Stefano Domenicali sitzt seit April nicht mehr am Kommandostand bei Ferrari

Formel 1 2014

— 02.09.2014

Domenicali: "Mit Michael hatte ich das beste Verhältnis"

Ein halbes Jahr nach seinem Aus bei Ferrari spricht Ex-Teamchef Stefano Domenicali über die Scuderia, Michael Schumacher und warum er Eddie Irvine mochte



Seit fünf Monaten ist Ex-Teamchef Stefano Domenicali nicht mehr an der Spitze bei Ferrari. Seit seinem Rücktritt hat sich der Italiener rar gemacht, doch kurz vor dem Heimspiel der Scuderia in Monza zeigt sich Domenicali auf dem "Festa dell'Unita" der Reggio Emilia und spricht vor dem Publikum über die Formel 1 und sein neues Leben. Der italienische Kollege Leo Turrini hat die Worte des 49-Jährigen in seinem Blog festgehalten.

Für Domenicali war das Leben seit der Amtsübergabe ein ruhiges: "Ich habe mich selbst dazu gedrängt, die Freuden des alltäglichen Lebens wiederzuentdecken", sagt er und verrät, dass er im Herbst eine neue Rolle annehmen und nicht in den Vorruhestand treten werde. Welche, das lässt er allerdings offen. Natürlich hat der Italiener in den vergangenen Monaten auch die Formel 1 weiter verfolgt und seinem Nachfolger Marco Mattiacci die Daumen gedrückt.

Dieser hat nun die schwere Aufgabe, die Scuderia wieder in die Erfolgsspur zu führen. Domenicali war das seit 2008 nicht mehr gelungen, doch er weiß, was dem Team guttun würde: "Es würde nicht schaden, die Abgeklärtheit im Team wiederzufinden, denn wir haben gesehen, dass schlaue Leute woanders so die Möglichkeiten bekommen haben, ihr Talent zu zeigen", so Domenicali, der vor allem eines dabei betonen möchte: "Ich kritisiere damit auch mich selbst."

"Fernando hatte einfach Pech"

Die Konsequenzen daraus hat er vor dem China-Grand-Prix im April gezogen - oder ziehen müssen. Die Piloten sind hingegen immer noch an Bord, denn sie genießen weiterhin das vollste Vertrauen von Ferrari. Marco Mattiacci verkündete vor gut einer Woche sogar, dass Fernando Alonso und Kimi Räikkönen auch im kommenden Jahr den roten Anzug tragen werden. Doch vor allem der Spanier wird häufig mit anderen Teams in Zusammenhang gebracht, nachdem er in diesem Jahr voraussichtlich zum fünften Mal den Titel mit Ferrari verpassen wird.

"Er hatte einfach Pech", urteilt Domenicali zum verpassten dritten WM-Titel und bestreitet, dass der Spanier eine schwierige Beziehung zum Team oder ihm gehabt hat: "Fernando ist eine tolle Person, und das meine ich ehrlich. Er hat eine offenere Einstellung zur Kommunikation als 'Schumi' damals. Vielleicht wird manchmal ein Wort falsch übersetzt, aber er stand dem Team nie negativ gegenüber", so der Italiener.

"Räikkönen ist komplett anders als Fernando, aber das finde ich sehr reizend an ihm. Ich bin stolz, dass ich ihn zurück nach Maranello gebracht habe. Ich bereue es nur, dass ich ihm und Fernando nicht die Maschine bereitstellen konnte, die sie verdienen", erklärt Domenicali weiter. Doch mit einem Piloten kam Domenicali in seiner Ferrari-Zeit ganz besonders gut zurecht: Michael Schumacher.

Kleine Fortschritte bei Schumacher

"Er war formidabel, weil sich seine Hingabe nicht nur auf das außergewöhnliche Talent hinter dem Lenkrad beschränkte", lobt der ehemalige Teamchef die Qualitäten des Rekordweltmeisters. "Er hatte die Fähigkeiten, Unannehmlichkeiten nicht nach außen zu tragen, wenn die Dinge auf der Strecke nicht funktioniert haben. Im Team konnte er streng sein, ja selbst schonungslos. Aber nach außen hin, war er immer der Erste, der das Team verteidigt hat."

Natürlich bangt auch Domenicali derzeit um die Gesundheit des Rekordweltmeisters, der seit seinem schweren Ski-Unfall im Dezember auf dem Weg der Besserung ist. "Ich stehe mit der Familie in Kontakt. Sie haben mir gesagt, dass es kleine, stetige Fortschritte gibt, und wir hoffen alle, dass diese schreckliche Sorge bestmöglich ausgeht. Leider müssen wir einfach warten", gibt der 49-Jährige ein kleines Update.

Eine gute Nummer zwei

Vor dem Großen Preis von Monza ist der Italiener nun aber vor allem gespannt, wie es sportlich weitergeht. Mit großem Interesse hat er die Kontroverse bei Mercedes verfolgt, doch auch wenn er nun großen Druck bei Nico Rosberg und Lewis Hamilton sieht, glaubt er nicht, dass Daniel Ricciardo davon profitieren kann. "Aber fragt mich nicht, wie ich die beiden gemanagt hätte", fügt er an. "Aber meine Logik, die ich von (Ferrari-Boss Luca) di Montezemolo und (Ex-Teamchef Jean; Anm. d. Red.) gelernt habe, war eindeutig: Das Interesse des Teams steht immer im Vordergrund und muss immer im Vordergrund stehen."

"Darum mochte ich auch Eddie Irvine. Eddie war eine Nummer zwei, die wusste, dass sie eine Nummer zwei ist und die sich wie eine Nummer zwei verhalten hat", erinnert sich Domenicali und bestreitet, dass man 1999 versucht habe, den Titel nicht zu gewinnen. "Wäre Irvine in Suzuka damals auf der Höhe seiner Fähigkeiten gewesen, die nicht gering waren, hätte er es heimgebracht. Aber zum ersten und wohl einzigen Mal seiner Karriere, hat ihn die Spannung aufgefressen. Samstagnacht hat er nicht geschlafen und es waren keine Frauen auf seinem Zimmer!"

Doch das ist Vergangenheit, genau wie Stefano Domenicali bei Ferrari. Zwar lebt der Italiener in der Nähe der Strecke von Monza und war in den vergangenen fast 25 Jahren immer vor Ort, doch in diesem Jahr wird er sich das Treiben wohl nur von weitem anschauen: "Sie haben mich eingeladen, aber ich denke, ich bleibe der Strecke fern", sagt er. "Vermisse ich die Formel 1? Ja, ein wenig." Doch vielleicht ist der Italiener auch schneller wieder Gast im Zirkus, als er denkt. Beispiele aus der Vergangenheit gibt es genug.

Fotoquelle: xpbimages.com

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