Großer Preis von Singapur: Pre-Events

Großer Preis von Singapur: Pre-Events Großer Preis von Singapur: Pre-Events

Formel 1 2014

— 21.09.2014

Vettel ohne Chance: Hamilton gewinnt in Singapur

WM-Führungswechsel beim Nachtrennen: Pechvogel Nico Rosberg muss zuschauen, wie Lewis Hamilton ein Feuerwerk zündet und Sebastian Vettel besiegt



Die ohnehin schon dramatische Formel-1-Saison 2014 erlebt beim Grand Prix von Singapur eine weitere spannende Wendung: Lewis Hamilton gewinnt das Nachtrennen in souveräner Manier vor den beiden Red-Bull-Piloten Sebastian Vettel und Daniel Ricciardo und übernimmt damit zum ersten Mal seit Mai wieder die Führung in der Weltmeisterschaft.

"Der ist sein Geld wert. Er ist ein sensationelles Rennen gefahren", lobt Mercedes-Boss Niki Lauda die Performance von Hamilton. Dabei sah es ab Halbzeit eine Weile danach aus, als würde die bis dahin souveräne Fahrt letztendlich nicht zum Sieg führen, als Fernando Alonso (Ferrari) zum dritten Reifenwechsel kam, Leader Hamilton hingegen ebenso draußen blieb wie die beiden "Bullen". Aber Alonso konnte seinen Vorteil der frischeren Reifen nicht ausreichend ausspielen.

Hamilton seinen hingegen schon: Nach dem Restart in Runde 38 baute er den Vorsprung innerhalb von drei Runden von 3,2 über 5,8 auf 7,6 Sekunden aus - und sein härtester Gegner um den Sieg war plötzlich Vettel, der gegen seinen Willen vom Kommandostand dazu überredet wurde, ohne weiteren Boxenstopp bis zum Ende durchzufahren. Tatsächlich blieb Hamilton nach dem letzten Reifenwechsel in Runde 52 (von geplanten 61) trotz 25,2 Sekunden Vorsprung hinter Vettel.

Vettel nur kurzzeitig in Führung

Aber in Runde 54 war der Traum vom Sieg für den Deutschen auch schon wieder ausgeträumt, als Hamilton seinen Traktionsüberschuss ausspielte und mühelos in Führung ging. Bis zum Ende nach zwei Stunden maximaler Rennzeit (nach 60 Runden) fuhr der Mercedes-Pilot Vettel noch um 13,5 Sekunden davon. Druck habe er vor dem entscheidenden Boxenstopp aber ohnehin kaum gespürt: "Es war gar nicht so schlimm", grinst Hamilton.

Und zum Grinsen hat er auch allen Grund, denn sein WM-Rivale Nico Rosberg, gestern noch bis auf sieben Tausendstelsekunden an Hamilton dran, erlebte heute eine rabenschwarze Nacht: Bereits vor der Aufwärmrunde zeichneten sich Probleme mit seinem Lenkrad ab, bei der Aufwärmrunde kam er nicht vom Fleck - und nachdem er aus der Boxengasse ins Rennen gestartet war, schlug er sich bis zum endgültigen Ausfall mit Marussia und Caterham herum.

"Schon in der Box hat das Lenkrad nicht funktioniert. Auf einmal ging es wieder, dann wieder nicht. Im Rennen ging dann gar nichts mehr", seufzt der entthronte WM-Leader (jetzt drei Punkte Rückstand). "Ich konnte dann gar keine Knöpfe mehr drücken und es hat keinen Sinn mehr gemacht. Solche Dinge sind oft vermeidbar, aber wir müssen erst schauen, woran es lag. Es ist ein doofes Gefühl, weil eine Kleinigkeit das ganze Rennen zerstört. Es waren viele, viele Punkte heute."

Alonso: Strategie kostet mögliches Podium

Ein weiterer Unglücksrabe des Nachtrennens ist Alonso: Der Spanier erwischte zunächst einen tollen Start und bog direkt hinter Hamilton in die erste Kurve ein, musste aber neben die Linie und somit zumindest Vettel wieder kampflos durchlassen. Gegen Ricciardo konnte sich der Ferrari-Pilot gut zur Wehr setzen, und mit einem kürzeren zweiten Stint gelang es ihm sogar, sich deutlich an Vettel vorbeizuschieben. Den zweiten Platz verlor er erst durch den zusätzlichen dritten Boxenstopp.

