Norbert Haug hatte eine teaminterne Kollision nie auf dem Zettel stehen

Formel 1 2014

— 25.08.2014

Silber-Kollision: Haug hätte nie mit Abschuss gerechnet

Ex-Motorsportchef Norbert Haug war sich noch vor Spa sicher, dass es nie zu einer teaminternen Kollision kommen wird und betont: Stallorder war nie Mercedes-Sache



Es ist passiert. Der "Krieg der Sterne" hat am Wochenende in Spa seinen vorläufigen Höhepunkt erlebt - oder Tiefpunkt, wie auch immer man das sehen mag. Nach der teaminternen Kollision zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton war die Stimmung bei Mercedes auf dem Siedepunkt. Die Verantwortlichen tobten ob der Vorkommnisse und riefen eine spontane Krisensitzung auf den Plan.

Schon die ganze Saison über hatte Motorsportchef Toto Wolff vor einem solchen Szenario gewarnt. Freie Fahrt war das Motto, und mehrfach ist es zwischen den beiden Fahrern ziemlich eng geworden. Doch bislang hatte man stets das Vertrauen in das Können der Piloten, auch Wolffs Vorgänger Norbert Haug hätte sich nicht vorstellen können, dass es zu einer solchen Szene kommt: "Diese Arie, der eine schießt den anderen mit Absicht ab, das können Sie vergessen", sagte er noch vor dem Belgien-Grand-Prix bei 'Sky'.

"Ich kann es mir nur vorstellen, wenn die Technik - zum Beispiel die Bremse - versagt, ansonsten sind das Artisten und Könner am Lenkrad. Und jeder weiß: Wenn er den anderen berührt, kann er auch Schaden nehmen." Doch Norbert Haug und alle Verantwortlichen bei Mercedes wurden eines Besseren belehrt. Die Kollision ist passiert und Mercedes hat den möglichen Doppelerfolg in den Ardennen weggeworfen und den größten WM-Rivalen Daniel Ricciardo mit einem Sieg bestärkt.

Titelverluste durch Stallorder-Verzicht

Damit sich solch ein Szenario nicht wiederholt und am Ende nicht auch der eigentlich sicher geglaubte WM-Titel verloren geht, will man bei Mercedes nun eingreifen, um das angespannte Duell in den Griff zu bekommen. Auch das Thema Stallorder steht aktuell zur Diskussion, dabei wollte man zum Wohle des Sports eigentlich nicht von außen intervenieren und es die Fahrer untereinander selbst ausfechten lassen, wie es schon seit jeher das Credo von Mercedes ist.

"Das hat Mercedes immer ausgezeichnet", weiß Haug. "Wir haben Meisterschaften in der DTM verloren, weil wir nicht wie andere Plätze getauscht haben. Aber es geht um Sport und es geht darum, möglichst ohne irgendwelche Teamorder und Platztausche an die Spitze zu gelangen." Doch die Formel 1 ist nicht die DTM. Es geht um viel mehr Geld, viel mehr Prestige, und dafür kann man schon einmal von außen steuern, was passiert, könnte sich Mercedes denken.

Dabei muss vom Platztausch nicht unbedingt die Rede sein. Vielmehr könnte es einen Nichtangriffspakt geben, sodass zunächst jeder Pilot die Chance hat, sich selbst in die bestmögliche Position zu bringen. Dass das Duell bereits vorher zu Gunsten eines Fahrers entschieden wird, das kann sich Haug nicht vorstellen. Das würde kein Fahrer mit dem WM-Titel vor den Augen akzeptieren. Auch eine versteckte Teamorder zu Gunsten eines Fahrers hält er nicht für durchsetzbar: "Ich glaube, die Fahrer merken, ob sie bevorteilt oder benachteiligt werden", sagt er.

Keine Freundschaft nötig

Zumindest dürfte sich das Duell zwischen Hamilton und Rosberg nach den Vorkommnissen in Spa weiter aufgeheizt haben. Für die Fans bleibt spannend zu sehen, wie sich der Kampf entwickeln wird. Vom einstigen Duell zweier Kartkumpel ist man bei Mercedes wohl längst abgekommen. Konnte sich der eine zu Beginn der Saison auch mal für den anderen freuen, ist das mittlerweile wohl passé. Freunde werden Hamilton und Rosberg in dieser Saison sicher nicht mehr.

"Warum sollte die Freundschaft bestehen? Das steht nicht im Vertrag, und es ist nicht die Aufnahmeprüfung, dass dein Teamkollege dein Freund sein muss", erklärt Haug. "Ich glaube, es ist ein Vorteil, dass sie sich lange kennen und respektieren. Aber warum sollten sie Freunde sein? Das ist nicht erforderlich. Die müssen sich respektieren und ordentlich miteinander umgehen - das tun sie." Das war zumindest Haugs Ansicht vor dem Rennen in Belgien.

Seitdem dürfte das Verhältnis noch weiter angespannt haben. Schon nach Rosbergs Qualifying-Fauxpas in Monaco kündigte Hamilton Revanche an, gut möglich dass der Brite beim kommenden Rennen ebenfalls kompromisslos reinhält, wie es Rosberg in Spa getan hat, schließlich beschuldigte er seinen Teamkollegen nach dem Rennen auch, dass dieser es mit Absicht getan habe. Ein Hamilton dürfte sich das nicht gefallen lassen. Jetzt liegt es an Mercedes, dass das Duell nicht noch weiter vergiftet wird.

Fotoquelle: xpbimages.com

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