Da war die Welt noch in Ordnung: Die Silberpfeile kurz vor der Kollision

Formel 1 2014

— 04.09.2014

Mercedes-Clash: Massa fordert Strafe, Vettel Verständnis

Die Stewards sahen in der Kollision zwischen Rosberg und Hamilton einen Rennunfall, und auch Vettel & Co. sehen nichts Bestrafungswürdiges - Nur einer wundert sich



Die teaminterne Kollision zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton beim Großen Preis von Belgien hat im Anschluss große Wellen geschlagen. Die Führungsetage bei Mercedes sah die Schuld ganz klar bei Rosberg und machte auch in den Medien keinen Halt davor, dem Deutschen offen die Schuld zuzuschieben. Hamilton witterte gar Absicht in dem Unterfangen, weil er dadurch 18 Punkte auf seinen größten WM-Rivalen eingebüßt hatte.

Doch die Stewards entschieden sich gegen eine Strafe für Rosberg. Sie sahen in dem Vorfall einen Rennunfall und griffen nicht in das Geschehen ein. Doch hätten die Rennkommissare eine vermeidbare Kollision nicht sanktionieren müssen, und öffnen sie mit ihrer Entscheidung nicht Tür und Tor für ein ähnliches Ereignis in Zukunft? Das Fahrerlager diskutiert auch in Monza noch heiß, dabei verkommt die Entscheidung zu einer Glaubensfrage.

Felipe Massa stellt sich zumindest auf die Seite Hamiltons, der ihm 2008 den WM-Titel vor der Nase wegschnappte. "Ich verstehe nicht, warum er (Rosberg; Anm. d. Red.) nicht bestraft wurde. Es war nämlich unmöglich, Lewis an dieser Stelle zu überholen", urteilt der Brasilianer. Beim Angriff an sich sieht der Williams-Pilot noch kein Problem, doch da Hamilton vorne war, hätte sich Rosberg zurückfallen lassen müssen. "Das hat er aber nicht getan und sie haben sich berührt. Nico hat Lewis' Rennen kaputt gemacht. Ich verstehe daher nicht, weshalb da keine Strafe ausgesprochen wurde."

Vettel: Absicht fast unmöglich

Doch mit der Meinung steht Massa in der Unterzahl da. Viele Piloten schließen sich der Meinung der Rennkommissare an und würden Rosberg nicht bestrafen, so wie Lotus-Pilot Romain Grosjean oder Sebastian Vettel. "Ich bin froh, dass keine Strafe ausgesprochen wurde. Es war ein Rennunfall", sagt der Heppenheimer, der das Geschehen auf der Strecke aus der ersten Reihe mitbekommen hatte. "Es ist gut, uns fahren zu lassen. Wenn wir es komplett vermasseln, dann müssen wir bestraft werden, aber in diesem Fall heißt es: Shit happens!"

Überhaupt glaubt der Red-Bull-Pilot nicht, dass sein Landsmann Hamilton absichtlich den Reifen aufgeschlitzt hat. "Es ziemlich schwierig einzuschätzen, wo die Endplatte des Flügels ist, um dem anderen einen Platten zu bescheren", winkt er ab und würde es selbst auch nicht versuchen: "Mein Talent reicht nicht aus, um jemandem mit dem richtigen Timing einen Plattfuß zuzufügen. Das muss ich wohl noch lernen", grinst er vielsagend. "Meiner Meinung nach geht das aber öfter in die Hose als dass es klappt, von daher bin ich nicht sonderlich daran interessiert, mein Talent weiter auszubauen."

"Das ist Rennsport", urteilt Vettel. "Beide versuchen zu gewinnen, und haben das gleiche Auto, von daher ist es ganz natürlich, dass man um das gleiche Stück Strecke kämpft und sich gegen seinen Teamkollegen behaupten muss." Und Romain Grosjean sieht Mercedes sowieso schon genug bestraft: "Sagen wir so: Es war nicht ihr bester Versuch, einen Grand Prix zu gewinnen. Und sie haben ihn auch nicht gewonnen."

Wäre es am Anfang der Saison bestraft worden?

Für Jenson Button ist es hingegen einfach logisch, dass man den Wiesbadener nicht noch zusätzlich sanktioniert hat, weist aber darauf hin, dass dies nur Gnade der neuen, sanfteren Regeln sei: "Wenn es vor vier Rennen passiert wäre, dann bin ich sicher, dass Nico bestraft worden wäre, weil solche Art Vorfälle immer bestraft wurden", erklärt der Brite. Doch durch die neue Einigung auf weniger Bestrafung kam Rosberg so davon - weil man aggressiveres Racing fördern wollte.

Auch das Mercedes-Team entschloss sich nach reiflicher Überlegung, weiterhin auf die Karte freies Fahren zu setzen und seine Piloten nicht einzuschränken. Warum auch, denkt sich Felipe Massa, der in seiner Karriere schon häufiger Opfer einer Stallorder wurde. "Ganz ehrlich: Wenn deine zwei Fahrer um den Titel kämpfen, dann ist das doch fantastisch für das Team. Sie werden ohnehin Weltmeister und können ihre Piloten daher einfach fahren lassen", sieht er keinen Konkurrenten. "Schön ist, dass sie frei fahren dürfen."

Das würde auch Daniel Ricciardo so unterschreiben. Das Australier ist aktuell der schärfste Verfolger der beiden Silberpfeil-Piloten und konnte in Belgien von der Situation erneut profitieren. Zugunsten seiner eigenen WM-Chancen hofft er, dass das Stallduell nicht eingebremst wird: "Sollten sie bei allen restlichen Rennen des Jahres miteinander kollidieren, hätte das natürlich einen großen Einfluss auf mich und mein Abschneiden. Das könnte mir den WM-Titel auf dem Silbertablett servieren", grinst er.

Ricciardo wartet ab

Daran denken will er jedoch nicht: "Vor einem Rennwochenende denke ich aber überhaupt nicht darüber nach, was da zwischen ihnen passieren könnte. Das liegt ja nicht in meinen Händen. Das Beste für mich ist, einfach so weiterzumachen", so der Australier, der sich auch nicht groß mit der Situation bei Mercedes beschäftigt. "Man kann das von außen schwer einschätzen. Und du weißt auch nie, wie sehr die Dinge aufgebauscht werden. Offensichtlich ist, dass sie nicht gerade beste Freunde sind."

Entspannter sieht es Ex-Weltmeister Mika Häkkinen: "Ich war lange in der Formel 1, und ich denke, das ist eine ziemlich normale Situation, wenn zwei Teamkollegen hart gegeneinander kämpfen", sagt der Finne. "Vor allem, wenn das Auto so stark ist und nur einer von beiden die Weltmeisterschaft gewinnen kann, entstehen große Spannungen". "Beiden ist klar: Ein Punkt kann am Ende den Unterschied ausmachen", wirft Felipe Massa ein und hat einen Tipp: "Ich sehe aber Nico vorn. Er hat mehr Punkte, also ist es einfacher für ihn. Jetzt würde ich mein Geld auf ihn setzen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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