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Formel 1 2014

— 07.09.2014

Erfolgreiches Silberpfeil-Duell ohne Duell

Mercedes raste in Monza zu einem überlegenen Doppelerfolg, hatte dabei aber einige Schwierigkeiten zu überstehen: Das erwartete Duell war am Ende keins



Von zero to hero innerhalb von zwei Wochen: Mercedes ist nach dem Debakel von Spa-Francorchamps wieder obenauf. In Monza feierten die Silberpfeile eine Wiederauferstehung und machten einen dominanten Doppelerfolg perfekt. Diesmal war es Lewis Hamilton, der seinen Teamkollegen Nico Rosberg im Griff hatte und den Sieg nach Hause fahren konnte.

"Ich fühle mich gut und bin dankbar für die Unterstützung der Fans, meiner Familie und den Jungs von meinem Auto und in der Fabrik", jubelt der Brite im Anschluss an das Rennen. "Zu sehen, dass wir einen Doppelerfolg einfahren und von den anderen wegziehen können, ist ein unglaublicher Erfolg."

Für Rosberg war heute allerdings mehr drin als "nur" der zweite Platz, doch nach zwei Verbremsern in der ersten Schikane musste der Deutsche seinen Teamkollegen ziehen lassen - und verhinderte so automatisch ein Duell mit Hamilton. "In allererster Linie ist es ein toller Tag für das Team, weil die Anweisung nach den schwierigen letzten Wochen klar war: Wir müssen hier die Plätze eins und zwei holen. Das ist grandios aufgegangen heute", freut er sich trotz der Niederlage.

Rosberg enttäuscht

Doch so richtig zufrieden konnte er nicht sein, da ausgerechnet sein schärfster WM-Rivale gewinnen konnte: "Für mich war es sehr enttäuschend heute", sagt er und erklärt, wie es zu dem Fauxpas kommen konnte: "Er war einfach sehr schnell unterwegs heute, und da musste ich einfach mehr ans Limit gehen - und habe mich dann in Kurve 1 verbremst. Somit war das dann gelaufen. Das ist natürlich sehr schade, aber so ist es halt. Der zweite Platz ist einigermaßen okay, es sind noch viele Punkte, das ist wichtig. Von daher gibt es Schlimmeres."

"Es war schade, dass es heute nicht geklappt hat, aber Lewis ist ein großartiges Rennen gefahren und hat es verdient", kann er seinem Rivalen allerdings Respekt zollen. Freunde werden sie aber auch nach dem heutigen Doppelerfolg wohl nicht werden, auch wenn es auf dem Podium zu einer symbolischen Geste kam. Auf die Frage, ob sie wieder Freunde seien, legte Hamilton kurz den Arm um Rosberg, doch wich gekonnt aus: "Klar, wir sind Teamkollegen."

Für Mercedes ist das allerdings nur Nebensache. Bei den Silberpfeilen freut man sich, dass es nach den Vorkommnissen von Spa mit dem Doppelerfolg geklappt hat. "Es war ein aufregendes Rennen. Das hatte ich nach dem Start so gar nicht mehr erwartet. Das war ein perfektes Rennen, ich muss mich sowohl bei Lewis als auch bei Nico bedanken", zieht Aufsichtsratsvorsitzender Niki Lauda bei 'RTL' virtuell die Kappe.

Der Österreicher hat trotz des fehlenden direkten Zweikampfs einen engen Fight gesehen: "Wir sagten seit dem ersten Tag, dass sie gegeneinander fahren dürfen. Und wie man gesehen hat, haben beide auch bis zum Ende wie wild gekämpft. Das macht mich zwar verrückt, aber so ist das nun mal", sagt er, während Motorsportchef Toto Wolff auch ein wenig froh ist, dass sich seine Piloten nicht näherkamen: "Die Art Adrenalinschübe brauchen wir nicht mehr, dass sie ständig fighten, aber es war spannend genug", sagt er bei 'Sky'.

Am Start das erste Problem

Im Grunde war der Sieg für die Silberpfeile ungefährdet, obwohl das Team im Rennen zwei Probleme zu erdulden hatte. Das erste war gleich am Start, als Hamilton von der Pole bis auf Rang vier zurückgereicht wurde. "Wir haben leider ein Problem gehabt, dass wir bei der Kalibrierung der Kupplung irgendeinen Gremlin im System hatten, den wir noch analysieren müssen. Das tut uns leid", sagt Wolff.