"Wir hatten Pech mit dem Safety-Car", sagt Alonso. "Als es rauskam, waren wir auf den Supersofts. Bei Hamilton hat die Strategie funktioniert, aber er hatte auch einen Zwei-Sekunden-Vorteil, um den nötigen Abstand herauszufahren. Dieses Tempo hatten wir nicht. Wir haben also gestoppt und waren am Ende nicht in der Lage, die Red Bulls zu überholen, obwohl wir frischere Reifen hatten. Die Strategie war gut, nur der Moment, in dem das Safety-Car rauskam, war unglücklich."

Im Dreikampf Vettel-Ricciardo-Alonso am Ende behielt schließlich Vettel die Oberhand. "Ich mag diese Strecke einfach", sagt der Vorjahressieger. "Mein Rennen war gut, aber das Safety-Car kam aus unserer Sicht genau zum schlechtesten Zeitpunkt heraus. Wir probierten daher, mit dem letzten Reifensatz durchzufahren. Das hat geklappt, auch wenn ich zum Schluss unter großen Druck von Daniel und Fernando geriet. Ich freue mich aber, den zweiten Platz erzielt zu haben."

Hitze zermürbt einige Fahrer

Fünfter wurde Felipe Massa (Williams) - nach einem miserablen Freitag ein zufriedenstellendes Ergebnis. Teamkollege Valtteri Bottas rutschte in der letzten Runde durch die Gegend und fiel so vom siebten Platz noch aus den Punkterängen raus. Nutznießer: Rookie Kevin Magnussen (McLaren), der zwischendurch so sehr an der extrem schwülen Hitze litt, dass er sich via Funk weigerte, das kochend heiße Trinkwasser zu trinken.

"Man of the Race" war zumindest in der Schlussphase zweifellos der bei Red Bull in Ungnade gefallene Jean-Eric Vergne: Der Toro-Rosso-Pilot wurde in der Anfangsphase einmal von seinem Teamkollegen Daniil Kwjat durchgelassen, weil er schneller war, überholte im Finish mit den frischeren Reifen zunächst Nico Hülkenberg (Force India), dann auch (sehenswert!) Kimi Räikkönen (Ferrari) und Bottas - und fuhr letztendlich als Sechster über die Ziellinie.

Dabei hatte Vergne gleich zwei Fünf-Sekunden-Strafen wegen Verlassens der Strecke kassiert - einmal konnte er diese beim Boxenstopp absitzen, am Ende bekam er sie auf seine Gesamtzeit addiert. Wegen 7,2 Sekunden Vorsprung auf Sergio Perez (Force India) tat das aber nicht weh. Perez, dessen loser Frontflügel übrigens die Safety-Car-Phase ausgelöst hatte, sorgte indes mit einem starken Überholmanöver gegen Kwjat für Kopfschütteln bei Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost.

Rabenschwarzer Sonntag für Sutil

Räikkönen, Hülkenberg und Magnussen sicherten sich die Positionen acht, neun und zehn. Die Lotus-Piloten blieben unauffällig und holten keine Punkte, Sauber verzeichnete sogar einen Doppelausfall. Besonders enttäuschend der Tag von Adrian Sutil, der erst Perez' Frontflügel abrasierte, dann für das Verlassen der Strecke beim Überholen eines Marussia eine Fünf-Sekunden-Strafe kassierte und später mit zu wenig Wasserdruck aufgeben musste. Bei Esteban Gutierrez war's offenbar die Elektrik.

Ein cleveres Rennen fuhr lange Zeit Jenson Button (McLaren), bis plötzlich der Strom ausging und er an siebter Stelle liegend ausschied. Kamui Kobayashi (Caterham) erging es indes ähnlich wie Rosberg: Der Japaner konnte zwar noch in die Aufwärmrunde losfahren, rollte jedoch während dieser aus. So sahen nur 17 von 22 gestarteten Autos die Zielflagge, die - wie immer in Singapur - mit einem bombastischen Feuerwerk über der Stadt hinterlegt wurde.

In der Weltmeisterschaft haben nach 14 von 19 Saisonrennen nur noch sechs Fahrer rechnerische Chancen, 2014 Formel-1-Champion zu werden: neben Hamilton (241 Punkte) und Rosberg (238) auch noch Ricciardo (181), Alonso (133), Vettel (124) und Bottas (122). Bei den Konstrukteuren führt Mercedes (479) vor Red Bull (305), Williams (187) und Ferrari (178). Weiter geht's in zwei Wochen mit dem Grand Prix von Japan in Suzuka.

Fotoquelle: xpbimages.com

Weitere Formel 1 Themen

News

Rosberg-Rücktritt & Co.: Der Freitag in der Chronologie

News

Formel-1-Titel, die nicht verteidigt wurden

News

Formel-1-Live-Ticker: Droht Hamilton eine Suspendierung?

News

Wonneproppen bis Weltmeister: Nico Rosberg

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.