

Der Medium-Slick hat ein schmaleres Einsatzfenster und liefert selbst bei niedrigeren Temperaturen, wie sie in Spa häufig herrschen, eine optimale Performance. Der weiche Slick hingegen hat ein breiteres Einsatzfenster und ist für höhere Temperaturen ausgelegt. Obwohl es in Spa sehr häufig regnet, blieb es sowohl beim Grand Prix vor einem Jahr als auch beim 24-Stunden-Rennen im vergangenen Monat trocken. Der erforderliche geringe Abtrieb des Setups beeinflusst den Bremsvorgang. Weil im Moment der Verzögerung weniger Kräfte auf das Auto wirken, steigt die Gefahr, dass die Reifen blockieren. Das kann zu Bremsplatten führen.

Im vergangenen Jahr siegte Sebastian Vettel (Red Bull) mit einer Zweistoppstrategie. Gestartet von Rang zwei, absolvierte er zunächst zwei Stints auf den Mediums. Danach ließ er die harten Slicks montieren, mit denen er das Rennen kotrolliert gewann. Romain Grosjean (Lotus) kam dagegen nur einmal in die Boxengasse und wurde Achter.

Fotoquelle: xpbimages.com

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