Man jubelt zwar gemeinsam, aber das Miteinander im Team hat schwer gelitten...

Formel 1 2014

— 08.09.2014

Eiszeit bei Silber: Jeder für sich

Mit "unterkühlter" Stimmung zwischen den Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg geht das Mercedes-Team in die entscheidende Phase der Formel-1-Saison



Nach den ersten Erfolgen jubelten Lewis Hamilton und Nico Rosberg noch gemeinsam. Doch das ist schon lange nicht mehr der Fall. Denn seitdem klar ist, dass die beiden Mercedes-Piloten den WM-Titel unter sich ausmachen werden, hat das Teamduell bei Silber wesentlich an Schärfe gewonnen. Und die Berührung in Spa-Francorchamps hat ihr Übriges dazu beigetragen, dass jetzt Eiszeit herrscht.

Selbst Mercedes-Sportchef Toto Wolff kommt nicht umhin, die Situation in seinem Rennstall als "unterkühlt" zu bezeichnen. Er sagt nach dem Großen Preis von Italien in Monza aber auch: "Aus Teamsicht ist es mir ganz egal, solange sie sich und die Regeln der Transparenz respektieren. Man kann von zwei Fahrern nicht erwarten, dass sie befreundet und herzlich sind, wenn es sich in der Meisterschaft zuspitzt."

Angesichts der Lage in der WM-Gesamtwertung sei es nur verständlich, dass jeder Fahrer seine eigenen Interessen verfolge - um jeden Preis. "Da musst du alles spielen, was du hast", meint Wolff. "Dazu gehört es sicher nicht, freundlich zu sein." Allerdings, und das betont Formel-1-Experte Marc Surer, können sich Hamilton und Rosberg im Endspurt des Rennjahres nicht einfach so aus dem Weg gehen.

Kommunikation auf Sparflamme

"Die kommen ja immer wieder zusammen, auch im Team bei den Besprechungen", so der ehemalige Grand-Prix-Pilot. Er wisse aus eigener Erfahrung, dass sich Stallgefährten trotzdem nicht unbedingt viel zu sagen haben. "Natürlich gibt es Teamkollegen, mit denen man kaum was spricht", sagt Surer. "Nelson Piquet hat zum Beispiel nichts erzählt, weil er nicht wollte, dass ich seine Abstimmung kenne."

Als Rennfahrer müsse man damit umgehen, sagt TV-Experte Surer. "Man lernt damit zu leben. Dann hat man halt seine Leute, man redet mit seinen Ingenieuren und geht am anderen vorbei und sagt vielleicht bestenfalls 'guten Morgen'. Und sonst bleibt eigentlich nichts übrig, wenn man nicht das Heu auf derselben Bühne hat." Heißt im Klartext: In den restlichen Rennen fährt jeder einfach nur für sich.

Damit steigt natürlich auch die Crashgefahr, schließlich wollen Hamilton und Rosberg in jedem der verbleibenden Rennen den Sieg, wie sie in Monza erklärt haben. "Ich denke nur daran, dass ich alle restlichen Grands Prix gewinnen will", sagt Hamilton. Rosberg meint: "Ich fahre auf keinen Fall auf Nummer sicher, sondern ich fahre auf Sieg." Und die Brechstange haben beide im Auto mit dabei.

Vorteil Rosberg durch Punktevorsprung

Die Berührung von Spa-Francorchamps, wo Rosberg Hamilton touchiert hatte, sei aber endgültig abgehakt, sagt Rosberg: "Wir haben vor dem Monza-Wochenende einen Strich gezogen." Er rechne damit, dass sich die Gemüter wieder beruhigen werden. "Mit der Zeit, wenn alles gut geht, wird das wieder abflachen", so der Deutsche. Und weiter: "Aber natürlich ist dieses Thema jetzt frisch im Kopf."

Vor allem bei Hamilton, der in Spa-Francorchamps wichtige Punkte eingebüßt und weiter einen Rückstand auf Rosberg hat. Seine Aufgabe ist im Saisonendspurt die schwierigere, wie auch Wolff bestätigt: "Nico kann das jetzt clever runterfahren. Nach Monza hat er 22 Punkte Vorsprung. Da kann er oft Zweiter werden." Hamilton hingegen muss seinen Teamkollegen unbedingt mehrfach schlagen.

Psychologisch dürfte sich Rosberg, trotz der Niederlage beim Großen Preis von Italien, also im Vorteil befinden. Doch Wolff sieht beide Mercedes-Piloten gut gerüstet, wenn er sagt: "Um die Sache zu Ende zu bringen, braucht es eine unglaublich starke Psyche. Die besitzen beide. Nach Spa ist keiner von ihnen in ein Loch gefallen. Und als Champion muss man einfach Höhen und Tiefen durchmachen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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