2013 konnten die Fahrer die Eau Rouge noch problemlos mit Vollgas nehmen

Formel 1 2014

— 22.08.2014

Faszination Eau Rouge: Geht sie noch mit Vollgas oder nicht?

Die Formel-1-Piloten sind sich uneinig darüber, ob die Eau Rouge noch mit Vollgas durchfahren werden kann oder nicht - Fahrer erwarten größere Herausforderung



Jahrelang ließ alleine ihr Name die Herzen aller Formel-1-Fans höher schlagen: die Eau Rouge. Die schnelle Links-rechts-links-Kombination galt stets als eine der gefährlichsten und anspruchsvollsten Herausforderungen im Rennkalender der Königsklasse. Mit dem Wechsel auf die V8-Motoren verloren die Kurven allerdings einiges von ihrer Magie, da die Piloten in den vergangenen Jahren mehr oder weniger problemlos mit Vollgas durch den Streckenabschnitt jagen konnten.

Das könnte sich 2014 allerdings wieder ändern. Denn die neuen Autos sind dank der V6-Turbomotoren auf der Geraden zuvor schneller und verfügen über deutlich weniger Abtrieb als in den vergangenen Jahren. Deshalb gehen nun viele Piloten davon aus, dass Eau Rouge wieder zu der großen Herausforderung früherer Tage werden könnte.

"In den vergangenen Jahren war es kein Problem, sie voll zu nehmen. In diesem Jahr könnte es anders sein", prophezeit beispielsweise Kimi Räikkönen, der in Spa bereits viermal gewinnen konnte. Nico Hülkenberg ergänzt: "Ich habe es jetzt noch nicht gefühlt, aber wenn man davon ausgeht, wie sich die Autos im Vergleich zum Vorjahr auf anderen Strecken angefühlt haben, wird es definitiv mehr Kurve sein, als vorher und auch wieder eine Kurve, die dem Fahrer mehr Mut abverlangt."

Surer: "Glaube nicht, dass es geht"

"Im Trocknen war sie bisher in meiner Zeit immer relativ easy zu fahren und harmlos. Im Regen und auf Intermediates ist es sowieso immer so eine Kurve", so der Force-India-Pilot. Eine Einschätzung, die auch Adrian Sutil teilt: "Ich glaube, das wird eine Mutkurve, so wie es vor langer Zeit mal war. In den vergangenen Jahren war es schon ziemlich einfach im Trockenen, da konnte man mit Vollgas locker durchfahren. Jetzt muss man sich ein bisschen herantasten. Vielleicht kann man im Qualifying voll durchziehen."

Auch Sutils Teamkollege Giedo van der Garde erwartet, "dass die Eau Rouge und Blanchimont weiterhin Vollgas gefahren werden können." Diesen Optimismus teilen allerdings nicht alle, so ist 'Sky'-Experte Marc Surer beispielsweise sehr skeptisch, was das Thema "Vollgas durch Eau Rouge" angeht und erklärt: "Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es geht."

Safety-Car-Pilot Bernd Mayländer schreibt in seiner Kolumne auf 'Motorsport-Total.com': "Von außen sieht Eau Rouge unglaublich spektakulär aus, und auch für mich im Safety-Car ist die Kurve etwas ganz Besonderes. Jedes Mal, wenn ich den Hügel runterfahre und diese Wand vor mir habe, denke ich: 'Boah, ist das steil!'"

"Spa - und das sage nicht nur ich - ist die vielleicht schönste Rennstrecke der Welt. Natürlich denkt jeder sofort an Eau Rouge. In den vergangenen Jahren ging die Passage mit einem Formel 1 relativ locker voll. Ob das dieses Jahr auch so sein wird, weiß ich nicht. Die neuen Autos haben weniger Abtrieb und eine Menge Leistung, da könnte Eau Rouge zumindest mit vollem Tank und nicht mehr ganz frischen Reifen eine echte Challenge sein."

Wie viel riskieren die Fahrer?

Was passiert, wenn man in der Eau Rouge zu ambitioniert zu Werke geht, zeigte beispielsweise Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve, als er sich in der Sasion 1999 drehte und anschließend spektakulär in die Reifenstapel krachte. Während dieser Unfall allerdings noch glimpflich ausging, verlor beispielsweise Stefan Bellof 1985 während eines Sportwagenrennens an dieser Stelle sein Leben.