Hamilton selbst kann da ein bisschen mehr erklären: "Es gibt einen Knopf auf dem Lenkrad, der uns in die Startprozedur bringt. Man muss ihn benutzen, es gibt keine Chance, dass man ohne ihn startet. Wenn man ihn drückt, sorgt er für ein neues Mapping, das dabei hilft, die Umdrehungen zu kontrollieren. Ich habe es vor der Einführungsrunde gedrückt, aber es hat nicht funktioniert." Auch beim Start hat es nicht funktioniert, sodass seine Räder durchdrehten und er schlecht vom Fleck kam: "Glücklicherweise konnte ich den Verlust gering halten."

Somit war das Leben für Hamilton wieder einmal schwieriger als geplant, doch gerade dann scheint der Brite immer aufzudrehen. Doch er winkt ab: "Ich denke nicht, dass es mir hilft. Zum Glück konnte ich mein Auto heil durchbringen, habe aber dann gedacht: Mist, Nico zieht weg, ich muss die anderen so schnell wie möglich überholen. Glücklicherweise bin ich schnell an Magnussen vorbeigekommen, danach hat Felipe einen guten Kampf geliefert, aber er war sehr fair."

Rosbergs entscheidender Fehler

Für den zweiten Schreck sorgte Nico Rosberg, der sich in der ersten Schikane wie angesprochen zweimal verbremste und Hamilton so den Sieg ermöglichte. "Es ist komisch, weil das gar nicht Nico ist, sich zweimal an derselben Stelle zu verbremsen", analysiert Wolff. "Der Druck war da, Lewis war schon verdammt stark an diesem Wochenende." Doch während man ursprünglich ein Problem mit der Bremse im Verdacht hatte, nahm Rosberg die Schuld dafür auf seine Kappe.

Doch Wolff erklärt, dass es auch mit der Bremse zu tun hatte: "Wir haben in diesem Fall die Bremse ein wenig nach vorne gedreht, um die Hinterachse zu schützen. Das machen wir im Rennen, und das war dann gerade der Klick zu viel, der verbunden mit einem harten Bremsmanöver diesen Verbremser ausgemacht hat", so der Österreicher.

Dass Hamilton den Fehler Rosbergs ausnutzen konnte, lag auch daran, dass er den Funkspruch seines Teams ignoriert hatte, sich zurückfallen zu lassen. "Das Team hat gesagt, das wir vielleicht Reifen schonen sollten, um am Ende anzugreifen, aber ich wusste, dass ich dann nicht vorbeikommen würde", erklärt Hamilton. "Solange die Reifen gut waren, habe ich sie ausgenutzt und Druck ausgeübt."

Hamilton: Keine Order ignoriert

"So hab ich es auch in anderen Rennen gemacht, und es scheint gut funktioniert zu haben." Mit Ignorieren einer Teamorder habe das aber nichts zu tun, meint er: "Nein, es ist kein Ignorieren. Mein Team gibt mir Ratschläge, wie ich das Rennen am schnellsten beenden kann, aber man muss ja nicht immer darauf hören. Es hat funktioniert."

In der WM-Wertung führte das dazu, dass Hamiltons Rückstand auf 22 Punkte geschrumpft ist und somit wieder in einem Rennen aufholbar ist. Doch Rosberg muss einfach nur einen kühlen Kopf behalten, sagt Wolff: "Er weiß, dass er sich an Wochenenden, an denen Lewis stark ist, auch einen zweiten Platz leisten kann. Da muss man auch clever sein - und er hat ein cleveres Rennen abgeliefert."

Als nächstes steht mit Singapur wieder ein komplett anderer Kurs an - wird es wieder ein leichter Sieg für Mercedes? "Nein, das darf man nie sagen. Das wäre so vermessen und arrogant", meint Wolff. "Wir werden uns wieder bemühen, wir haben ein paar gute Sachen, die aufs Auto kommen, und insofern glaube ich, dass wir in Singapur konkurrenzfähig sein können, aber das ist natürlich ganz anders als hier. Es ist viel schwieriger zu überholen, da muss man im Qualifying wieder gut dastehen. Neues Rennen, neues Glück."

Fotoquelle: xpbimages.com

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