Luca di Montezemolo: Wirtschaftlich erfolgreich, sportlich nicht

Formel 1 2014

— 16.09.2014

Ferrari-Boss: Mehr Siege bedeuten nicht mehr verkaufte Autos

Der scheidende Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo sieht keinen Zusammenhang zwischen sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg - Monza-Pace macht Mattiacci Mut



Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo muss nach 23 Jahren sein Amt an der Spitze der Scuderia räumen. Zum Verhängnis wurden dem Italiener die sportlichen Misserfolge, die die starken wirtschaftliche Erfolge in den Hintergrund drängen. Mit di Montezemolo an der Spitze fuhr Ferrari im ersten Halbjahr 2014 zwar ein Rekordergebnis von Einnahmen in Höhe von 1,349 Milliarden Euro ein, doch weil er das Formel-1-Team nicht auf die Siegerstraße führen konnte, nützt ihm das gar nichts.

Doch wie kann es sein, dass Ferrari in Zeiten sportlicher Misserfolge einen neuen Rekordumsatz machen kann? Für den scheidenden Präsidenten ist das keine Zauberei, denn entgegen der landläufigen Meinung haben Erfolg im Sport und Erfolg in der Wirtschaft gar nichts miteinander gemein: "Ich höre oft von Leuten: 'Wenn man gewinnt, verkauft man mehr, wenn man verliert, verkauft man weniger.' Meine Antwort darauf ist aber: Dem ist nicht so", erklärt der Italiener gegenüber 'Rai Uno'.

So habe Ferrari beispielsweise das größte Wachstum der vergangenen 60 Jahre in den USA erlebt - einem Land, in dem die Formel 1 fast überhaupt keine Bedeutung hat. Und auch in anderen Märkten funktioniere das Klischee nicht. Wenn man beispielsweise einen deutschen Fahrer verpflichten würde, heiße das nicht automatisch, dass man in Deutschland mehr Autos verkauft: "Wir hatten mit Fahrern wie (Michael; Anm. d. Red.) Schumacher herausragende Siege, haben in Deutschland aber nicht mehr verkauft", so di Montezemolo.

Und trotz der geringen Korrelation zwischen Sport und dem Erfolg des Geschäfts sah sich Ferrari gezwungen, etwas zu ändern. FIAT-Geschäftsführer Sergio Marchionne wird di Montezemolo ab Oktober ablösen, nachdem die Scuderia ausgerechnet beim Heimspiel in Monza ein weiteres Debakel erlebte. Zum ersten Mal seit sechs Jahren fuhr kein Ferrari auf das Podium, stattdessen gab es nur einen neunten Platz und einen technisch bedingten Ausfall.

Doch Monza war in diesem Jahr Mercedes-Land statt Ferrari-Territorium. Die Strecke habe schonungslos alle Defizite des Autos im Vergleich zur Konkurrenz aufgedeckt und so zu dem schlechten Ergebnis geführt, meint Teamchef Marco Mattiacci. "Das Auto hat gezeigt, dass wir uns verbessert haben, aber im Qualifying hat uns etwas gefehlt, und wenn man weiter hinten startet, dann wird es auf einer Strecke wie dieser schwierig, wenn man keine starke Power-Unit und keinen Abtrieb hat", so der Italiener zu 'Autosport'.

Denn eigentlich sei man von der Pace gar nicht schlecht gewesen, meint der Teamchef und sieht sich auf Augenhöhe mit Red Bull - wäre man nicht von den Positionen sieben und zwölf losgefahren. "Wir hätten daher ein weitaus besseres Ergebnis einfahren können, aber wir sind zu weit hinten gestartet, um ein normales Rennen zu haben."

Doch eines habe ihm der Grand Prix in Monza gezeigt: wie sehr die Tifosi Ferrari weiterhin unterstützen. Deswegen will Mattiacci Ferrari umso mehr zurück zum Sieg führen: "Für mich war es wichtig, die beeindruckende Leidenschaft und Liebe um Ferrari zu erleben und zu verstehen, dass Ferrari mehr als ein Rennstall ist. Es ist eine Institution, und wir haben den Fans und allen Enthusiasten gegenüber eine Verpflichtung."

Fotoquelle: xpbimages.com

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