In der Formel 1 sind die Sicherheitsmaßnahmen heute allerdings so hoch, dass sich viele Fahrer vermutlich recht früh an diesem Wochenende dazu verleiten lassen könnten, die Eau Rouge auch 2014 mit Vollgas zu versuchen. "Eau Rouge sollte voll gehen", sagt so beispielsweise Williams-Pilot Valtteri Bottas selbstbewusst.

"Im Nassen eher nicht, aber da kommt es immer darauf an, wie nass es ist und wie viel Abtrieb du am Auto hast. Das könnte interessant werden. So einfach wie früher ist es wohl in keinem Fall. Im Simulator kannst du die tatsächlichen Bedingungen nur schwer nachstellen, die Temperaturen und den Wind, zum Beispiel. Wir müssen also wohl einfach abwarten. Hoffentlich stellt es eine Herausforderung dar", so der Finne.

Rookie Andre Lotterer berichtet: "Im Simulator ging sie nicht voll. Ich habe sofort gemerkt, dass die Autos viel Leistung haben, aber bezüglich des Abtriebs hätte ich gedacht, dass es etwas einfacher sein würde." Lotus-Pilot Pastor Maldonado berichtet allerdings das Gegenteil: "Bevor wir nicht auf der Strecke waren, können wir das nicht einschätzen. Aber wenn man von der Simulation ausgeht, kann man Vollgas gehen."

Vorteil für Red Bull?

Möglicherweise könnte es auch vom Auto abhängig sein, ob die Piloten die Eau Rouge mit Vollgas durchfahren können oder eben nicht. So erklärt Kevin Magnussen: "Ich schätze mal, dass es Red Bull etwas leichter haben wird in Eau Rouge. Die kommen dort mit weniger Topspeed an, haben aber viel Abtrieb."

Sebastian Vettel berichtet: "In den Simulationen haben wir einen gewissen Eindruck davon bekommen. Es ist wieder eher eine echte Kurve. Wie sehr das der Fall sein wird, müssen wir mal abwarten. Im Regen wird es eine schwierige Ecke - das war aber schon immer so. Im Trockenen wird es interessant."

Generell gilt laut dem Weltmeister allerdings auch für seinen RB10: "Wir haben weniger Abtrieb, kommen dort schneller unten an. Es könnte vielleicht gerade so voll gehen. Es ist die Frage, ob man sich damit wohlfühlt. Im Rennen sieht es aber anders aus, weil man dann mit vollem Tank fährt und die Reifen nachlassen."

Vorfreude auf Herausforderung

Jenson Button fände es auf jeden Fall "gut, wenn es schwieriger wird. Wir alle lieben die Formel 1 als Herausforderung. Deswegen lieben wir Spa und Suzuka. Das sind richtige Strecken. Wenn du dort einen Fehler machst, dann wirst du bestraft. Wenn du bei 300 km/h die Kontrolle verlierst, dann wird es knifflig. Wenn wir jetzt mit weniger Abtrieb fahren, wird es spaßig."

"Nicht nur deswegen, sondern auch wegen des hohen Drehmoments. Wenn man in Eau Rouge kurz vom Gas geht und dann wieder auf das Pedal steigt, dann kommt dort viel mehr Drehmoment als vorher", berichtet Button und Teamkollege Magnussen ergänzt: "Auf etwas älteren Reifen im Rennen wird es bestimmt knifflig. Das hat sich im Simulator gezeigt. Im echten Leben ist es oft aber alles noch etwas schwieriger. Wir müssen es mal abwarten."

Auf einen Simulator konnte Sauber-Pilot Esteban Gutierrez zwar nicht zurückgreifen, trotzdem geht der Mexikaner davon aus: "Mit Sicherheit wird es ziemlich anders werden. Wir werden sehen, wie das Gefühl ist. Zudem sind die Motoren ziemlich kraftvoll und die Geschwindigkeiten hoch. Es wird interessant werden. Ich denke, dass die Eau Rouge weiter mit Vollgas geht."

Die Meinungen gehen bei diesem Thema also bisher noch etwas auseinander, doch in einem sind sich fast alle einig: 2014 wird die Eau Rouge wieder zu einer größeren Herausforderung werden. Eine Tatsache, die dem angekratzten Image der Formel 1 sicher nicht schaden wird.

Fotoquelle: Red Bull

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