Hat trotz Totalüberwachung weiter gut Lachen: Mercedes-Sportchef Toto Wolff

Formel 1 2014

— 09.09.2014

Verschwörungstheorien um Wolff: Ein Mann, der lächelte

Das Grinsen beim entscheidenden Manöver des Italien-Grand-Prix sei ein Missverständis gewesen, sagt der Sportchef - Verschwörungstheorien "paranoid"



Für Verschwörungstheoretiker war die Runde 29 des Italien-Grand-Prix in Monza am Sonntag ein gefundenes Fressen: Als Nico Rosberg sich zum zweiten Mal in der ersten Schikane verbremste und Lewis Hamilton im Duell um den Sieg kampf- und kontaktlos vorbeiziehen lassen musste, zeigte das internationale TV-Bild Toto Wolff mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Ausgleichende Gerechtigkeit für Spa-Francorchamps? Erleichterung über ausbleibenden Flügelsalat? Oder einfach nur ein dummer Zufall?

Letzteres bestätigt der Mercedes-Sportchef. "Was wirklich verrückt ist: Alles wird zu interpretieren versucht", meint Wolff kopfschüttelnd. "Ich fühle mich wie 'Big Brother is watching you'. Das nächste Mal verstecke ich mich im Ingenieursraum." Gegrinst habe er, als Hamilton die Lücke zu Rosberg mit schnellen Rundenzeiten schloss und so die Weichen für ein erneutes Duell der Silberpfeile stellte. Die Fernsehregie, erklärt Wolff, habe die aufgezeichnete Szene erst nach dem Verbremser eingespielt.

Die ständige Überwachung während eines Rennens ist laut dem Österreicher wie geschaffen, solche Missverständnisse zu schaffen - insbesondere in Verbindung mit dem zeitversetzten Charakter der Bilder, der schon bei den Funksprüchen immer wieder für Verwirrung sorgt. "In der Box halten zehn oder fünf Kameras auf mich drauf. Sie zeigen nie Live-Bild. Wer da zu viel hineininterpretiert, dem ist nicht zu helfen", beklagt Wolff. Dabei war noch gar nicht die Rede davon, was britische Zeitungen kolportierten.

Rosberg staunt: "Warum hätte ich das tun sollen?"

Auf der Insel spekulierten Teile der Regenbogen-Presse zu Wochenbeginn über ein eingefädeltes Manöver, um Hamilton für den Punktverlust in Belgien zu entschädigen. Rennlegende Jackie Stewart heizte an:: "Ich hielt es für ein bisschen zu einfach. Er hätte wenigstens versuchen können, die erste Kurve zu bekommen. Beim zweiten Mal dachte ich mir: 'Was bitte ist denn hier los?'", sagt der Schotte 'Sky Sports F1', rudert auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com' aber zurück: "Ich war aber überrascht, dass ihm so etwas passiert. Ob er da in den Spiegel geschaut hat? Ich weiß es nicht."

Nach eigener Aussage fuhr Rosberg deshalb sofort geradeaus, weil die Räder früh stehenblieben und ihm ein so sehr wahrscheinlicher Bremsplatter beim Ein-Stopp-Rennen in Monza teuer zu stehen gekommen wäre. Also lieber kein Risiko. Eine Stallorder hält der Deutsche für absurd: "Warum hätte ich das tun sollen? Warum hätte das Team das sagen sollen?", fragt sich Rosberg. "Es hätte nur Spa sein können. Das war ein Fehler, für den ich mich entschuldigt habe. Es gab Gespräche und es ist erledigt."

Wolff bekennt sich zur Neutralität

Wolff hat kein Verständnis dafür, was die Verschwörungstheoretiker wittern: "Nur wer paranoid ist, könnte auf so eine Geschichte kommen. Wenn das unsere Idee gewesen wäre, hätten wir ein verdammtes Meisterstück abgeliefert." Unterstützung erhält er von 'Sky'-Experte Marc Surer, der den durch den Teamkollegen aufgebauten Druck auf Rosberg als Grund für dessen Fehler in Erwägung zieht: "Hamilton war das ganze Wochenende der Schnellere. Da könnte es sein, dass er sich einfach verbremst hat."

Der Schweizer weiß aber auch, dass Spekulationen über ein Eingreifen von außen durchaus ein Fundament besitzen: "Wenn man in der modernen Formel 1 eine Teamorder oder einen Positionswechsel machen möchte, ohne dass es jemand mitkriegt, kann man das auf technische Weise sehr einfach lösen." Wolff will als Sportchef nach eigenem Bekunden in Zukunft so neutral wie möglich bleiben. Stewart glaubt an ein WM-Duell, das bis zum Schluss spannend bleibt. In jeder Hinsicht.

Fotoquelle: xpbimages.com

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