Max Verstappen mit 17 in die Formel 1? Jacques Villeneuve ist nicht begeistert

Formel 1 2014

— 22.08.2014

Villeneuve kritisiert: "Formel 1 kein Weihnachtsgeschenk"

Jacques Villeneuve hält die Verpflichtung von Max Verstappen für einen großen Fehler und findet, dass man die Formel 1 nicht wie ein Weihnachtgeschenk bekommen darf



Der Jugendwahn greift in der Formel 1 um sich. Dass Fahrer keine 20 Jahre mehr alt sind, wenn sie in die Königsklasse kommen, ist in den vergangenen Jahren häufiger zu beobachten gewesen, doch dass ein Pilot mit 16 seinen ersten Formel-1-Vertrag bekommt, das ist absolut einmalig. Red Bull machte in dieser Woche Schlagzeilen mit der Verpflichtung von Max Verstappen, der 2015 bei Toro Rosso debütieren wird. Doch während der Hype um den Niederländer groß ist, findet einer die Entwicklung total grässlich: Jacques Villeneuve.

"Das ist das Schlimmste, was der Formel 1 passieren kann", poltert er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Der Kanadier war seinerseits schon fast 25, als er 1996 in die Formel 1 kam und hatte zuvor schon die IndyCar-Serie und das berühmte Indy500 gewonnen. Bei Max Verstappen liest er hingegen nichts dergleichen in der Vita. Stattdessen stößt der Niederländer gleich nach seiner ersten Formel-3-Saison in die Königsklasse.

Villeneuve ist entsetzt: "Die Formel 1 ist die Spitze des Rennsports und man sollte sie verdienen. Man sollte dafür arbeiten und es nicht einfach wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk bekommen. Ähnlich ist es, wenn 18-Jährige Jungs zum Geburtstag einen Ferrari bekommen. Aber das ist sogar noch schlimmer. Er wird 17 sein und er wird das beste Spielzeug der Welt haben: einen Formel-1-Boliden, mit dem er spielen kann. Da ist irgendwo ein Fehler im Konzept."

Auch Cäsar und Napoleon brauchten Geduld

Zwar möchte der Ex-Weltmeister die Qualitäten eines Verstappen nicht abstreiten, dennoch bedeuten die Erfolge in der Formel 3 nicht gleich, dass man schon bereit für die Formel 1 ist, sagt er. Villeneuve findet, dass man sich den Karriereweg vorher erst langsam aufbauen müsse und zieht dafür einen eigenwilligen Vergleich: "Cäsar oder Napoleon waren gut, aber es hat lange gedauert, bis sie zum Herrscher wurden."

Und weiter: "Man nimmt auch keinen 16-Jährigen, der nie auf der Universität war, und macht ihn im besten Krankenhaus zum Doktor - auch wenn er sehr gut und intelligent sein kann. Man muss es sich erarbeiten, man muss lernen und man muss es verdienen. Nur so wird man zum Mann. Und er ist noch ein Junge", schüttelt der Kanadier den Kopf.

Doch der ehemalige Formel-1-Pilot stellt klar, dass er damit nicht Verstappen selbst kritisieren möchte. Seiner Meinung nach mache der Rookie mit seinem Aufstieg alles richtig: "Es ist großartig für ihn, und natürlich unterschreibt man. Vielleicht bekommt man nämlich nur einmal die Möglichkeit. Zumindest wird man bezahlt, man hat eine Karriere - und wenn es nicht klappt, dann hat man es wenigstens versucht."

Wird Verstappen zur Gefahr?

Stattdessen nimmt Villeneuve eher die andere Seite in die Kritik: "Ich denke, es ist mehr Toro Rosso, die falsch liegen." Oder eben Red Bull, die nun zwar gute Publicity bekommen würden, doch dafür einen Fahrer einsetzen werden, der nicht bereit sei. Doch das war eben der Preis, um Verstappen zu bekommen: "Irgendwann wollten ihn alle Teams haben, also konnte er durchsetzen, dass er nächstes Jahr fährt", so der Kanadier.

Was für Red Bull wie ein großes Risiko aussieht, ist es auch für alle Beteiligten. Niemand weiß, wie sich ein 17-Jähriger im Renncockpit schlagen wird, deswegen warnt Villeneuve auch alle Kollegen, die die Strecke mit dem Rookie teilen werden. Denn er hätte in einem Rad-an-Rad-Duell nämlich kein Vertrauen mehr: "Nein! Man ist ein Kind, für die ist das ein Spiel und Spaß", hält der 43-Jährige den Jugendwahn sogar für gefährlich.

"Man spürt die Gefahr nicht. Ich erinnere mich, als ich als 17-Jähriger in der Formel 3 gefahren bin: Ich habe nicht so gedacht wie später. Man hat seine Lehren noch nicht gezogen, man hatte noch keinen großen Unfall, man war noch nicht in schwierigen Situationen. Es ist riskant." Er findet, dass sich die FIA der Sache mal annehmen sollte, denn das Problem sei auch der viel zu laschen Voraussetzungen geschuldet.

Superlizenz und Königsklasse ad absurdum

Für eine Superlizenz muss man nämlich nur 300 Kilometer in einem entsprechenden Formel-1-Boliden nachweisen können, sodass jeder Teenager mit viel Geld theoretisch an eine Rennlizenz kommen kann - für Villeneuve ein Unding: "Es gab eine Zeit, in der man in der Formel 3000 oder irgendwo etwas gewinnen musste, um vielleicht eine Superlizenz zu bekommen. Eine Superlizenz zu bekommen, sollte etwas bedeuten. Man sollte nicht einfach 300 Kilometer fahren und das war's."

Für den Ex-Weltmeister bedeutet eine Superlizenz heute überhaupt nichts mehr. Viel zu leicht komme man da ran. "Aber das ist die Gesellschaft an sich. Jeder bekommt heutzutage Geschenke, ohne etwas zu verdienen", winkt er ab und sieht auch für die Formel 1 eine große Gefahr durch den Verstappen-Einstieg: "Entweder wird es ihn zerstören oder wenn von Anfang an alles gut geht, dann wird die Formel 1 bedeutungslos. Die Formel 1 wird nichts sein."

Eine Teenager-Formel-1 ist nicht das, was sich Villeneuve unter einer Königsklasse vorstellt. Doch etwas dagegen unternehmen, kann er nicht. Er fürchtet sogar, dass sich die Rennserie in Zukunft noch weiter in die falsche Richtung entwickeln könnte: "Was ist der nächste Schritt? Ein Team, das einen 15-Jährigen verpflichtet, nur um die Schlagzeilen zu machen? Irgendetwas läuft falsch", sagt er und sieht zumindest einen Silberstreif: "Deswegen ist es gut, dass Lotterer mit 32 debütiert", lacht er.

Fotoquelle: xpbimages.com

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