Die FIA will dem Eindruck entgegenwirken, dass die Ingenieure das Auto steuern

Formel 1 2014

— 11.09.2014

Brief an Teams: Hilfe via Boxenfunk ab sofort verboten

FIA-Rennleiter Charlie Whiting hat die Teams darüber informiert, dass die Piloten via Boxenfunk keine Fahrtipps mehr erhalten dürfen - Auslöser war eine Imagedebatte



Vor wenigen Tagen wurde darüber noch spekuliert, jetzt ist es Gewissheit: In Zukunft dürfen die Teams ihren Fahrern per Boxenfunk keine Anweisungen mehr geben, die sich auf die Leistung der Boliden oder der Fahrer auswirken. FIA-Rennleiter Charlie Whiting hat das den Rennställen heute in einem Brief mitgeteilt.

Was das genau bedeutet? Dass die Renningenieure in Zukunft ihren Fahrern nicht mehr mitteilen dürfen, wie sie fahren sollten, um Zeit zu gewinnen, wie das zuletzt immer wieder der Fall war. Vor allem im Mercedes-Rennstall, wo Nico Rosberg und Lewis Hamilton um die WM kämpfen, bat der Brite seinen Renningenieur Peter Bonnington regelmäßig um Auskunft, wo er gegenüber seinem Teamkollegen Zeit verliert - eine Antwort wäre ab sofort illegal.

Bestehender Reglement-Absatz wird härter umgesetzt

Man beruft sich dabei auf Artikel 20.1 des Sportlichen Reglements, der nicht geändert wurde, aber "ab sofort" - wie es in dem Brief heißt - "geltend gemacht" wird. "Demnach darf kein Gespräch über Funk von der Box zum Fahrer irgendwelche Informationen beinhalten, die sich auf die Performance des Autos oder des Fahrers beziehen. Die FIA weist ebenfalls darauf hin, dass Datenübermittlung von der Box zum Auto durch Artikel 8.5.2 des Technischen Reglements der Formel 1 verboten ist".

Unberührt von der Klarstellung bleiben Gespräche über die Boxenstrategie sowie Sicherheitsfragen. Man darf gespannt sein, wie lange es dauern wird, ehe sich die Teams auf die neue Situation eingestellt haben und Wege finden, diese zu umgehen - wie beim Verbot der Stallorder, das einige Jahre lang galt und die Teams dazu veranlasste, ihren Piloten verschlüsselte Botschaften durchzufunken.

Zumal der Kern des Verbots ohnehin die Außenwirkung der Funksprüche ist: In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Kritik, wonach sich die im TV übertragenen Gespräche negativ auf das Image der Formel 1 auswirken könnten: Man habe nicht den Eindruck, dass sich die besten Autofahrer der Welt im Kampf Mann gegen Mann duellieren würden, sondern diese sich von Technikern erklären lassen müssten, wie sie zu fahren haben, hieß es immer wieder.

Prost: Negatives Image durch Boxenfunk

Zuletzt schlug auch Ex-Weltmeister Alain Prost gegenüber 'Autosport' in diese Kerbe: "Wenn ich etwas Negatives über die aktuelle Formel 1 zu sagen habe, dann sind es die Funksprüche." Diese würden den Eindruck machen, dass das Rennfahren "zu einfach" geworden ist "und von jemand anders als vom Fahrer gesteuert" werde. "Was Schlimmeres kann nicht passieren."

Darüber hinaus stört es Prost, wenn sich Piloten via Funk über ihre Kollegen beschweren. "Das kann es nicht sein, wenn sie sagen: 'Er hat mich berührt, was soll ich tun? Sagt es Charlie Whiting, sagt Charlie, dass er ihn bestrafen soll.' Das sollte gestrichen werden", fordert der Franzose.

Hintergrund: Der Boxenfunk wird von den Piloten als strategisches Hilfsmittel genutzt, um auf Rennleiter Whiting und die Rennkommissare Druck auszuüben. Sie hoffen, durch ihre lautstarken Beschwerden eine Strafe des Rivalen zu erwirken - in Zeiten, als der Boxenfunk noch intern blieb, war dies anders. Das weiß auch Prost: "Die Zeiten haben sich geändert - normalerweise sollte man sich nicht beschweren, und wenn doch, dann sollten wir es nicht erfahren."

Fotoquelle: Red Bull

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