Der Formel-1-Aufstieg von Max Verstappen wird teils kritisiert

Formel 1 2014

— 08.09.2014

Superlizenz: Neue Kriterien für den Nachwuchs gesucht

Max Verstappen auf der Überholspur: Darf ein 17-Jähriger den "Formel-1-Führerschein" bekommen? Teamchefs fordern neue Superlizenz-Kriterien



Der bevorstehende Formel-1-Einstieg von Max Verstappen bei Toro Rosso 2015 sorgt im Hintergrund für weitere Diskussionen. Die aktuelle Frage: Darf ein 17-jähriger Fahrer, der nicht einmal im Besitz eines normalen Führerscheins ist, bereits nach einem Jahr im Automobilsport die Superlizenz - also den "Formel-1-Führerschein" - erhalten? Im Fahrerlager ist man unterschiedlicher Ansicht. Talente sollte man nicht einbremsen, sagen die einen. Die Rookies sollen sich in Nachwuchsserien über Jahre beweisen und Erfahrungen sammeln, meinen die anderen.

Auf einem Treffen von Teamchefs am Freitagmorgen in Monza war die Superlizenz ein großes Thema. Es gibt den Wunsch, für Talente im Motorsport eine klarere Linie des möglichen Aufstiegs in die Formel 1 vorzuzeichnen. Youngster sollen den Unterbau der Königsklasse durchlaufen, dabei wichtige Erfahrungen sammeln. So ganz nebenbei könnten auf diesem Wege die Serien wie Formel 4, Formel 3, GP3 oder GP2 aufgewertet werden, denn die kommenden Superstars müssen sich dort behaupten und nicht auf der Überholspur einfach vorbeiziehen.

"Grundsätzlich als Racer finde ich, dass außergewöhnliches Talent gefördert werden muss. Max Verstappen ist mit Sicherheit ein außergewöhnliches Talent, so wie er im Kart alles in Grund und Boden gefahren hat und nun als Rookie in der Formel-3-EM agiert", argumentiert Toto Wolff. "Er ist mit Sicherheit Formel-1-Material, wie man so schön sagt. Er ist ein Star der Zukunft." Der Österreicher ist jedoch ein Freund von solider Ausbildung. So will man es im neuen Mercedes-Juniorenprogramm handhaben.

Mercedes hätte Verstappen in GP2 geschickt

"Auch wir haben mit Max gesprochen. Wir hätten wahrscheinlich GP2 mit ihm gemacht und den einen oder anderen Tag im Formel-1-Auto. Das wäre für uns das Richtige gewesen", sagt der Mercedes-Motorsportchef, der Verständnis dafür zeigt, dass Verstappen seine Toro-Rosso-Chance ergriffen hat. "Ob es für die Formel 1 richtig ist, einen 17-Jährigen dort hineinzustecken, der eine Saison im Formelsport hinter sich hat, ist eine andere Sache. Die Formel 1 ist nicht der Spielplatz, wo man ausgebildet wird. Hier sollte man gewisse Erfahrungen mitbringen. Die hat er im Formelsport noch nicht. Deswegen hoffe ich, dass das alles gut geht."

Solche Diskussionen werden womöglich bald der Vergangenheit angehören, wenn durch veränderte Kriterien für die Erteilung der Superlizenz eine mehrjährige Formelsport-Karriere vorgeschrieben wird. "Was wir auf jeden Fall machen: Wir werden das Prozedere zur Erlangung der Superlizenz bereinigen. Da stehen Meisterschaften drin, die es schon lange nicht mehr gibt, die man gewinnen muss, oder wo man unter die ersten Drei kommen muss. Das müssen wir bereinigen und vielleicht noch ein paar Dinge verändern", so Wolff.

"Es muss angepasst werden. Nicht nur, weil es einige Serien nicht mehr gibt, sondern weil auch das Niveau in den einzelnen Serien immer wieder erheblich schwankt", stimmt McLaren-Teamchef Eric Boullier zu. "Nehmen wir mal das Beispiel Max Verstappen. Der hat im kommenden Jahr nicht einmal einen Führerschein für die Straße. Max ist ganz sicherlich ein schneller und sehr talentierter Fahrer, aus Marketingsicht ist es eine großartige Story. Es gibt bestimmt positive Dinge daran, aber eben auch einige Fragezeichen. Er ist halt noch nicht erwachsen."

Wo bleibt eine klare Aufstiegsleiter in Richtung Formel 1?

"Er kommt auf der Überholspur und setzt alle Mechanismen zur umfassenden Ausbildung außer Kraft. Wenn einer die Nachwuchsserien wie GP3 oder GP2 einfach auslässt, dann ist es auch nicht gut für das Businessmodell", meint der Franzose, der selbst als ehemaliger Boss von DAMS in der GP2 in der Verantwortung stand. "Es fehlt in der Formel 1 eine klare Ausbildungsroute. So etwas könnte beispielsweise von der FIA klar vorgegeben werden."

Boullier ist bewusst, dass man bei der Festlegung neuer Kriterien mit Augenmaß vorgehen muss. "Manche Teams verkaufen ihre Cockpits für das Training am Freitagmorgen. Da sind dann auch manchmal Fahrer dabei, die vielleicht gar nicht alle Bedingungen für eine Erteilung der Superlizenz erfüllen. Das ist ein Teil des Problems. Ein zweiter Teil ist die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren Formelserien entstanden und wieder gestorben sind. Es gibt keinen klaren Weg in Richtung Formel 1", sagt er.

Boullier und Wolff wünschen sich eine fest definierte Leiter, die junge Talente nach dem Kartsport auf dem Weg in Richtung Formel 1 erklimmen müssen. "Im Fußball gibt es klare Strukturen - eine dritte, eine zweite, eine erste Liga. Hier im Motorsport ist das alles verwirrend und durcheinander", so Boullier.

Die Superlizenz kann derzeit auf unterschiedlichen Wegen erlangt werden. Beispielsweise reichen 300 Kilometer in einem Formel-1-Auto bei zügiger Fahrweise. Oder man gewinnt Meisterschaften. Caterham-Freitagstester Roberto Merhi gewann 2011 den Titel in der Formel-3-Euroserie. Da dieser Erfolg aber mehr als zwei Jahre zurückliegt, zählt er bei der Erteilung der Superlizenz nicht. Als hätte Merhi nie gewonnen...

Fotoquelle: Red Bull Content Pool

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