Newey hält fest: MotoGP läuft Formel 1 in Sachen Dramatik den Rang ab

Formel 1 2014

— 27.08.2014

Newey gibt zu bedenken: MotoGP die echte Königsklasse

Adrian Newey führt an, dass der modernen Formel 1 der "Superheld"-Faktor fehlt wie ihn die MotoGP-Szene vermittelt - James Allison hat andere Sorgen



Galt die Formel 1 bis in die 1980er-Jahre hinein als Bühne für "Gladiatoren", so ist dieser Ruf in den vergangenen Jahren mehr und mehr in den Hintergrund gerückt. Kritiker führen an, dass die Herausforderung, ein Formel-1-Auto am Limit zu bewegen, nicht mehr hoch genug sei und verweisen dabei auf die Tatsache, dass schon Teenager nahezu spielerisch um WM-Punkte mitfahren. Sind die aktuellen Boliden etwa zu einfach zu fahren?

"Das Entscheidende ist, dass die Autos schnell aussehen müssen. Wenn man vor dem Fernseher sitzt, muss man das Gefühl bekommen 'Wow, diese Jungs sind Superhelden. Ich könnte das nicht'", versetzt sich Red-Bull-Designer Adrian Newey in die Lage der Formel-1-Fans und gibt zu bedenken: "Wenn ich ehrlich bin, dann glaube ich nicht, dass die aktuellen Autos diesem Anspruch gerecht werden."

Newey zieht einen Vergleich, bei dem die Formel 1 nicht gut wegkommt. "Wenn man sich ein MotoGP-Rennen anschaut, dann hat man genau dieses Gefühl, dass die Kerle Superhelden sind. Bei dem Haufen Autos, der bei uns rumfährt, ist das anders. Das Leistungsgewicht ist nicht gerade fantastisch", spielt der Red-Bull-Designer auf das aktuelle Verhältnis in der Formel 1 - zirka 600 PS (ohne ERS) zu 691 Kilogramm Gesamtgewicht Fahrer/Auto - im Vergleich zum MotoGP-Verhältnis - zirka 240 PS bei 160 Kilogramm (ohne Fahrer) - an.

Formel 1 muss für die besten Fahrer Herausforderung sein

"Was MotoGP betrifft, finde ich, dass das Racing und die Überholmanöver für den Reiz sorgen", sagt auch Caterham-Technikchef John Iley und sieht darin den Schlüssel in Sachen Publikumsgunst. Dies würde die Formel 1 auch gerne wieder von sich behaupten, doch künstliche Hilfsmittel wie DRS, ERS und Co. können die Fans nur bedingt zufriedenstellen.

So trauert Newey der Formel-1-Turbo-Ära der 1980er-Jahre nach, als die Boliden im Qualifying mehr als 1.000 PS produzierten. "Damals musste man schon aus ganz besonderem Holz geschnitzt sein, um diese Autos zu beherrschen", erinnert sich der Brite und fügt an: "Die Tatsache, dass junge Fahrer, und das sage ich bei allem Respekt, heutzutage ins Auto springen und sofort schnell sein können, ist eine, na ja sagen wir mal, interessante."

Sind die Regeln zu kompliziert?

Auch Ferrari-Technikchef James Allison findet es "wichtig, dass Formel-1-Autos schnell sind. Es ist wichtig, dass sie auf der Strecke spektakulär rüberkommen und dass es für die besten Fahrer der Welt eine Herausforderung ist, diese Autos zu fahren". Die Formel-1-Piloten selbst sehen es ganz ähnlich.

So findet Allison im Gegensatz zu Newey, dass die genannten Publikumsfaktoren "alle zutreffen, ich sehe diesbezüglich also kein großes Problem". Der Ferrari-Technikchef gibt aber auch zu: "Ich kümmere mich eigentlich nicht allzu sehr darum, wo die Formel 1 im Vergleich zu anderen Rennserien steht. Mir geht es vor allem darum, wie schnell mein Auto im Vergleich zu denen der Konkurrenz ist".

Newey vergleicht die Formel 1 abschließend mit einer komplett anderen Sportart: "Obwohl ich einige Jahre lang in Amerika lebte, habe ich bis heute keine Ahnung, wie American Football funktioniert. Ich denke, das geht vielen Leuten so, doch viele machen sich eben die Mühe, die Regeln zu verstehen, weil sie mitreden wollen." Bleibt die Frage, ob dies in der breiten Masse auch für die "neue" Formel 1 gilt.

Fotoquelle: FGlaenzel

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